43.000 Kinder pflegen in Österreich Angehörige

Rund 43.000 Kinder und Jugendliche übernehmen in Österreich Pflege- und Betreuungsaufgaben für Angehörige. Bei einer Diskussion am Forum Alpbach wurde die Situation dieser „Young Carers“ thematisiert und mehr Unterstützung gefordert.
Am Mittwoch fand im Congress Centrum Alpbach eine Veranstaltung zu „Young Carers“ statt. Organisiert wurde die Diskussion von der ERSTE Stiftung und ihrer Initiative „Alles Clara“, die pflegende Angehörige entlasten soll. Die Journalistin Damita Pressl moderierte die Runde.
Von den mehr als einer Million Menschen, die in Österreich Angehörige oder nahestehende Personen pflegen und betreuen, sind etwa 43.000 Kinder und Jugendliche. Diese Gruppe steht vor einer Mehrfachbelastung durch Pflege, Ausbildung, Berufseinstieg und persönliche Entwicklung. Zur Veranstaltung wurde der Kurzfilm „Im Sturm“ erstmals präsentiert, der von Studierenden der FH Salzburg produziert wurde.
Ministerin kündigt zusätzliche Mittel an
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann würdigte die Leistung pflegender Familien: „Familien leisten jeden Tag Enormes – und das gilt ganz besonders für jene, die Angehörige pflegen oder betreuen. Dafür möchte ich heute einfach Danke sagen. Was viele nicht wissen: Auch Kinder und Jugendliche übernehmen oft Verantwortung in ihren Familien.“
Die Ministerin verwies auf 100 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr für die mobile Pflege. Diese sei eine wichtige Säule im System und unterstütze auch bei der Pflege zu Hause. „Mir ist aber auch wichtig, dass wir als Gesellschaft hinschauen, Betroffene nicht alleine lassen und gemeinsam daran arbeiten, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird“, so Schumann.
Forderung nach Therapieplätzen und Sensibilisierung
Anna Schwabegger, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, betonte den psychischen Druck auf junge Pflegende: „Junge Menschen, die Verantwortung für die Pflege ihrer Angehörigen übernehmen, stehen unter einem hohen psychischen Druck und dürfen mit dieser Belastung nicht alleine gelassen werden.“ Sie forderte den Ausbau kostenloser und niederschwelliger Therapieplätze.
Zudem brauche es ein Umfeld, das Young Carers erkenne und gezielt unterstütze. Vertrauenspersonen in Schulen oder Jugendorganisationen müssten für das Thema sensibilisiert werden, so Schwabegger.
Martin Nagl-Cupal, Professor für Pflegewissenschaft an der Uni Wien, forderte: „Die nächste Herausforderung ist, sie nicht nur sichtbar zu machen, sondern ihnen Anerkennung, Unterstützung und Mitbestimmung zu geben – und vor allem dafür zu sorgen, dass Kinder nicht dort Verantwortung übernehmen müssen, wo unser Versorgungssystem Lücken hat.“
Digitale Angebote für junge Pflegende
Belinda Schneider, Leiterin von superhands sowie Kinder- und Gewaltschutzbeauftragte der Johanniter, erklärte: „Kein Kind sollte Schule, eigene Bedürfnisse oder Zukunftspläne zurückstellen müssen, weil ein Angehöriger pflegebedürftig ist.“ Mit superhands wolle man dazu beitragen, dass junge pflegende Angehörige gesehen werden und Unterstützung bekommen.
Nicole Traxler, Geschäftsführerin von Alles Clara, verwies auf digitale Entlastungsangebote: „Digitale Entlastungsangebote können bei der jungen Zielgruppe besonders effektiv unterstützen, daher haben wir Alles Clara nun für junge Menschen ab 14 Jahren geöffnet.“
Kurzfilm zeigt innere Belastungen
Nach der Diskussion wurde der Kurzfilm „Im Sturm“ auch im Veranstaltungsraum der Gemeinde Alpbach gezeigt. Gäste aus der Gemeinde konnten mit dem Filmteam über die Produktion diskutieren.
Realisiert wurde der Film von den Studierenden Elias Engelhardt, Patrick Mercelat und Maximilian Pfeiffer im Studiengang MultiMediaArt an der FH Salzburg, betreut von Studiengangsleiter Till Fuhrmeister. Er verknüpft inneres und äußeres Erleben und zeigt die inneren Belastungen von Young Carers.
Die App und digitale Sozialdienstleistung „Alles Clara“ steht der Bevölkerung im Burgenland, Niederösterreich und Vorarlberg kostenlos zur Verfügung. Über 250.000 Beschäftigte können die Beratung über ihre Arbeitgeber nutzen. Die Initiative wird durch Mittel des Sozialministeriums, der FFG, des Landes Niederösterreich sowie der ERSTE Stiftung, der Soziale Dienste Burgenland GmbH und dem Vorarlberger Sozialfonds unterstützt.
Quelle: OTS
Worüber spricht Burgenland morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.