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VW-Dieselskandal: Der Diesel-Motor wird nicht sterben, aber teurer

Harter Schlag für Autoindustrie - Stromantriebe könnten profitieren. Harter Schlag für Autoindustrie - Stromantriebe könnten profitieren. - © EPA
“Diesel fahren gefährdet die Gesundheit” – so warnen Umweltverbände schon lange. Doch erst seit die kriminelle Manipulation von Abgaswerten bei Volkswagen in den USA aufflog, findet dieses Thema breitere Beachtung. Die Autoindustrie fürchtet nun, dass sich die Käufer abwenden.

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Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, fleht die Öffentlichkeit geradezu an, die Branche wegen VW nicht unter Generalverdacht zu stellen. Nach Einschätzung von Experten wird die Affäre die Politik zu einer scharfen Umsetzung des geltenden Grenzwertes für Stickoxid zwingen – und die Autobauer zu einer teureren Abgasreinigungstechnik. Der hohe Diesel-Absatz könnte sinken, alternative Antriebe mit Strom stärker gefragt sein.

Verfahren in Europa wirft Fragen auf

“Wir halten am Diesel fest”, betonte Wissmann am Donnerstag auf der Automobilmesse IAA. “Man muss klar unterscheiden zwischen der Manipulation einer Testtechnologie und der Technologie selbst.” Doch selbst das vorgeschriebene Verfahren in Europa wirft Fragen auf. Wie aus einem Schreiben der deutschen Regierung an die EU-Kommission hervorgeht, halten die neuesten Diesel-Fahrzeuge die Euro-6-Norm von 80 Milligramm auch nur auf dem Prüfstand ein – im Normalbetrieb liegt der Schnitt bei 500 Milligramm pro Kilometer. Das ist eine Ursache dafür, dass die EU gegen Deutschland ein Strafverfahren wegen zu hoher Luftverschmutzung eingeleitet hat. Die überhöhte Stickoxid-Konzentration führt zu Atemwegskrankheiten.

“Dieselgate” könnte Politik unter Druck setzen

Die Autoindustrie verweist als Lösung des Problems auf die neuen Messverfahren, die gerade noch in der EU in Arbeit sind. Sie sollen ab 2017 die Emissionen unter realeren Bedingungen glaubwürdiger ermitteln. Doch bei der Ausgestaltung der Regeln versucht die Autolobby nach Informationen aus EU-Kreisen, den Ermessensspielraum weit auszudehnen. Autoexperte Helmut Becker, Chef des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München (IWK), erwartet, dass “Dieselgate” die Politik so stark unter Druck setzen wird, dass die Industrie hier mit straffen Zügeln rechnen muss. Die Autobauer müssten aus dem Skandal die Lehre ziehen, dass ein strenges Regime auch in ihrem Sinne ist. “Es müsste einen Neuanfang geben, und die deutsche Autoindustrie müsste wirklich die umweltfreundlichsten Autos der Welt bauen”, sagte er.

Zwei Mal jährlich Harnstoff zur Neutralisierung?

Dazu ist aber eine kostspieligere Technik notwendig, bei der Harnstoff zur Neutralisierung des Stickoxids in die Abgase gesprüht wird. Diese gibt es bisher vor allem bei teureren Oberklassewagen. Der Autofahrer müsste etwa zwei Mal im Jahr für 50 Euro eine Flasche Harnstoff nachkippen. Die Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass sich Autos durch die sauberere Technik um 100 bis 300 Euro verteuern. “Deshalb besteht das Risiko, dass die jüngsten Vorfälle ein schnelleres Abwenden vom Diesel auslösen”, schrieben sie.

Experte erwartet Einknicken des Diesel-Absatzes

Ein Branchenexperte, der nicht namentlich genannt werden will, erwartet ebenfalls ein Einknicken des Diesel-Absatzes, zumindest von Mittelklasse-Fahrzeugen, bei denen die Käufer nur einen geringeren Preisaufschlag gegenüber einem Benziner akzeptieren. Der von der Industrie gefürchtete Imageschaden des Diesels als Dreckschleuder werde die Deutschen dagegen kaum davon abhalten, ihr liebstes Kind auch mit Diesel zu fahren. “Jeder ist für eine saubere Umwelt, aber die Leute kaufen sich trotzdem SUVs und heizen mit 250 Stundenkilometern über die Autobahn”, sagte der Autoexperte.

“Dann wird’s halt teurer”

Der Kratzer am Diesel-Image ist für die Industrie nicht nur ein Absatzproblem, da jedes zweite neue Fahrzeug in Europa mit dem dickeren Treibstoff fährt. Da der Diesel weniger verbraucht und damit weniger Kohlendioxid (CO2) ausstößt, brauchen die Hersteller dringend einen hohen Anteil an ihren Fahrzeugflotten, um im Schnitt den CO2-Grenzwert von 95 Gramm ab 2020 einzuhalten. Das gilt vor allem für die Premiumhersteller: Drei Viertel aller BMW, zwei Drittel aller Audi und sechs von zehn neuen Mercedes-Modellen fuhren 2014 mit Diesel. Sollte der Diesel-Absatz einknicken, müssten die Hersteller noch mehr als bisher in emissionsarme Benzin-Motortechnik investieren – und in die dank Batterieeinsatz spritsparenden Hybrid-Modelle. Die deutschen Autobauer werde das nicht ruinieren, ist IWK-Chef Becker sicher. “Die schaffen das – dann wird’s halt teurer.”

(APA)



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