AIT-Software erkennt Epilepsie schneller und präziser

Das Austrian Institute of Technology hat eine EEG-Analysesoftware entwickelt, die bei der Epilepsie-Diagnose Zeit spart und Fehldiagnosen reduziert. Die Software „encevis“ wertet Gehirnströme automatisiert aus und entlastet medizinisches Personal.
Bei medizinischen Untersuchungen entstehen große Datenmengen, deren Auswertung Menschen an ihre Grenzen bringt. Besonders bei Langzeit-EEG-Messungen von Gehirnströmen ist das Personal rasch überfordert. Die am AIT entwickelte EEG-Analysesoftware „encevis“ setzt hier an: Fortschrittliche Algorithmen liefern objektive Resultate und minimieren menschliche Fehler. Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal werden entlastet und können sich stärker auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten konzentrieren. Das führt zu effizienterer Ressourcennutzung und ermöglicht eine raschere Diagnosestellung sowie Therapie.
Bei Epilepsie bringt das medizinisch entscheidende Vorteile. Die rasche Verarbeitung großer EEG-Datensätze gewährleistet, dass kritische Entscheidungen ohne Verzögerung getroffen werden. Die präzise Erkennung etwa von nicht-konvulsiven Anfällen oder anderen typischen Mustern minimiert das Risiko von Fehldiagnosen oder verzögerten Behandlungen. Langfristig werden dadurch die Kosten für Komplikationen und Folgebehandlungen gesenkt.
Ambulante Versorgung wird ausgebaut
Forschende am AIT entwickeln gemeinsam mit drei führenden europäischen Epilepsiezentren derzeit eine neue Lösung, die wesentliche Teile von Diagnose und Therapie in den ambulanten Bereich verlagert. Durch die Kombination von encevis mit anderen Technologien werden Patientinnen und Patienten sowie Kliniken gleichermaßen entlastet. Die Lösung basiert auf encevis und der etablierten Telehealth-Plattform des AIT, die um ein digitales Anfalls- und Ernährungstagebuch erweitert wird. Sie bietet vielfältige Möglichkeiten zur Datenerfassung sowie zur Kommunikation zwischen Patientinnen, Patienten und Fachpersonal. Diese Kombination bildet die Grundlage für eine moderne, patientennahe und datenbasierte Epilepsieversorgung der Zukunft.
Neben den technologischen Vorteilen hat encevis auch einen signifikanten wirtschaftlichen Impact. Durch die Automatisierung der EEG-Analyse reduziert die Software den Zeit- und Kostenaufwand erheblich.
Neue Funktionen für Kinder und Jugendliche
In der neuesten Version der Software wurde 2025 ein innovativer KI-basierter Algorithmus für die Erkennung von Schlafstadien aus dem EEG integriert. Außerdem wurde eine Anfallsdetektion entwickelt, die erstmals eine zuverlässige Erkennung der Anfälle von Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Im Rahmen eines Forschungsauftrags der Firma UNEEG Medical wurde die automatische Anfallserkennung auch für subkutane EEG-Signale grundlegend weiterentwickelt. Die Erfüllung der höchsten regulatorischen Standards, wie der MDR und FDA, sowie die Validierung mit umfangreichen klinischen Daten von führenden medizinischen Zentren in Europa und den USA unterstreichen die Zuverlässigkeit und Innovationskraft der Software.
Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte Research and Technology Organisation und orientiert sich bei seiner Forschung eng an den Bedürfnissen der Industrie und an aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Der AIT Impact Report 2026 zeigt anhand von rund 30 Beispielen, wie das AIT gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand Forschung in konkrete Lösungen übersetzt. Die vorgestellten Projekte reichen von der Digitalisierung industrieller Prozesse über resiliente Infrastruktur und nachhaltige Energie- und Industriesysteme bis hin zu Gesundheit, Mobilität, Sicherheit und Kreislaufwirtschaft.
Quelle: OTS
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