70-Jähriger pflegt Bahnhof seit drei Jahrzehnten

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Karl Bürger aus Walpertskirchen kümmert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich um den örtlichen Bahnhof. Der Rentner mäht Rasen, sammelt Müll und hat einst die Stilllegung des Haltepunkts verhindert.

Karl Bürger (70) zieht sich eine orangefarbene Warnweste über, bevor er mit dem Aufsitzrasenmäher losfährt. Sein Ziel: der Rasen am Bahnhof in Walpertskirchen. Doch der Rentner arbeitet weder für die Deutsche Bahn noch für die Gemeinde. „Ich bin bei mir angestellt. Ich mache das aus Überzeugung, ehrenamtlich“, erklärt er.

Seit 30 Jahren engagiert sich Bürger als Bahnhofspate für den örtlichen Haltepunkt. Er ist überzeugt davon, dass Bahnhöfe Orte sein sollten, an denen sich Menschen wohlfühlen – auch in der rund 2.000-Einwohner-Gemeinde im Umland von München.

Das Ergebnis seiner Arbeit kann sich sehen lassen: keine verschmutzten Ecken, keine überfüllten Mülleimer, keine Graffitis. Stattdessen laden saubere Bänke zum Verweilen ein – ein Bild, das an deutschen Bahnhöfen nicht überall anzutreffen ist.

Täglicher Einsatz für Sauberkeit

Meist in den Morgenstunden kommt Bürger zur Bahnanlage, um für Ordnung zu sorgen. Die Züge fahren schließlich auch jeden Tag, begründet er seinen Einsatz. Der Rentner sammelt Unrat auf, führt kleinere Reparaturen durch und mäht alle drei bis vier Wochen die circa 100 Quadratmeter große Grünfläche.

Dazu kommen sechs Blumenbeete, die Bürger aus alten hölzernen Eisenbahnschwellen gebaut hat. Um die Bepflanzung kümmert sich seine Frau, die Blumen werden unter anderem von der örtlichen Gärtnerei gespendet.

Für jene, die Pappbecher, Zigarettenschachteln oder Fast-Food-Verpackungen liegenlassen oder das Wartehäuschen mit Graffiti besprühen, hat der 70-Jährige kein Verständnis. „Wenn ich das nicht machen würde, was glaubst du, wie das ausschauen würde“, sagt er.

Kampf gegen die Stilllegung

Den eingleisigen Haltepunkt, den die Regionalbahn 40 mehrmals täglich anfährt, gäbe es ohne Bürger heute gar nicht mehr. Die Bahn wollte ihn bereits vor Jahrzehnten stilllegen. 1989 gründete er deshalb den örtlichen Pro-Bahn-Arbeitskreis.

Dieser Widerstand dauerte mehr als zehn Jahre und forderte vor allem Durchhaltekraft und eine Menge Schriftverkehr. Anfangs sei er für seinen Einsatz ausgelacht worden, erinnert sich Bürger. Heute ist die Stilllegung vom Tisch. „Das Wichtigste war, dass ich den Haltepunkt über die Zeit gerettet habe“, sagt er stolz.

Auszeichnung und Anerkennung

Für sein Ehrenamt wurde Bürger bereits mit der Bürgermedaille der Gemeinde ausgezeichnet. Bürgermeister Josef Renner (CSU) lobt dessen außerordentliches Engagement, man habe ihm unwahrscheinlich viel zu verdanken. Auch eine Bahnsprecherin teilt mit, dass man seinen Einsatz sehr schätze und ihm außerordentlich dankbar sei.

Zu Bürgers Lieblingsbeschäftigungen zählt ein kleines Museum, das auf der Wiese am Bahnhof steht und der Gemeinde gehört. Besucher können dort auf Anfrage eine historische Schrankenwärterbude und drei Eisenbahnsignale bestaunen. Zuständig dafür ist Bürger als „Museumsdirektor, -wärter, -führer und -hausl in Personalunion“.

Wenn ein Zug einfährt, grüßt der Rentner freundlich und winkt. Auch bei Problemen mit dem Ticketautomaten hilft er gerne weiter – als selbst ernannter „Fahrkartenautomat-Erklärer“.

Um den Bahnhof in Walpertskirchen will sich Bürger kümmern, solange er kann. Was danach wird, will er sich gar nicht ausmalen: „Wer macht es dann? Keiner“.

Quelle: dpa

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