120 römische Brennöfen im Burgenland entdeckt

Mathias FischerMathias Fischer
Römische Töpferei bei Badensee Burg mit über 120 Öfen und Keramik aus dem 1. Jh. n. Chr.
© Mit KI (Gemini) generiert

Archäologen haben beim Badesee Burg eine riesige römische Keramikwerkstätte mit mehr als 120 Brennöfen freigelegt. Dort wurde ab dem ersten Jahrhundert rund 200 Jahre lang Gebrauchsgeschirr in industriellem Ausmaß hergestellt, so der ORF.

Die Anlage befindet sich in direkter Nähe zum Badesee Burg und umfasst über 120 Brennöfen. Hunderte Menschen stellten dort vom ersten Jahrhundert an etwa 200 Jahre lang Alltagsgeschirr in großen Mengen her. „Wir haben Teller zum Essen, wir haben Becher zum Trinken, wir haben Kochgefäße mit Töpfen drauf – das ist wirklich das Geschirr, das man eigentlich zum Leben verwendet hat“, erklärte Michaela Löffler-Leutgeb vom Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien. Die Archäologin stammt aus Welgersdorf.

Industrielle Fertigung im großen Stil

Bei den Grabungen stießen die Forscher auf Fehlbrände – also Ausschussware. Mit diesen Scherben wurden stillgelegte Öfen verfüllt. Das Ausmaß der Produktionsstätte ist beachtlich. Es handle sich definitiv um eine industrielle Fertigung, betonte Grabungsleiterin Basema Hamarneh. Wie die Werkstatt genau organisiert war, sei noch unklar. Das sei jedenfalls kein kleiner Produzent gewesen, sondern möglicherweise eine große Industrie. Eine solche Produktion müsse zentral organisiert worden sein, so Hamarneh.

Der verwendete Ton stammte vermutlich aus den nahegelegenen Pinkaauen. Alternativ könnten die Rohstoffe auch entlang der Pinka zu den Öfen gebracht worden sein. Brennholz für die Öfen war in ausreichender Menge vorhanden. Das Geschirr wurde überregional vertrieben, hauptsächlich wohl über die römische Stadt Savaria, das heutige Szombathely.

Einzigartig in Österreich

Die Keramikherstellung, die man aus Österreich und den Limesstädten an der Donau kenne, erreiche keinesfalls das Niveau der industriellen Gebrauchswarenproduktion in Burg, sagte Löffler-Leutgeb. „Das ist tatsächlich einzigartig so weit und da sitzen wir auf einem archäologischen Schatz gerade.“

Die Region ist reich an archäologischen Fundstätten: darunter die Hügelgräber von Schandorf, frühmittelalterliche Burgen oder die Kreisgrabenanlagen in Rechnitz. Der Bürgermeister von Hannersdorf, Gerhard Klepits (ÖVP), wünscht sich einen zentralen Ausstellungsort für die Fundstücke der Region.

Lehrgrabung für Studierende

Die Ausgrabungen dienen auch als Lehrgrabungen für Studierende des Instituts für Klassische Archäologie. Studentin Pia Auer schätze besonders den Wechsel zwischen Schreiben, Lernen und körperlicher Arbeit. In künftigen Forschungen sollen die Vermarktung des Geschirrs, die Werkstätten und die Arbeitsbedingungen der Keramiker untersucht werden.

Quelle: https://burgenland.orf.at/stories/3364659/

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