Abfallwirtschaft will neue Jobs schaffen

Die kommunale Abfallwirtschaft in Österreich rechnet mit einem Stellenzuwachs von zehn Prozent in den kommenden zehn Jahren. Der Sektor beschäftigt derzeit über 6.000 Menschen und erwirtschaftet mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz.
Alexandra Loidl, Präsidentin der VÖA – Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe und Vorstandsdirektorin der Holding Graz, sieht die Branche als Wachstumsinsel in der heimischen Wirtschaft. Die 39 Mitgliedsbetriebe der VÖA bewegen jährlich rund 4,4 Millionen Tonnen Abfallmaterialien.
Loidl betont die zentrale Rolle der Gemeinden: Sie tragen die Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, Abfallsammlung und -entsorgung zu organisieren sowie die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Eine der größten Herausforderungen sei es, klar zu kommunizieren und die Menschen nicht zu verwirren. Die Bevölkerung sei der wichtigste Partner für die Trennung und weitere Verwertbarkeit von Abfällen, so die VÖA-Präsidentin.
Vernetzung und Kreislaufwirtschaft im Fokus
Die VÖA bündelt Informationsarbeit und Kommunikationswege, um ihre Mitglieder zu vernetzen und Innovationen voranzutreiben. Dabei stehen die überregionale Zusammenarbeit sowie die Stärkung der modernen Kreislaufwirtschaft in Österreich im Mittelpunkt. Zentrale Ziele sind die Sicherung der Daseinsvorsorge als grundlegende Dienstleistung sowie Umwelt- und Klimaschutz.
Die Branche steht vor großen Veränderungen: Neben dem Klimawandel, der geopolitischen Lage und der nationalen Budgetkonsolidierung wirken neue EU-Regeln für Lieferketten, Energieversorgung und -kosten auf die Betriebe ein. Wesentliche Handlungsfelder sind die Dekarbonisierung, die Kreislaufwirtschaft, „Future Waste“ und neue Schadstoffe wie Mikroplastik oder die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS.
Elektromobilität als Chance und Herausforderung
Das Thema „Future Waste“ verlangt einen intensiven Blick nach vorne: Es geht um Abfälle aus neuartigen Quellen und Produkten, deren Bedeutung steigt, obwohl die Entsorgung erst später in großem Maße anfallen wird. Die Elektromobilität spielt dabei eine bedeutende Rolle – in zweifacher Hinsicht.
Ferdinand Koch, Geschäftsführer der VÖA, warnt vor Gefahren: Die Brandfälle in Abfallsammelstellen nehmen dramatisch zu. Grund ist das starke Wachstum von batterie- und akkubetriebenen Geräten, deren Energieträger oft falsch entsorgt werden. Man versuche, Batterien und Akkus aus dem Restmüll zu bekommen, wofür intensiv in Richtung der Verbraucherinnen und Verbraucher kommuniziert werde.
Gleichzeitig will die kommunale Abfallwirtschaft selbst Vorbild sein: Rund 260 Millionen Euro an VÖA-Rahmenvereinbarungen stehen zur Verfügung oder sind bereits abgerufen, um die Mitgliedsorganisationen mit elektrisch betriebenen Arbeitsfahrzeugen zu versorgen.
Neue Sammelkategorien und Qualifikationen
In naher Zukunft würden Altstoffsammelzentren und Ressourcenparks an Bedeutung gewinnen, für die sich Gemeinden auch überregional zusammentun. Dabei liegt ein starker Fokus auf neuen Sammelkategorien wie Kaffeekapseln, Gipskartonabfällen oder Mineralfaserplatten.
Loidl hebt hervor, dass das Tätigkeitsfeld immer breiter werde. Als tatsächlicher Teil der sogenannten „Green Jobs“ habe man auch das Image der tendenziell „schmutzigen“ Arbeit weitgehend ablegen können.
Koch ergänzt: Immer wichtiger werde die Schnittstelle der Abfallwirtschaft zu den herstellenden Industrien, um nachhaltige Produktion und Kreislaufwirtschaft von Beginn an zu installieren. Das werde sich jedenfalls auch im Personalbedarf und in der Personalqualifikation abbilden.
Die VÖA wurde 2020 gegründet und vertritt 39 kommunale Mitgliedsbetriebe, die mit ihren Dienstleistungen mehr als sechs Millionen Österreicherinnen und Österreicher im Bereich der Abfall- und Kreislaufwirtschaft versorgen.
Quelle: https://www.holding-graz.at/de/green-jobs-als-hoffnungsmarkt
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