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US-Rocker All Them Witches gastierten in Wien

All Them Witches waren in der Wiener Arena zu Gast. All Them Witches waren in der Wiener Arena zu Gast. - © APA/Herbert P. Oczeret
Die US-Rockformation All Them Witches gastierte am Mittwoch in der Arena in Wien. Das Publikum war begeistert.

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Sie gewinnen wirklich an Fahrt: Vor fünf Jahren erschien das Debütalbum von All Them Witches, einer US-Rockformation, die für ihren Sound alte Zutaten mit zeitgemäßen Nuancen und vor allem viel Leidenschaft mischt. Beim Publikum kommt das Rezept an, wie das Gastspiel in der Wiener Arena am gestrigen Mittwoch bewies. Ein energetischer, lauter Auftritt wie im Rausch wurde da abgeliefert.

Viel brauchte es dafür nicht: Ganz auf Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keyboard setzend, evozierte das Quartett psychedelische Klangreisen, fabrizierte trockene Kopfnicker-Riffs und suhlte sich ein ums andere Mal in gefälligen Melodien. Klingt retro? Vielleicht, aber in derart zwingender Manier umgesetzt, stellt sich die Frage nach einer zeitgemäßen Einordnung nicht. Auch die jüngste Platte “Sleeping Through The War”, erschienen im Frühjahr, entzieht sich dem.

“Wir erfinden das Rad nicht neu”, nickte Keyboarder Allan Van Cleave im APA-Gespräch vor dem Auftritt. “Schon vor 50 Jahren hat es Bands wie uns gegeben, und auch in 50 Jahren werden Kids mit diesen Instrumenten eine Band gründen.” Die dabei durchschimmernde Attitüde ist wirklich ein prägendes Merkmal bei All Them Witches. Einfach dem Gefühl folgen, nicht alles verkomplizieren oder zerdenken, scheint das Motto zu lauten. “Es ist letztlich Rock’n’Roll”, ergänzte Schlagzeuger Robby Staebler. “Den gibt es schon ziemlich lang. Heute klingt Popmusik oft sehr ähnlich, sehr glattgebügelt. Bei uns ist es wohl organischer und hat daher diesen Old-School-Vibe.”

All Them Witches: Das Konzert in der Wiener Arena

Blues, Hardrock, psychedelische Einflüsse (nicht zuletzt auch bei der optischen Umsetzung von T-Shirts, Cover-Artworks oder Videos) und Stoner Rock werden also in einen Topf geworfen und gut durchgerührt. Und die Gruppe legt dabei ein ordentliches Tempo vor, stehen doch bereits vier Alben, zwei Live-Veröffentlichungen und mehrere EPs sowie Singles auf der Habenseite. “Die Demos für unser neues Album haben wir an einem Tag eingespielt, daraus ist dann der Rest entstanden”, resümierte Staebler. “Wir kommen zusammen und spielen einfach. Simpler geht es kaum. Alles fällt einfach an den richtigen Platz.”

Das ist auch eine gute Beschreibung für den Live-Eindruck: Schicht für Schicht wurde der Sound aufgetragen, gab mal Bassist und Sänger Charles Michael Parks Jr. den Taktführer, dann wieder Gitarrist Ben McLeod. Ohnehin schien einerlei, von wem der nächste Einsatz, die nächste Idee kam – das Verständnis untereinander funktionierte quasi blind. Mal wurde es härter und direkter, wie beim Südstaaten-getränkten “Charles William”, oder man erging sich in einem hypnotischen, unter der Oberfläche brodelnden Rhythmus (“Alabaster”).

“Bei uns ist der Zufall wichtig”

Ausufernde Jams gehören bei All Them Witches ebenso zum Reiz wie teils überraschende, etwas sperrige Wendungen. Und da dürfte nicht immer alles geplant sein, glaubt man den Musikern. “Alle unsere Platten haben kleine Fehler”, schmunzelte Staebler. “Sowas passiert in der Popmusik ja nicht. Aber bei uns ist der Zufall wichtig. Wir sind keine Maschinen. Etwa das ganze Intro von ‘Death of Coyote Woman’ ist ein Fehler, aber es passt – deshalb spielen wir es jetzt so.” Und zwar auch in der Arena, wo die dicht gedrängten Reihen jeden Ton begierig aufsogen.

Europa ist generell ein gutes Pflaster für All Them Witches. War man in der Frühphase der Karriere aus unterschiedlichen Gründen nie hier, ist es nun die bereits fünfte Tour in zwei Jahren. “Und jedes Mal bekommen wir mehr zu essen”, lachte der bärtige Schlagzeuger. “Nein, ernsthaft: Es kommen auch immer mehr Leute zu den Konzerten. Hier spielen wir unsere besten Shows. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht wissen Europäer Kunst und Musik anders zu schätzen? In den Staaten sind alle so beschäftigt mit ihren Fernsehern.” Für diese Band lohnt es sich in jedem Fall, die Glotze des öfteren abzudrehen.

(APA, Red.)



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