Alpenverein entfernt Gipfelschild von NS-belastetem Berg

Eine Graterhebung in der Venedigergruppe trägt seit 1988 den Namen des Kartographen Wolfgang Pillewizer. Nun hat der Alpenverein Salzburg das Gipfelschild entfernt – Pillewizer war bereits 1932 Mitglied von NSDAP und SA.
Der Alpenverein Salzburg hat am 28. August 2026 das Gipfelschild einer Graterhebung in der Venedigergruppe entfernt. Die Erhebung trug seit 1988 den Namen des Kartografen und Glaziologen Wolfgang Pillewizer. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren umfassende Recherchen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu dessen Verbindungen zum Nationalsozialismus.
NS-Vergangenheit neu bewertet
Wie der Alpenverein mitteilt, war Pillewizer bereits 1932 Mitglied der NSDAP sowie der SA. Auch nach dem Parteiverbot im Juni 1933 blieb er der NSDAP illegal verbunden und hatte in Graz die Funktion eines SA-Truppenführers inne. Seine berufliche Laufbahn zwischen 1938 und 1945 lasse den Schluss zu, dass er an der Umsetzung der nationalsozialistischen Ideologie an seinem Wirkungsort beteiligt gewesen sei.
Bei der Namensgebung im Jahr 1988 sei diese Vergangenheit nicht berücksichtigt worden. Die betreffende Erhebung soll künftig keinen neuen Personennamen erhalten.
Rückbenennung auf Basis eines Landtagsbeschlusses
Mit der Maßnahme setzt der Alpenverein Salzburg einen Beschluss des Salzburger Landtags um, der eine umfassende Prüfung von NS-belasteten Namen im alpinen Raum vorsieht. Der Österreichische Alpenverein betont in diesem Zusammenhang sein Bekenntnis zu demokratischen, humanistischen und inklusiven Werten.
Personen, die als Mitgestalter, Täter oder Nutznießer des NS-Regimes galten, sollten nicht weiterhin durch Namenswidmungen geehrt werden. Bereits im Vorjahr erhielt die Söldenhütte im Tennengebirge wieder ihren ursprünglichen Namen zurück.
Besonderheit um die Gipfelhöhe
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Entstehungsgeschichte der Erhebung. Pillewizer wollte einen Dreitausender nach sich benannt wissen. Die Graterhebung zwischen Unter- und Obersulzbachtal wurde jedoch je nach Kartenmaterial mit lediglich 2.997 oder 2.999 Metern Höhe angegeben.
Um dennoch die Marke von 3.000 Metern zu erreichen, brachten Unterstützer bei der sogenannten Bergtaufe im Jahr 1988 Steine auf den höchsten Punkt. Nach Ansicht des Alpenvereins dürfte die heute in Karten ausgewiesene Höhe von 3.000 Metern allerdings nie tatsächlich erreicht worden sein.
Bei der Zeremonie Ende August 2026 wurden daher symbolisch Steine vom Gipfel entfernt. Damit soll die natürliche Erosion der künstlich erhöhten Gipfelkuppe gefördert werden. Der Alpenverein appelliert zudem an Bergsteigerinnen und Bergsteiger, künftig keine Steine am Gipfel aufzuschichten, sondern diese als Zeichen der Solidarität etwas unterhalb abzulegen.
Quelle: https://www.alpenverein.at/salzburg/home/news/2026-08-28-ein-berg-wird-wieder-namenlos.php
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