Ärztekammer will Hausapotheken ausbauen

Die Ärztekammer fordert den Ausbau von Hausapotheken in Arztordinationen. Eine Studie zeigt: Damit könnten mehr Kassenstellen am Land besetzt werden, weil der Zuverdienst die Übernahme einer Ordination attraktiver mache.
Die Ärztekammer drängt auf eine Ausweitung von apothekenführenden Arztordinationen. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie kommt zum Schluss, dass dadurch mehr Kassenstellen im ländlichen Raum nachbesetzt werden könnten. Der Grund: Hausapotheken würden für Allgemeinmediziner einen zusätzlichen Verdienst bedeuten und so die Niederlassung auf dem Land interessanter gestalten. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch wurden zudem kürzere Wege zu Medikamenten sowie geringere Kosten und Emissionen als Vorteile genannt.
Nachbesetzung in kleinen Gemeinden besonders schwierig
Vor allem im Burgenland, in der Steiermark und in Tirol bleiben derzeit zahlreiche Kassenstellen im ländlichen Raum unbesetzt, erläuterte Andreas Kreutzer vom Beraternetzwerk Kreutzer, Fischer und Partner, der die Studie verfasst hat. Besonders schwierig sei die Situation in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern – dort gestalte sich die Nachbesetzung von Allgemeinmedizinern besonders problematisch.
Ein Grund dafür sei die zu geringe Patientenzahl, um ausreichende Einkommen zu erwirtschaften, so Kreutzer. Während eine Ordination in Österreich durchschnittlich einen Brutto-Betriebsüberschuss von 265.000 Euro pro Jahr erziele, liege man im ländlichen Raum deutlich darunter. Hinzu komme laut befragten Ärzten eine geringere Lebensqualität auf dem Land, da die Fahrtzeiten länger seien als in der Stadt. Ärztliche Hausapotheken könnten hier Abhilfe schaffen und den ländlichen Raum attraktiver machen, betonte der Studienautor.
Österreich unter EU-Durchschnitt bei Apothekendichte
Die Studie zeigt, dass Österreich mit 16 öffentlichen Apotheken pro 100.000 Einwohner im unteren Drittel des EU-Durchschnitts liegt, der bei 31 Apotheken liegt. Selbst wenn man die 807 ärztlichen Hausapotheken (Stand: 2025) hinzurechne, die offiziell nicht mitgezählt würden, bleibe man unter dem EU-Schnitt, so Kreutzer. Ein bundesweiter Ausbau von ärztlichen Hausapotheken könnte die Dichte erhöhen und die Wegzeiten verkürzen. Dadurch ließen sich jährlich mindestens 160 Millionen Euro und 300.000 Tonnen an Kohlenstoffdioxid-Emissionen einsparen, rechnete Kreutzer vor.
Ärztekammer sieht Patienten im Zentrum
Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart unterstrich, dass der Ausbau von ärztlichen Hausapotheken „seit Jahrzehnten ein großes Anliegen“ sei. Das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem müsse erhalten werden, so Steinhart. Für ihn stehe jedoch der Patient im Zentrum, und dieser habe mit einer Hausapotheke „eine Diagnosetherapie und Medikamenteversorgung in einem“.
Edgar Wutscher, Vorsitzender der Kurie der niedergelassenen Ärzte, betonte, dass auch die Apotheker keine nennenswerten Einbußen zu befürchten hätten: „Es geht nicht um einen Verdrängungswettbewerb sondern um das, was für den Patienten am Sinnvollsten ist“. Kreutzer ergänzte, dass Verluste der Apotheken dadurch kompensiert würden, dass sie gemäß Regierungsplänen künftig Impfungen anbieten könnten.
Quelle: APA
Worüber spricht Burgenland morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.