Akt.:

"The Dust of Time": Angelopoulos als düsterer Geschichtsphilosoph

"The Dust of Time": Angelopoulos als düsterer Geschichtsphilosoph
Für leichte Kinokost hat der Name des griechischen Meisterregisseurs Theo Angelopoulos nie gestanden: Elegische Geschichten um Exil, Heimat, Abschied und Tod sind sein Markenzeichen, brachten ihm seit Mitte der 70er Jahre stetig steigenden internationalen Ruhm. Auch seine jüngste Produktion “The Dust of Time”, Mittelteil einer geplanten Trilogie über Flucht und Entwurzelung, bietet ein pessimistisches Panorama der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Korrektur melden

Am 29. Oktober soll der mit Michel Piccoli, Bruno Ganz, Willem Dafoe und Irene Jacob glänzend besetzte Streifen mit zunächst einem guten Dutzend Kopien in die deutschen Kinos kommen.

Als zunächst schwer durchschaubares Geflecht von Handlungsfäden spinnt der 1935 in Athen geborene Kino-Künstler seine Filmerzählung, die sich zwischen Kasachstan, Kanada und Kurfürstendamm, zwischen Stalins Tod 1953 und dem 31. Dezember 1999 überaus verschachtelt entwickelt. Ein geschickter Kunstgriff a la Shakespeare ist die Schilderung von Film im Film: Der etwa 50 Jahre alte Regisseur A. (Dafoe), das Alter Ego von Angelopoulos, plant die Verfilmung des Lebens seiner Eltern, die als griechische Kommunisten nach verlorenem Bürgerkrieg in den 40er Jahren in die UdSSR emigriert sind. Sie werden dort verhaftet, getrennt und finden sich schließlich nach Jahrzehnten wieder. Den in einer hastigen Liebesnacht gezeugten Sohn besuchen sie just zum Mauerfall 1989 in Berlin.

“Der Kollaps der Ideologien und das unablässige Erproben der Historie” sei Thema seines jüngsten, bereits auf der Berlinale außer Konkurrenz gezeigten Films, erläutert Angelopoulos. So werden die meist in Kolonnen auftretenden Menschen, ob im sibirischen Gulag oder am Berliner Flughafen, zu reinen Objekten von Handlung und geschichtlicher Abläufe. Angelopoulos durchwebt in seiner assoziativen Szenenfolge Raum und Zeit, stellt jede linear- optimistische Geschichtsentwicklung infrage. Historie ist das, was der Einzelne erleidet, in seiner Erinnerung rekonstruiert.

Einzig die durch die Brutalität des totalitären Jahrhunderts geläuterte Liebe erlaubt Lichtblicke: Da ist das alternde Elternpaar Eleni und Spyros, den Piccoli in Scheitern und stiller Resignation großartig sensibel verkörpert. Da ist Jacob (Ganz), der deutsche Jude, der als treuer Freund die Griechin durch die Schneehölle des Gulag begleitet hat.

Auch wenn gelegentlich hölzerne Dialoge, unnötig häufiger und hektischer Schauplatz-Wechsel oder eine leichte Überdosis Pathos den Genuss schmälern, so ist “Der Staub der Zeit”, der sich wie Mehltau auf das abgelaufene Jahrhundert gelegt hat, ein Stück gutes europäisches Autorenkino. Dass der griechische Kino-Altmeister nichts von den Flimmerbildern der Gegenwart hält, machen nicht nur seine legendären, bedächtigen Kamerafahrten klar: In einer der Schlüsselszenen steht Regisseur A. inmitten einer Reihe zerschlagener Fernsehgeräte.

http://www.dustoftime.de



Kommentare 0

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig
Mehr auf austria.com
Wenn Gott will – Trailer und Information zum Film
In "Wenn Gott will" begleiten Gabriele Hochleitner und Timothy McLeish die junge Sadi: Die Jugendliche flüchtet mit 17 [...] mehr »
David Lynch: The Art Life – Trailer und Kritik zum Film
David Lynch arbeitet an einem Gemälde in seinem Atelier, für ihn ein Ort der Ruhe. "Bis heute bleibe ich am [...] mehr »
Anna Fucking Molnar – Trailer und Kritik zum Film
Die Geschichte vom Künstler, der sich vom Nullpunkt weg wieder aus dem Sumpf hinaus arbeitet, erfährt unter der Regie [...] mehr »
Detroit – Trailer und Kritik zum Film
Schreiende Demonstranten, berstende Schaufenster, kaltblütige Polizisten, die gegen sie knüppeln, eine Straße wie ein [...] mehr »
Aus dem Nichts – Trailer und Kritik zum Film
Dem Regiestar Fatih Akin ist mit "Aus dem Nichts" ein Film zur Zeit gelungen, ohne sich in platter Tagesaktualität zu [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

“Borat”-Erfinder Cohen will für Fans Strafe zahlen

Interview mit Regisseur Ulrich Seidl: “Jeder Mensch hat seine Abgründe”

Po-OP bei Kendall?

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung