29. August 2012 11:29; Akt.: 29.08.2012 11:29

Zwischen Trauer und Hysterie: Vor 15 Jahren starb Prinzessin Diana

Nach dem Tod von Diana gab es Verschwörungstheorien, die noch bis heute anhalten. Nach dem Tod von Diana gab es Verschwörungstheorien, die noch bis heute anhalten. - © EPA
Was wäre Diana wohl durch den Kopf gegangen, als ihr Sohn Prinz William seine Kate vor den Traualtar führte? Und was hätte ihr Jüngster Prinz Harry sich anhören können, als kürzlich Nacktbilder von ihm auftauchten? Wie sähe sie heute aus, würden Tausende sie weiter vergöttern? Der Tod von Prinzessin Diana ist 15 Jahre her, doch im öffentlichen Bewusstsein geht ihre Geschichte weiter.

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Ihre Anhängerschaft hat sie regelrecht zur Ikone stilisiert. Mehr und mehr ist aber auch erkannt worden, wie Diana die Medien manipulierte, sich als Opfer dargestellte, definitiv kein Unschuldsengel war.

Das Phänomen Diana

Ob jemals ganz verstanden wird, was in den Tagen nach dem 31. August 1997 in Großbritannien und auf der ganzen Welt geschah, ist fraglich. Unzählige Experten haben versucht, das Phänomen Diana zu erklären. Eine Art Massenhysterie ergriff Millionen Menschen, die die Prinzessin niemals je selber gesehen hatten. Politiker der allerhöchsten Reihen drückten ihre Trauer aus. Die britische Monarchie geriet ins Wanken – doch anders als erwartet fiel sie nach dem Tod Dianas nicht. Heute scheint sie eher stärker als zuvor.

Vorher allerdings gab es chaotische Jahre. Kurz vor dem Unfall schien sich im Leben der damals 36 Jahre alten Diana alles langsam wieder ein bisschen zu ordnen. Der öffentlich ausgetragene Rosenkrieg mit ihrem Ex-Mann, dem britischen Thronfolger Prinz Charles, war rund ein Jahr vorher offiziell durch die Scheidung beendet worden. Diana wohnte weiter im Kensington Palast, war finanziell versorgt und teilte sich das Sorgerecht für ihre Söhne William und Harry mit deren Vater. Ihr karitatives Engagement hatte sie auf einige wenige Organisationen zurückgefahren, bekam dafür aber weltweit Anerkennung.

Gnadenlos von Paparazzi verfolgt

In den Wochen direkt vor dem tragischen Unfall, der sie unerwartet aus dem Leben riss, dominierten Urlaubsfotos von einer glücklich dreinblickenden Diana mit dem ägyptischen Multimillionärssohn Dodi al-Fayed die Klatschblätter. Im Rückblick allerdings deutete sich da schon eine Tragödie an. Die beiden wurden gnadenlos von den Paparazzi verfolgt. Zwar spielten sie das Spielchen teils mit, doch so langsam wurde es auch ihnen unheimlich. In der Unglücksnacht wollten sie nach dem Abendessen im schicken Pariser “Ritz” die Meute abhängen.

Millionen Menschen trauerten um Diana

Sie verschwinden durch den Hinterausgang, schicken ein zweites Auto zur Verwirrung los, rasen durch die Pariser Nacht. Doch auf Motorrollern jagen die Paparazzi hinterher. Mehrere Untersuchungen kommen später zu dem Schluss, dass der Chauffeur Alkohol und Medikamente im Blut hat, dass die vier Insassen des Autos – Diana, Dodi, ein Leibwächter und der Fahrer – alle nicht angeschnallt sind, dass das Auto viel zu schnell fährt. Doch bis heute machen viele die Paparazzi dafür verantwortlich, dass der Wagen in einem Tunnel von der Straße abkam und schließlich an einem Pfeiler prallte.

Al-Fayed und der Chauffeur sind sofort tot, der Leibwächter überlebt schwer verletzt. Dianas Herz schlägt zunächst noch, sie wird notoperiert, am frühen Morgen aber steht ihr Tod fest. Den Trauerzug durch London und die Trauerfeier für sie in der Westminster Abbey am 6. September verfolgen Millionen. Die Bilder ihrer damals 15 und zwölf Jahre alten Söhne William und Harry, die mit gesenktem Kopf hinter dem Sarg ihrer Mutter gehen, sind bis heute unvergessen.

Diana ist noch da

15 Jahre nach ihrem Tod ist Diana in der Erinnerung noch da. Im Londoner Hyde Park gibt es einen Gedenkbrunnen. Im Luxuskaufhaus Harrods, das einst Dodi al-Fayeds Vater Mohammed gehörte, steht ein geschmacklich umschrittener Schrein mit ihrem Foto. Regelmäßig werden Verschwörungstheorien ausgefrischt, Diana sei vom britischen Geheimdienst getötet worden, weil ihre Beziehung zu dem Muslim Dodi al-Fayed missfiel.Prinz Harry wird wohl Zeit seines Lebens die Gerüchte ertragen müssen, er sei Spross des ehemaligen Reitlehrers und Geliebten Dianas. Natürlich lebt Diana auch in ihren Söhnen weiter – vor allem William wird mit seiner Art, Menschen für sich zu begeistern, oft mit ihr verglichen.

Die Ereignisse um ihren Tod haben auch die britische Presse nachhaltig beeinflusst. Bis heute wird ihr Fall in Diskussionen um die Presseethik im Land zitiert, die nach dem Medienskandal um abgehörte Telefone und illegale Recherchemethoden schwer in der Kritik steht. Harry und William werden um einiges freundlicher behandelt, als es ihr Vater einst wurde – ob das aus Respekt oder Angst vor Konsequenzen passiert, bleibt dabei offen.

Royals blieben bestehen

In einem Fall allerdings wirkt Diana, ganz anders als das einst vorausgesagt wurde, nicht mehr aus dem Grabe nach. Nach der zunächst kühlen, distanzierten Reaktion der britischen Königin Elizabeth II. und anderer Royals auf Dianas Tod wurde der baldige Untergang der Monarchie vorausgesagt. Die größten Diana-Verehrer, allen voran ihr Bruder Charles Spencer, machten die Royals gar verantwortlich für das frühe Ende ihres Lebens. Wie die Lage 2012 aussieht, hätte sich vor damals wohl niemand vorstellen können.

Das “Zweite Elisabethanische Zeitalter”

Die Queen ist im Jahr ihres 60. Thronjubiläums so beliebt wie nie zuvor. Prinz Philips Krankenhausaufenthalte der vergangenen Monate wurden ängstlich verfolgt. Charles und seine Ex-Geliebte Camilla sind im verflixten siebenten Jahr ihrer Ehe sichtlich glücklich. Die Zukunft scheint gesichert: William, Zweiter der Thronfolge, und seine Frau Kate könnten kaum besser ankommen. Und selbst Partyprinz Harry, der erst kürzlich mit Nacktbildern Schlagzeilen machte, erfüllt die Rolle als Volkes Liebling und Anti-Held perfekt. Zum Thronjubiläum wurde schon das “Zweite Elisabethanische Zeitalter” ausgerufen. Die Frage ist: Wir groß wird in den Geschichtsbüchern beim Rückblick darauf wohl das Kapitel “Prinzessin Diana” sein?

(APA)



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