43 Prozent der Industriebetriebe erwägen Verlagerung

Eine Umfrage unter 270 Industriebetrieben in Österreich zeigt alarmierende Ergebnisse: 43 Prozent denken über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach. Besonders Personal- und Lohnkosten werden als Hauptgrund genannt, so der ORF.
Die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) hat eine Befragung von 270 Industriebetrieben in Österreich durchgeführt, darunter mehr als 70 aus Niederösterreich. Die Resultate bezeichnete Helmut Schwarzl, Obmann der Sparte Industrie der WKNÖ, als ernüchternd.
Besonders besorgniserregend: 43 Prozent der befragten Unternehmen ziehen in Betracht, ihre Produktion und Fertigung innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre ins Ausland zu verlagern. Schwarzl warnte, dass bei vier von zehn Industriebetrieben, die mittelfristig über Verlagerungen oder Teilverlagerungen nachdenken, alle Alarmglocken schrillen müssten.
China-Konkurrenz überholt Energiepreise als Hauptproblem
Die Studie zeigt eine Verschiebung der größten Herausforderungen: Nicht mehr der Energiepreis steht an erster Stelle – dieser rangiert nun auf Platz zwei –, sondern der internationale Wettbewerb. Besonders die Konkurrenz aus China habe sich in den vergangenen Jahren verändert, erklärte Claudia Huber, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Österreich.
Industrieprodukte aller Art, von Autos bis zu anderen Gütern, würden vom chinesischen Staat mit Beihilfen von 30 bis zu 50 Prozent unterstützt. Aufgrund der Zollpolitik der USA drängten diese Produkte verstärkt nach Europa. Auffällig sei, dass der frühere Spitzenreiter Fachkräftemangel von sechs abgefragten Bereichen nur noch auf dem sechsten und letzten Platz liege.
Lohnkosten treiben Verlagerungspläne
Als Hauptgrund für die Überlegungen zur Produktionsverlagerung nennen die Betriebe die Personal- und Lohnkosten. Mit deutlichem Abstand folgen Steuern und Abgaben sowie Energie- und Rohstoffkosten. Die Energiekosten treffen Niederösterreich im Österreich-Vergleich unverhältnismäßig stark, sagte Alexander Schrötter, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
Zwei Drittel der Betriebe in Niederösterreich müssten als energieintensiv eingestuft werden, weshalb man dies entsprechend spüre. Positiv werde hingegen bewertet, dass die Energieversorgung und die Netzwerkqualität in Niederösterreich überdurchschnittlich gut seien.
Als „Pferdefuß“ bezeichnete Schrötter die Bürokratie: Man müsse viel Zeit und Aufwand investieren, könne aber keine Wertschöpfung mit diesen Berichten generieren, die wahrscheinlich in den meisten Fällen niemand lesen werde.
Kritik an Entgelt-Transparenz-Richtlinie
Schwarzl kritisierte die Umsetzung europäischer Vorgaben: Europa und die Regierung hätten sich Entbürokratisierung auf die Fahnen geheftet, dann komme aber eine Entgelt-Transparenz-Richtlinie, die ein unglaublicher Moloch an Bürokratie sei. In einem Land, wo die Kollektivverträge all das bereits abbildeten, sei die Art der Umsetzung über das Sozialministerium mehr als „Gold Plating“ und eine unglaubliche Belastung für die Unternehmen.
Ohne Gegensteuerung – Schwarzl nannte Entbürokratisierung, niedrigere Energiepreise, weniger Auflagen und vereinfachte Verfahren – drohe ein massiver Wohlstandsverlust. Vor der Corona-Pandemie habe man in ganz Österreich noch 18 Prozent an Wertschöpfung in der Industrie gehabt, jetzt seien es nur noch 14 Prozent. Der Weg zeige nach unten, und diesen Weg gelte es umzukehren.