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Wiener Mafia-Prozess um Schutzgeld: “Edos” Bruder auf der Anklagebank

Beim Wiener Mafia-Prozess Beim Wiener Mafia-Prozess - © APA
Im Wiener Mafia-Prozess, der derzeit im Wiener Landesgericht verhandelt wird, musste am Mittwoch der Bruder des mutmaßlichen Bosses einer Schutzgelderpresserbande selbst auf die Anklagebank. Ihm und vier weiteren Männern wird nicht nur die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

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Die Beschuldigten sollen auch versucht haben, Zeugen zu beeinflussen, im Fall “Edo” ihre Aussage zu revidieren.A lle fünf Angeklagten – zwei Bosnier und drei Russen – bekannten sich nicht schuldig. Die Anklage basiert hauptsächlich auf den Aussagen eines 45-jährigen Cousins von Edin D. alias “Edo”, der auch als einer der Hauptbelastungszeugen im Prozess mutmaßliche, mafiöse Vereinigung namens “Struja” (auf Deutsch: Strom) im Jänner aussagen soll.

Geld geboten, um Aussagen zu revidieren

Der 45-Jährige gab bei der Polizei an, dass ihm bei einem Treffen im Frühjahr 2016 mit dem 29-jährigen Bruder von Edin D. Geld angeboten wurde, wenn er seine Aussage gegen den mutmaßlichen Mafia-Boss revidiere. Auch die Frau des 45-Jährigen sollte ihre Angaben dahin gehend ändern. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde der Frau das Auto angezündet.

Der 45-Jährige hatte seit Jahren massive Schulden bei “Edo” in der Höhe von 20.000 Euro und bei dessen Bruder von über 40.000 Euro. Weil ihn allerdings Edin D. massiv unter Druck gesetzt haben soll, war er im Frühjahr mit der Polizei eine Kooperation eingegangen, um gegen “Edo” auszusagen. Im Mai war ihm dann in der bosnischen Community zu Ohren gekommen, dass der 29-jährige Bruder mit “Problemen” drohte. Es kam zu einem Treffen beim McDonald’s in der Donaustadt, um die Sache zu klären.

Aus der Anklage gegen den Bruder von “Edo”

Der 45-Jährige war mit zwei Begleitern und einer Waffe zu der Aussprache gekommen. Laut Anklage sollen dabei der Bruder und drei mitbeschuldigte Freunde eine Geldsumme in der Höhe von 100.000 Euro geboten haben, wenn der Zeuge die belastenden Angaben gegen “Edo” wieder zurückzieht. Auch soll der 45-Jährige mit einem guten Freund des 29-Jährigen in die Justizanstalt Stein gefahren sein, um dort einen Strafgefangenen, der ebenfalls Edin D. schwer belastet hat, für eine Zahlung von 10.000 Euro dazu gebracht haben, seine Aussage zurückzuziehen.

Schwierig gestaltete sich allerdings bei der Verhandlung am Mittwoch die Aussage des Hauptbelastungszeugen, der unter massivem Personenschutz in den Saal begleitet wurde. Er wollte zu Cousin “Edo” keine Angaben machen, wie er stets vor Richterin Ingrid Altmann bekräftigte. “Das sag ich dann in seinem Verfahren. Ich habe in der Verhandlung genug zu sagen.” Verwundert zeigte sich der 45-Jährige allerdings, dass so schwere Vorwürfe nun gegen den Bruder von “Edo” erhoben wurden. “Woher kommt das?”, fragte der Zeuge. Auf Vorhalt der Richterin, dass der 45-Jährige diese Anschuldigungen bei der Polizei ausgesagt hätte, meinte dieser: “Ich weiß nicht, was damals war. Ich weiß nicht einmal, was ich gestern gegessen habe.”

Mord im Cafe “Cappuccino” Thema beim Wiener Mafia-Prozess

Der Verteidiger des 29-Jährigen, Elmar Kresbach, bezeichnete den Fall als “Feldzug der Polizei”, die den Mord im Cafe “Cappuccino” nie verkraftet habe, und bezeichnete den Hauptbelastungszeugen als “dubiose Person”. Denn bereits im Jahr 2006 hatte “Edo” die Kriminalisten beschäftigt, als im Cafe “Cappuccino” in Hernals ein Lokalbesucher bei einer Schießerei ums Leben kam und ein weiterer Mann schwer verletzt wurde. Der Mord konnte nie geklärt werden, die Hintergründe, bei denen “Edo” eine Rolle gespielt haben dürfte, blieben rätselhaft. Nun glaubt die Anklagebehörde allerdings beweisen zu können, dass es sich bei “Edo” um den Kopf einer kriminellen Vereinigung handelt, die auf die Erpressung von Schutzgeld und die Begehung weiterer schwerwiegender Straftaten ausgerichtet war.

Die Verhandlung gegen seinen Bruder wurde um 13.00 Uhr beendet, da im Straflandesgericht eine Feuerübung durchgeführt wurde. Morgen, Donnerstag, wird der Prozess mit zahlreichen Zeugen fortgesetzt.

(apa/red)



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