1.834 Übergriffe auf Zugpersonal in sechs Jahren

Mathias FischerMathias Fischer
ÖBB-Mitarbeiter Michael Gruber im Speisewagen eines Zuges der ÖBB
© ÖBB (Symbolbild)

Zwischen 2020 und 2025 kam es in Österreich zu durchschnittlich fast einem Vorfall pro Tag gegen Zugbegleiter. Die Gewerkschaft vida fordert mehr Personal und bessere Schutzmaßnahmen, so der ORF.

Eine parlamentarische Anfrage der FPÖ an Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) hat das Ausmaß der Gewalt gegen Zugpersonal offengelegt. Laut der Antwort ereigneten sich von 2020 bis 2025 insgesamt 1.834 Übergriffe auf Mitarbeiter in Zügen. Das entspricht im Durchschnitt beinahe einem Vorfall täglich.

Erst kürzlich wurde in Niederösterreich eine Jugendbande gefasst, die auf der Traisentalbahn mehrfach für Zwischenfälle gesorgt hatte. Ein 14-Jähriger schlug dabei einem Schaffner ins Gesicht.

Deeskalation und Polizei als letztes Mittel

Zugbegleiter Dennis Pop, der seit fünf Jahren im Dienst ist, kennt schwierige Situationen aus eigener Erfahrung. „Es ist immer situationsabhängig, wie man an problematische Fahrgäste herangeht“, erklärt er. Man versuche stets, deeskalierend zu wirken. Wenn nichts mehr helfe, müsse die Polizei gerufen werden. Fahrgäste ohne Ticket gebe es nahezu täglich, doch dass die Auseinandersetzung derart eskaliere, erlebe Pop nur etwa einmal jährlich.

Gewerkschaft drängt auf rasche Maßnahmen

Die Gewerkschaft vida hat im Februar gemeinsam mit dem Verkehrsministerium und Eisenbahnunternehmen einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet. Dieser sieht unter anderem mehr Zugbegleiter vor.

Der niederösterreichische Landesvorsitzende Horst Pammer fordert eine schnelle Umsetzung: „Es braucht dringend mehr Zugbegleiter, das kann man sofort machen. Man muss auch die Mitarbeiter noch besser schulen, man kann Bodycams einsetzen.“ Zudem verlangt vida eine eigene Bahnpolizei und eine vorgeschriebene Mindestanzahl an Zugbegleitern ab einer bestimmten Sitzplatzkapazität, ähnlich wie im Flugverkehr.

Auch das Land Niederösterreich sieht Pammer in der Pflicht: Bei Ausschreibungen und Vergaben könne man konkrete Sicherheitsmaßnahmen bei den Eisenbahnunternehmen verlangen.

ÖBB: Viele Maßnahmen bereits in Umsetzung

Die ÖBB betonen, bereits vieles umzusetzen. ÖBB-Sprecher Klaus Baumgartner erklärt, die Sicherheit der Mitarbeiter habe oberste Priorität. Man verfüge über ein engmaschiges Monitoring und setze auf bestimmten Strecken verstärkt Security-Personal ein oder statte Mitarbeiter mit Bodycams aus.

Baumgartner weist darauf hin, dass viele Übergriffe verbaler Natur seien und nur ein geringer Anteil körperliche Gewalt umfasse. „Aber es gilt natürlich trotzdem: Jeder Übergriff auf einen unserer Mitarbeiter ist einer zu viel“, so der Sprecher.

Zugbegleiter Dennis Pop hat seine Berufswahl nie bereut. „Es ist so ein abwechslungsreicher Job. Man hat immer was anderes, kein Tag ist wie der andere. Und es macht durchaus Spaß.“ Die positiven Momente würden klar überwiegen.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3365419/

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