Pflegekräfte aus Bosnien arbeiten für Innsbrucker ISD

Mona HopfingerMona Hopfinger
Menschen in Arbeitskleidung gehen über eine Brücke mit Zahnrädern und der Zahl 85, verbunden mit Österreich und Innsbruck.
© Mit KI (Gemini) generiert

Das städtische ISD-Unternehmen in Innsbruck beschäftigt Pflegekräfte aus Bosnien und Herzegowina. Ohne diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnte eines der acht Seniorenwohnheime nicht mehr betrieben werden, so der ORF.

Das städtische ISD-Unternehmen in Innsbruck beschäftigt mittlerweile 85 Menschen aus Bosnien und Herzegowina. Laut ISD wäre ohne diese Arbeitskräfte der Weiterbetrieb eines der acht Seniorenwohnheime nicht möglich.

Von der Schulkooperation zur gezielten Anwerbung

Die Initiative begann 2019 als Zusammenarbeit mit einer Krankenpflegeschule in Sarajevo. In Kooperation mit dem Land Tirol und dem Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe (AZW) besuchten Schülerinnen und Schüler Gesundheitseinrichtungen in Tirol. 2022 kehrten vier ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten nach Innsbruck zurück, woraufhin die ISD den beidseitigen Bedarf erkannten.

„Aus den ganzen Gesprächen haben wir erfahren, dass sie eigentlich unten am Arbeitsmarkt kaum Chancen hatten. Sie waren zwar gut ausgebildet, aber konnten keinen Job finden in ihrem Beruf“, erklärt Pedrag Tufegdzić, stellvertretender Pflegedienstleiter im ISD-Wohnheim Tivoli. Eine eigene bosnischsprachige Internetseite richtet sich mittlerweile gezielt an potenzielle Arbeitskräfte, die online nach einer Stelle suchen.

Anerkennung und Bürokratie als Hürden

Trotz des Personalmangels ist der Dienstantritt in Österreich kein einfacher Prozess. Ljubomir Mrkonja, Pflegedienstleiter im Wohnheim Reichenau und Initiator des Bosnien-Projekts, beschreibt die Anforderungen: „Da sind einige Dokumente und die Zustimmung von Abteilung der Pflege der Landesregierung erforderlich. Das Diplom aus Bosnien muss hier anerkannt werden, mit Auflagen natürlich. Und daraufhin wird ein Antrag für Arbeitsgenehmigung gestellt, der an das AMS geht.“

Tea Popović und Gabrijela Topalović kamen als in Bosnien ausgebildete Pflegerinnen nach Tirol und arbeiten nun in ISD-Wohnheimen. Beide durchliefen einen Nostrifikationsprozess, bei dem ihre Ausbildung erst in Tirol anerkannt werden musste.

Die größte Herausforderung dabei sei die deutsche Sprache gewesen, berichtet Popović: „Wenn es in meiner Muttersprache gewesen wäre, dann wäre es kein Problem. Aber wenn man auf Deutsch lernen muss, ist es schon schwierig. Aber ich habe es geschafft.“ Innerhalb eines halben Jahres habe sie für die Anerkennung ihrer Ausbildung fünf Prüfungen absolviert.

Umfassende Unterstützung durch Arbeitgeber und Stadt

Die ISD begleiten den Nostrifikationsprozess. Gemeinsam mit der Stadt Innsbruck stellt der Arbeitgeber auch kostenlose Deutschkurse bereit. „Ich muss ehrlich sagen, am Anfang war es ganz schwierig, aber ich habe auch Unterstützung von anderen Kollegen gehabt, von der Chefin und auch von meinen Leuten aus Bosnien. Sie haben mich immer wieder unterstützt und ich bin auch in einen Deutschkurs gegangen. Wenn jemand etwas will, dann schafft er das“, schildert Pflegerin Topalović.

Dass potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst mit existenziellen Fragen zu Sprachkenntnissen oder Wohnsituation auf die Verantwortlichen zukommen, sei nachvollziehbar, sagt Tufegdzić. „Wir versuchen, ihnen die Ängste etwas wegzunehmen. Für uns ist das auch nachvollziehbar, weil wir auch vor vielen Jahren nach Österreich und Tirol gekommen sind und wir können uns in diese Rolle auch hineinversetzen“, so der stellvertretende Pflegedienstleiter.

Gemeinsam mit der Stadt unterstütze man bei der Wohnungssuche, beim Einrichten eines Gehaltskontos und der Beantragung der Rot-weiß-rot-card. Die Anwerbung von Pflegekräften aus Bosnien sei letztlich eines von vielen Zahnrädern, die in Gang gesetzt werden müssen, damit der Pflegenotstand nicht eintritt, erklärt Initiator Mrkonja. „Ich sehe dieses Projekt eigentlich als sehr gut aufgestellt, auch für die Zukunft, aber das ist nicht alles.“

Die ISD beschäftigen insgesamt 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa 750 davon arbeiten im Pflegebereich. Sie kommen laut Unternehmensangaben aus über 60 Nationen.

Quelle: https://tirol.orf.at/stories/3371712/

Worüber spricht Innsbruck morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.