90 Prozent der Alleinerziehenden fühlen sich massiv belastet

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Umfrage der AK Niederösterreich zeigt: Neun von zehn Allein- und Getrennterziehenden leiden häufig bis sehr häufig unter Belastung. Neben Zeitdruck und Überforderung plagen fast 82 Prozent finanzielle Sorgen – trotz hoher Erwerbsbeteiligung.

Die AK Niederösterreich hat eine umfassende Erhebung mit dem Titel „Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?“ durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Frauen-Forums unter dem Titel „Allein- und Getrennterziehen als neue Normalität“ präsentiert. Die Befunde sind alarmierend: 90 Prozent der befragten Allein- und Getrennterziehenden geben an, sich häufig bis sehr häufig belastet zu fühlen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben häufigem Zeitdruck belasten vor allem die Überforderung, sämtliche alltäglichen Aufgaben alleine bewältigen zu müssen, sowie die alleinige Verantwortung für die Erziehung. Hinzu kommen finanzielle Ängste: Knapp 82 Prozent der Befragten leiden häufig bis sehr häufig unter finanziellen Sorgen.

Hohe Erwerbsbeteiligung trotz Belastung

Besonders relevant sind die Zahlen vor dem Hintergrund, dass Allein- und Getrennterziehende eine sehr hohe Erwerbsbeteiligung aufweisen. Mehr als acht von zehn der Befragten sind unselbstständig beschäftigt, die Mehrheit davon in hoher Teilzeit oder Vollzeit.

Die Umfrage zeigt, dass niederösterreichische Allein- und Getrennterziehende besonders unzufrieden mit den Kinderbetreuungskosten sind. Laut einer AK-Erhebung aus dem Jahr 2025 kostet eine vollzeittaugliche Nachmittagsbetreuung im Kindergarten inklusive Mittagessen in Niederösterreich durchschnittlich 217 Euro pro Monat. Ein Großteil des Einkommenszugewinns durch Aufstockung der Arbeitszeit wird dadurch von den Betreuungskosten aufgefressen.

„Wer wirklich will, dass Frauen einem Stundenausmaß nachgehen, das ein armutsfestes Einkommen sichert, muss eine kostenlose, vollzeittaugliche Kinderbildung und -betreuung garantieren“, fordert Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich.

Diskriminierung und strukturelle Benachteiligungen

Die Umfrage deckt auch strukturelle Probleme auf. Viele Befragte berichten von Diskriminierung aufgrund ihres Familienstatus – etwa bereits beim Bewerbungsgespräch, beim beruflichen Aufstieg oder durch abfällige Kommentare von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten.

„Alleinerziehende wurden lange Zeit gesellschaftlich ausgegrenzt und als Abweichung vom Ideal der Kernfamilie abgestempelt. Damit muss Schluss sein. Allein- und Getrennterziehen ist die neue Normalität im Berufs- und Familienalltag“, betonte Angela Fischer, Vizepräsidentin der AK Niederösterreich, in ihren Eröffnungsworten. Sie fordert die volle gesellschaftliche Gleichwertigkeit aller Familienformen ohne jegliche Benachteiligungen im Job.

Doris Wietter-Benmoussa, Betriebsratsvorsitzende der Service Mensch GmbH der Volkshilfe Niederösterreich, sieht hier einen klaren Auftrag an die Betriebsrätinnen und Betriebsräte. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern von Allein- und Getrennterziehenden-Vereinen diskutiert.

Faire Teilung macht Unterschied

Die Daten zeigen zudem, dass jene rund fünf Prozent der Befragten, die sich die Erziehungs- und Sorgearbeit zu gleichen Teilen mit dem zweiten Elternteil aufteilen, deutlich seltener Benachteiligungen erleben und zufriedener mit der Elternkooperation sind. Die faire Teilung der Karenz macht ein späteres gemeinsames Getrennterziehen auf Augenhöhe messbar wahrscheinlicher.

Forderungen nach politischem Handeln

Um Ein-Eltern-Familien nachhaltig aus der Armutsfalle und der Überlastung zu holen, fordert die Arbeiterkammer Niederösterreich ein rasches politisches Handeln. Das Maßnahmenpaket umfasst:

  • Bessere finanzielle Absicherung: Einführung einer 3-Säulen-Kindergrundsicherung sowie eine staatliche, existenzsichernde Unterhaltsgarantie.
  • Ausbau der Kinderbildung: Kostenlose, vollzeittaugliche und verstärkt inklusive Betreuungsangebote mit Rechtsanspruch ab dem 1. Geburtstag.
  • Echte Vereinbarkeit: Familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die weit über Standard-Gleitzeit und Homeoffice hinausgehen.
  • Förderung der Partnerschaftlichkeit: Mehr Anreize für eine faire Verteilung der Elternkarenz und Umsetzung des AK ÖGB Familienarbeitszeitmodells.
  • Ausbau von Unterstützungsangeboten: Finanzielle und personelle Absicherung von Frauen- und Mädchenberatungsstellen und Männerberatungsstellen.
  • Gewaltschutz und Sensibilisierung: Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, finanzielle Absicherung und flächendeckende Sicherstellung von ausreichend Frauenhausplätzen und Notunterkünften sowie die Vermittlung eines modernen Familienbildes in Justiz, Behörden und Bildungseinrichtungen.

Quelle: OTS

Worüber spricht Niederösterreich morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.