15. Januar 2010 12:48; Akt.: 15.01.2010 12:48

"Verlogenenes, verschissenes Land"

"Verlogenenes, verschissenes Land"
Aufregung um Alfons Haider. In “Willkommen Österreich” kritisierte er den öffentlichen Umgang mit Homosexualität hierzulande und bezeichnete Österreich deswegen unter anderem als “verlogenenes, verschissenes Land” . Die Empörung bei manchen ist groß.

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Dass in “Willkommen Österreich” schon so mancher Gast Aussagen tätigte, die er woanders so sicher nicht von sich gegeben hätte, ist bekannt. Angestachelt von den Moderatoren Christoph Grissemann und Dirk Stermann, die sich weiß Gott nie ein Blatt vor den Mund nehmen, rutscht da so manch seriösem Promi schon mal die eine oder andere Obszönität oder Indiskretion über die Lippen. Die jüngste Ausgabe der Comedy-Show könnte allerdings ein Nachspiel haben: Zu Gast in der Sendung vom 14. Jänner war Alfons Haider, der zu seinem einstigen Outing als Schwuler eindringlich befragt wurde.

“Ich liebe Österreich – aber nicht das!”

Als der heute 52-Jährige erklären sollte, warum er damals unter anderem vom ORF gefeuert wurde, meinte Haider: “Weil wir in einem verlogenen, verschissenen Land leben … Es ist zwölf Jahre her, aber es ist heute so: Wir leben in einem Land, wo wie in keinem anderen mitteleuropäischen Land, katholisch, so viele Frauen und Kinder verprügelt werden und diese Gfraster schauen alle zu. Wir leben in einem Land, wo Flüchtlinge wie Tiere behandelt werden und wieder ausgesiedelt werden. Das ist alles dieses coole, wunderbare Österreich. Aber ich liebe es trotzdem – aber nicht das!”

Er würde sich heute nicht mehr outen, weil “meine Mutter geschlagen wurde und eine gebrochene Rippe hatte, weil der Bua eine schwule Sau ist. Das ist auch dieses Land. Und dann muss ich mir zehn Jahre später vorwerfen lassen, ich hab’ damit punkten wollen?”

“Bin erleichtert!”

Die Reaktionen auf die Aussagen des Entertainers und Moderators waren heftig – und zwar in beiderlei Hinsicht. Im “Ö3 Wecker” diskutierten Hörer über die Statements, wobei von “Nestbeschmutzung” bis zu absoluter Zustimmung alles zu hören war. Haider selbst erklärte im Radio-Interview, er bereue nichts, er sei zwar in “Willkommen Österreich” provoziert worden, habe aber “richtig reagiert”. “Das heißt aber nicht, dass ich dieses Land nicht liebe … aber man muss auch wissen, was alles nicht stimmt. Und es stimmt einiges nicht.”

Es sei so, dass “wir wirklich schon zum Großteil in vielen diesen Dingen in einer derartigen Verlogenheit leben. Wir leben in einem der modernsten Länder der Welt, Frauen sind noch immer zweite Klasse, verdienen noch immer weniger als Männer. Es wird jede Randgruppe von oben schief angeschaut, das rechte Lager gewinnt immer mehr … und ein Teil unserer Mitbürger tut so, als ob nichts passieren würde.”

Doch nicht nur unter Privatpersonen war die (künstliche) Aufregung groß; auch die Politik meldete sich pflichtbewusst zu Wort und versuchte sofort, Kapital aus Alfons Haiders Sagern zu ziehen. So forderte die Wiener FPÖ in einer Aussendung ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf, “Haider von allen Moderationstätigkeiten abzuziehen und auf dessen Mitarbeit künftig zu verzichten!” Wrabetz’ Antwort steht derzeit noch aus …

(seitenblicke.at/Foto: ORF)



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