42-Jähriger wegen Misshandlung seiner Kinder vor Gericht

Mona HopfingerMona Hopfinger
Kalenderblätter mit Jahreszahlen 2020 bis 2024, ein zerbrochenes Haus und ein Richterhammer
© Mit KI (Gemini) generiert

Ein Syrer muss sich in Wien wegen jahrelanger schwerer Gewalt gegen seine drei Söhne verantworten. Die Staatsanwaltschaft spricht von systematischer Folter. Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Am Wiener Landesgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 42-jährigen Familienvater begonnen, der seine drei Söhne – heute zwölf, 15 und 17 Jahre alt – seit 2020 regelmäßig schwer misshandelt haben soll. Die Staatsanwältin bezeichnete die Taten als „wiederkehrende systematische Gewalt“ mit einem „Ausmaß, das seinesgleichen sucht“. Der aus Syrien stammende Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft, ihm drohen fünf bis 15 Jahre Gefängnis.

Polizeieinsatz nach Schmerzensschreien

Aufmerksam wurden die Behörden am 12. Juli 2026 kurz vor Mitternacht, als Nachbarn die Polizei alarmierten. Sie hatten anhaltende Schmerzensschreie eines Kindes gehört. Die einschreitenden Beamten trafen auf eine Mutter und drei Kinder, die laut Einsatzbericht „einen äußerst weinerlichen, verängstigten und eingeschüchterten Eindruck“ machten. Schnell stellte sich heraus: Der Vater hatte seinen jüngsten Sohn stundenlang gequält.

Der Zwölfjährige war mit dem Fahrrad gefahren – obwohl der Vater es ihm verboten hatte. Daraufhin schlug der 42-Jährige über Stunden auf das Kind ein, mit einem Ledergürtel, einem Ladekabel und einem Kunststoffbügel. „Er hat das Kind regelrecht ausgepeitscht und gefoltert. Anders kann man das nicht ausdrücken“, so die Staatsanwältin. Sie sprach von „außergewöhnlicher Brutalität“ und „völliger Gleichgültigkeit“.

Mehr als 100 Peitschenhiebe

Ein gerichtsmedizinisches Gutachten dokumentiert das Ausmaß der Gewalt: Der Bub musste mehr als 100 heftige Peitschenhiebe erdulden. Der Gutachter diagnostizierte ein massives Weichteiltrauma und eine schwere Körperverletzung. Als der 17-jährige Bruder eingreifen wollte, wurde auch er vom Vater schwer misshandelt.

Die Anklägerin betonte, sie habe „Fotos von Gewalthandlungen in dieser Form noch nie gesehen“. Die Aufnahmen vom geschundenen Körper des Zwölfjährigen dokumentieren den letzten Gewaltexzess.

Jahrelange Quälerei seit 2020

Weitere Ermittlungen ergaben: Die Misshandlungen begannen nicht erst im Juli. Die drei Söhne gaben in kontradiktorischen Einvernahmen an, dass der Vater sie seit 2020 regelmäßig quälte. Die Familie war 2016 nach Österreich gekommen. Auf diesen Aussagen basiert die Anklage wegen fortgesetzter Gewaltausübung.

Mutter ebenfalls angeklagt

Auch die 40-jährige Mutter steht vor Gericht. Sie habe zwar mehrfach versucht, ihre Söhne zu schützen und ihren Mann zu beschwichtigen, räumte die Staatsanwaltschaft ein. Beim jüngsten Vorfall habe sie aber „zu wenig getan“. Während ihr Mann „in einem Gewaltrausch“ auf das Kind losging, zog sich die Frau in die Küche zurück und schloss die Tür. „Sie hat damit billigend in Kauf genommen, dass das Kind verletzt wird“, so die Anklage. Die 40-Jährige muss sich wegen Beitrags zur Körperverletzung verantworten.

Quelle: APA

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