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Wiener Klavierbauer mit japanischen Besitzern

“Alle unsere Klaviere werden in Wiener Neustadt gebaut. Ein Bösendorfer kann nur in Österreich von österreichischen Facharbeitern mit Wissen um die uralte österreichische Handwerkstradition gebaut werden.” Dass der Geschäftsführer dies zum 185. Geburtstag der “traditionsreichsten und ältesten Premium Piano Manufaktur der Welt” mehrfach betonen muss, liegt an den vielen Veränderungen in 185 Jahren.

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Seit Ende 2007 ist Bösendorfer Teil des japanischen Musik-Multis Yamaha. Und Brian Kemble, Bösendorfer-Geschäftsführer seit 1. März 2011, ist Brite (der 1911 gegründete Familienbetrieb Kemble Pianos gehört heute wie Bösendorfer zu Yamaha, die Fertigung wurde allerdings komplett nach Asien verlagert). “Yamaha haben bei Bösendorf genau das gemacht, was sie angekündigt haben. Sie haben das System der Fertigung nicht verändert. Aber es ist immer wieder hilfreich, kollegialen Austausch pflegen zu können”, so Kemble heute.

Rund 300 Instrumente produziert Bösendorfer derzeit jährlich, Tendenz steigend – und doch weniger als ein Promille des Weltmarktes und auch um einiges weniger als Ende der 1990er Jahre. Laut Angaben des Unternehmens konnten die Kosten zuletzt deutlich gesenkt werden, die Fertigung wurde auf Wiener Neustadt konzentriert, die Zahl der Mitarbeiter auf heute 115 reduziert. Bei rund 10,5 Millionen Euro Umsatz hofft man im bis März 2014 laufenden Geschäftsjahr die Defizite der vergangenen Jahre in eine schwarze Null verwandeln zu können, für die kommenden Jahre werden Verkaufszuwächse von vier Prozent jährlich angestrebt.

Den Grundstein des Unternehmens legte der am 27. Juli 1794 in Wien geborene Ignaz Bösendorfer. Als 19-Jähriger begann er eine Lehre bei Josef Brodmann, dem berühmten Wiener Orgel- und Klavierbauer. Am 25. Juli 1828 gründete er mit der Gewerbenummer 225 669 seinen eigenen Betrieb, die “Bösendorfer Klaviermanufaktur”, und heimste mit seinen Instrumenten 1839 und 1845 den ersten Preis bei der alljährlichen Wiener Industrieausstellung ein.

Derartige Erfolge blieben auch dem Kaiser nicht verborgen. Um dies zu demonstrieren, durfte Bösendorfer in Zukunft den offiziellen Titel eines “k. u. k. Hof- u. Kammerklavierverfertigers” tragen. Franz Liszt, gefeierter Konzertpianist, verdankte dem Firmengründer neben einer lebenslangen Freundschaft seinen Durchbruch. Mit seiner eigenwilligen, bis dahin von niemandem erreichten Technik zertrümmerte Liszt sämtliche Klaviere, die ihm “unter die Finger kamen”. Erst ein Bösendorfer-Flügel hielt seinem Spiel stand. Die Folge: Das damals konzertbegeisterte Wiener Publikum konnte endlich einem von Liszt gegebenem Abend lauschen, feierte den Pianisten stürmisch, und der “Bösendorfer”-Flügel war mit einem Schlag über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt geworden.

Mit dem Tod des Gründers 1859 übernahm sein Sohn Ludwig, geboren 1835, den Betrieb und verbesserte mit seiner musikalischen Begabung und mit innovativen Konstruktionen Klang und Ausführung der Klaviere. 1860 meldete er das Patent “Privilegium auf die Erfindung einer eigentümlichen Klaviermechanik” an. 1870 übersiedelte der Betrieb nach Wien-Wieden, Büro und Verkaufslokal kamen in die Herrengasse in der Innenstadt. Der von Ludwig initiierte Umbau der dort gelegenen Reitschule des Fürsten Liechtenstein, die über eine ausgezeichnete Akustik verfügt, bescherte Wien einen der besten Konzertsäle der Welt, in dem zwischen 1872 und 1913 mehr als 4.500 Abende stattfanden.

Ludwig Bösendorfer widmete dem Konservatorium zahlreiche Flügel und alljährlich einen “Bösendorfer” für einen fähigen Absolventen des Klavierfachs. Diese Stiftung lebt heute noch in Form eines zweijährigen “Wettbewerbs” weiter. 1909 verkaufte der kinderlose Ludwig den Betrieb an seinen Freund Carl Hutterstrasser, der ihn in seinem Sinne weiterführte. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise 1929 traf die exportorientierte Klavierfabrik besonders schwer, erst Mitte der 30er Jahre stieg die Produktion bis zum Jahr 1943 langsam an, bis das Werk und das Lager gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ausgebombt werden und die Produktion damit völlig brach lagen.

Zwischen 1950 und 1966 wurden jährlich bereits wieder an die 100 Klaviere gebaut. 1966 kaufte die amerikanische Firma Kimball International Inc. die Bösendorfer-OHG auf und wandelte sie in eine Aktiengesellschaft um. 1975 wurde erstmals wieder die Produktionszahl von 1913 erreicht und überschritten: 515 Klaviere fanden Absatz in allen Kontinenten. Das 150-jährige Bestehen wurde 1978 mit einem Festkonzert der Wiener Philharmoniker unter Horst Stein im Musikverein begangen.

2002 gelangte mit dem Erwerb durch die BAWAG/PSK-Gruppe das Unternehmen wieder in österreichische Hand. Der Klavierverkauf ging zurück, der Klavierbauer schrieb Verluste. Ende 2007 wurde die Firma um knapp 15 Mio. Euro an den japanischen Konzern Yamaha verkauft. Yamaha setzte sich dabei gegen die österreichische Bieter-Gruppe um den Wiener Klavierbauer Brodmann Pianos durch.



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