21. Juli 2012 12:06; Akt.: 21.07.2012 12:06

Vom spießigen Finanzberater zum Höllenhund in “Jedermann”

Die zwei Rollen des Peter Jordan. Die zwei Rollen des Peter Jordan. - © APA/Gindl
Peter Jordan erzählt wie es ist den Finanzberater und gleichzeitig den Teufel im “Jedermann” zu spielen. Selbst beim raschen Umziehen kommt er nicht ins Schwitzen.

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Während “Jedermann” Nicholas Ofczarek noch mit dem Tod ringt, zieht sich Peter Jordan hinter der Bühne im Höllentempo um. Aus dem Guten Gesellen, dem gierigen Finanzberater des “Jedermann”, entspringt in zehn Minuten ein ölig-schmieriger Teufel. Der rasche Wechsel bringt den 45-jährigen, deutschen Schauspieler bei den 92. Salzburger Festspielen nicht aus der Ruhe – auch nicht neugierige Fragen so kurz vor dem nächsten Auftritt. Im APA-Gespräch schildert er, was ihn am Teufel so fasziniert und warum er diesen “Höllenhund” nächstes Jahr gerne wieder spielen möchte.

Geldbeutel von Jedermann im Griff

Anfangs schreitet Jordan im dunkeln Nadelstreif über die Bühne des Domplatzes. Er hält den prall gefüllten Geldbeutel von “Jedermann” Nicholas Ofczarek fest im Griff. Ein Lustschloss samt Lustgarten steht zum Kauf an. Den Gehstock schwingt er selbstbewusst mit der selben Handbewegung, mit der er später den zwei Meter langen Teufelschwanz um sich schlägt. Noch bewegt er sich unauffällig und gemächlich. Doch seine Mimik und Gestik lässt zusehends erkennen, wer in dem Guten Gesellen steckt – erraten? – “der Teufel”.

Freund oder Feind?

“Er ist der Freund des ‘Jedermann’ und sein Finanzberater. Hauptsächlich die Leute, die einem raten, wie man das Geld anlegen soll, sind die Schlimmsten”, ätzt Jordan. Der Gute Geselle ist gerade von der Bühne abgetreten und tänzelnden Schrittes – die Umwandlung zum Satan hat schon begonnen – in der Vorhalle des Doms angekommen. Dort wartet Maskenbildnerin Astrid Lehmann mit ihren zwei Kolleginnen und zwei Ankleidern auf ihn. Hektik bricht aus.

Karies durchsetzte Teufelszähne

Jordan reißt sich die biederen Kleider bis zur Unterhose vom Leib. Schon werden ihm die Karies durchsetzten Teufelszähne in den Mund geschoben. Nein, an den ersten Satz des Teufels denke er gar nicht, sagt der Schauspieler. Er spielt ihn schon zum vierten Mal, der Text sitzt. Da fragt er lieber seinen Ankleider Markus, wie der Urlaub war. Während Jordan ins dunkle Trikot schlüpft, pinseln ihm Astrid Lehmann und Julia Böhme schwarze Spezialfarbe und schwarze Gelatine millimeterdick auf seinen durchtrainierten Körper. “Ich wollte heuer eigentlich die Farbe rot, wollte blutig rauskommen, aus der Hölle geboren werden, mit allem, was dazugehört: Plazenta, Nachgeburt und Nabelschnur. Aber das wäre zu viel gewesen für den Domplatz.”

Schwarz oder grün?

Also doch ein konservativer Teufel? “Konservativ ja, das Schwarz. Ein Kollege sagte, ich wäre wie Dreck, direkt vom Golf von Mexiko gekommen, von der Ölpest. Ölig, schmierig, Höllenhund war so ein bisschen der Kostümentwurf.” Drei Jahre zuvor sei er grün gewesen, hätte ausgesehen wie aus “Herr der Ringe”. Die schwarze Farbe sollte den Teufel ernster machen. Die jetzige Erscheinung ähnele den Gestalten in Gemälden des Mittelalters – “von Breughel oder Hieronymus Bosch”. Jordan stülpt sich die 20 Zentimeter langen, dünnen Gummifinger über, schlüpft in die von Lehmann gebastelten, übergroßen Füße, rollt die rot umrandeten Augen und zeigt seine Zunge.

“Ich fühle mich sehr gut. Die Kostümierung hilft mir, in die Rolle hineinzuschlüpfen. Man spürt ja wie man aussieht. Wenn man eine gute Maske hat, braucht man nicht mehr soviel spielen.” Da hat Jordan untertrieben. Auf der Bühne springt er wie ein Akrobat herum, gestikuliert wild und schreit lautstark heraus, was in nervt. “Ich bin eigentlich immer ein bisschen heißer nach der Vorstellung.” Aber Tee trinkt er dann keinen, “lieber Alkohol”, sagt er teuflisch grinsend.

Schleichender Teufel

Seine Bewegungen sind geschmeidig. Jordan tut sich leicht, war er doch in seiner Jugend Marathonläufer und geht jetzt noch zeitweise ins Fitnessstudio. Genussvoll schmettert er dem Publikum am Schluss des Stücks, da hat sich “Jedermann” dem Bösen schon abgewandt, seinen letzten Satz, sein Lieblingszitat, hin: “Geschissen drauf und sei’ es drum, ich hab’ auch ohne dem genug zu tun.”

Es ist noch mehr drin

Den Teufel würde Jordan im nächsten Jahr wieder gerne spielen, sagt er. “Ich habe das Gefühl, dass Astrid und ich nicht alles an Farben und Formen des Teufels ausgereizt haben. Aber das hängt nicht von mir ab.” Das Rätsel ist noch nicht gelüftet, wer den “Jedermann” spielt, geschweige denn die anderen Rollen. Was fasziniert ihn so an der Figur? Er dürfe all die “dummen Jungenstreiche” spielen, grölen und wild mit den Händen fuchteln. Feuer, Qualm, Trockeneisnebel als wirkungsvolle Effekte. “Mit Feuer aufzutreten ist sonst total verpönt im Theater.” Alles was Regisseure woanders nicht kriegen würden, sei in Salzburg, auf dem Domplatz, möglich. “Und so ein Kostüm bekommst du auch sonst nirgends. In Salzburg wird man toll aufgenommen, ich werde ordentlich entlohnt und habe eine tolle Zeit hier und eine tolle Rolle. Der Aufwand, die Arbeit und die Dankbarkeit, die einem entgegengebracht wird, das hält sich sehr gut die Waage.”

(APA)



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