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Trotz Neuplanung des Heumarkt-Projekts: Weltkulturerbe-Aberkennung droht

Die UNESCO droht weiterhin mit dem Weltkulturerbe-Aus der Wiener Innenstadt Die UNESCO droht weiterhin mit dem Weltkulturerbe-Aus der Wiener Innenstadt - © APA / ISAY WEINFELD-und-SEBASTIAN MURR
Auch durch die Reduktion der Turmhöhe von 73 auf knapp 66 Meter am sogenannten Heumarkt-Areal entspricht das geplante Großprojekt nicht den Vorgaben der UNESCO. Der Stadt Wien droht nun weiterhin der Verlust des Weltkulturerbes.

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Die Stadt Wien, Projektbetreiber Michael Tojner, der Eislaufverein und das Konzerthaus haben am Dienstag gemeinsam die überarbeiteten Pläne präsentiert.

Trotz Turmverkleinerung am Heumarkt drohendes Welterbe-Aus

Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) stellten gemeinsam mit den unmittelbar Beteiligten die zweite Ausgabe des Projekts vor. Nicht nur der Wohnturm wurde um drei Stockwerke reduziert, auch das Hotel Intercontinental wird – falls alles nach Plan läuft – abgerissen, neu gebaut und ebenfalls verkleinert. Der Neo-Entwurf baut auf dem Konzept des Architekten Isay Weinfeld auf, der den damaligen Wettbewerb für sich entscheiden konnte.

Abstrich aus wirtschaftlicher Sicht

Der Eislaufverein muss sich mit einer geringfügig verkleinerten Eisfläche zufriedengeben, da nun die Wege breiter werden. An der geplanten Eishalle wurde jedoch nicht gerüttelt. Im Sommer soll die Fläche ebenfalls freizeittechnisch bespielt werden – weitgehend jedoch ohne Konsumzwang, wie heute betont wurde. Das Konzerthaus wiederum wird, wie dessen Präsident Christian Konrad heute befand, durch die Neugestaltung des Areals sichtbarer. Auch der Seiteneingang soll wieder geöffnet werden. Finanzier Michael Tojner musste aus wirtschaftlicher Sicht Abstriche machen, zeigte sich aber trotzdem über die Einigung erfreut. Er bezifferte die Investitionssumme heute mit 250 bis 300 Mio. Euro. Der Baubeginn wird laut dem Wertinvest-Chef nicht vor 2019 erfolgen.

Häupl und Vassilakou hofften auf eine freundlichere Bewertung durch die UNESCO, auch einen “Managementplan zum Weltkulturerbe” stellten sie in Aussicht. Geholfen hat dies nichts. Die UNESCO machte umgehend klar, dass sie mit dem Projekt weiterhin eher gar keine Freude hat. Die Gesamthöhe des Hochhauses mit den neu festgesetzten 66,3 Metern entspreche nicht den Vorgaben, hieß es in einer Mitteilung: “Die UNESCO fordert seit 2012 die maximale Bauhöhe mit 43 Metern zu begrenzen.”

Sitzung des Welterbekomitees im Juli 2017

“Nach vier Jahren Befassung und Beanstandung des Projekts am Heumarkt durch die UNESCO hat die Stadt Wien nun auch den letzten sehr präzisen Vorgaben des Komitees im Juli 2016 nicht entsprochen”, kritisierte Eva Nowotny, die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission. Nun droht bei der Sitzung des Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau Ungemach. Die Aufnahme in die Rote Liste und in weiterer Folge die Aberkennung des Welterbeprädikats wurden in Aussicht gestellt.

Hausbau am Heumarkt keine beschlossene Sache

Wobei: Noch ist der Hausbau am Heumarkt ohnehin keine beschlossene Sache. Das Flächenwidmungsverfahren steht noch bevor. Und genau hier hatte es zuletzt Probleme gegeben: Der mit dem Vorhaben befasste Fachbeirat für Architektur und Stadtgestaltung hatte Kritik angemeldet, worauf Vassilakou eine “Nachdenkpause” anordnete. Was der Beirat zu den umgearbeiteten Plänen sagt, ist noch offen. Er wird sich dem Vernehmen nach erst in einer Sitzung am morgigen Mittwoch mit der Umplanung beschäftigen.

City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) forderte am Dienstag sämtliche Beteiligten auf, zu verhindern, dass es tatsächlich zu einer Aberkennung kommt. Zukunftsentwicklung müsse mit dem Welterbe in Einklang gebracht werden, verlangte er. Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel urgierte eine “gesamthafte Zukunftsplanung” für die Stadt und sprach sich gegen ein “Herumdoktern” an einzelnen Projekten aus. Für die Wiener NEOS kritisierte deren Stadtentwicklungssprecher Stefan Gara mittels Aussendung: “In dieser Causa wurde deutlich, dass es an klaren, verbindlichen Vorgaben der Stadt für solche großen Projekte fehlt, gerade wenn es das Weltkulturerbe betrifft.”

Parteifreunde von Vassilakou skeptisch

Doch auch die Parteifreunde von Maria Vassilakou sind skeptisch: “Vor 16 Jahren hat Wien die UNESCO ersucht, den Stadtkern als kulturelles Welterbe anzuerkennen und versprochen, auf dieses Erbe achtzugeben. Mit den heute vorgelegten Plänen für den Luxuswohnturm Am Heumarkt gibt Wien seinen Status als Weltkulturerbe auf”, zürnte der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, in einer Pressemitteilung. Alexander Hirschenhauser, der Klubobmann der Grünen im ersten Bezirk, befand, dass “luxuriöse Prestigewohnungen in einem Hochhauskomplex” in keinem Verhältnis zur gleichzeitigen Verkleinerung der Eislauffläche und dem Verlust des Welterbestatus stünden.

(APA/Red.)



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