ALPLA setzt auf Verzahnung von Produktion und Recycling

Mathias FischerMathias Fischer
Müllpresse mit gepressten Ballen von Plastikabfällen auf einem Recyclinghof in Spanien
© alpla.com

Der Verpackungshersteller ALPLA verbindet seit über 25 Jahren Produktion mit Recycling. Georg Lässer, Director Business Development, Procurement and Sales Recycling, erklärt, wie das Unternehmen hochwertige Rezyklate erzeugt – und warum der Markt derzeit schwierig ist.

ALPLA hat sich zum Ziel gesetzt, gebrauchte Verpackungen in gleichwertige neue Produkte zu verwandeln. 13 Recyclingwerke weltweit stellen jährlich 300.000 Tonnen rPET und 100.000 Tonnen rHDPE her – für Kosmetik, Haushaltsreiniger oder Ölflaschen. Das Prinzip: Wer Verpackungen produziert, trägt auch Verantwortung für deren weiteren Lebenszyklus.

Qualität bis zur einzelnen Charge nachvollziehbar

Die Kombination aus Produktion und Recycling verschafft dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. „Wir wollen im Markt eine Benchmark für die Recyclingqualität setzen“, sagt Georg Lässer. Kunden schätzen Service, globale Präsenz und Entwicklungsvorsprung. Die Reinheit des Materials wird über Kriterien wie Farbe, Schlagfestigkeit und Viskosität kontrolliert. Jeder Prozessschritt lässt sich bis zur einzelnen Ladung und zum Lieferanten zurückverfolgen.

Downcycling will ALPLA vermeiden. Rezyklate gehen zurück in die Verpackungsindustrie, um den Bottle-to-Bottle-Kreislauf zu erhalten. Selbst farblich unpassende Nebenprodukte bleiben im technischen Kreislauf und werden zu Umreifungsbändern verarbeitet – mit mechanischen Eigenschaften auf dem Niveau einer recycelten Flasche.

Rezyklat kostet bis zu 50 Prozent mehr als Neuware

In Europa liegt der Preis für Rezyklat derzeit 20 bis 50 Prozent über Neuware. Lässer kritisiert, dass der Markt oft Äpfel mit Birnen vergleiche. Rezyklat müsse höchste Standards erfüllen, sei aber aufwändiger herzustellen. Der ökologische Vorteil rechtfertige den Unterschied. „Wenn die Preise für Neuware höher sind, tut man sich wirtschaftlich mit dem Recycling etwas leichter“, ordnet er ein.

Hinzu kommen komplizierte EU-Regularien und fehlende Handhabe gegen Verstöße. ALPLA habe massiv investiert und warte nun auf konsequente Durchsetzung. Weil Markenhersteller auf die PPWR-Überprüfung 2028 spekulieren, senken sie ihre Rezyklatziele – teils von 50 auf 30 Prozent oder auf null. Das entzieht dem Markt Tausende Tonnen Nachfrage. Investitionen brauchen Verbindlichkeit, so Lässer: „Du fängst natürlich nur an zu investieren, wenn du Planungssicherheit hast.“

Mechanisches Recycling bleibt erste Wahl

Trotz Unsicherheiten investiert das Unternehmen weiter in Sortiertechnologien, KI-Qualitätskontrolle, Dekontamination und Digitalisierung. Der Rezyklat-Anteil soll bis 2030 auf 30 Prozent steigen; der Fokus liegt bis 2028 auf hochwertigen Food-Grade-Rezyklaten.

Mechanisches Recycling – intern „Waschen, Föhnen, Legen“ genannt – bleibt bei Amortisationszeiten von fünf bis zehn Jahren erste Wahl. Chemisches Recycling spiele nur eine ergänzende Rolle, da man bewusst keinen Schritt in der Polymerkette zurückgehen wolle und es wesentlich mehr CO₂ verursache.

Sammlung als größte Hürde

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Rohstoffmenge. Die eigentliche Lücke entstehe bei der Sammlung, bilanziert Lässer: „Was nicht gesammelt wird, kann auch nicht recycelt werden.“ Während PET stabiler läuft, stehen Polyolefine (HDPE/PP) wegen aufwändigerer Sortierung und billiger Neuware unter Preisdruck. Ab 2030 droht durch verbindliche Rezyklat-Quoten der PPWR das Gegenteil.

ALPLA baut daher Kapazitäten aus und setzt auf Design-for-Recycling sowie langfristige Partnerschaften. Ein Zukunftsschlüssel ist der Ausbau der Polymac-Technologie: Mit diesem lösemittelbasierten Verfahren will das Unternehmen lebensmittelechtes rHDPE für die PPWR-Quoten ab 2030 erzielen. Das Projekt wird über vier Jahre mit dem Technologieinstitut NTCP auf einer Pilotanlage erprobt. „Damit stärken wir unsere technologische Unabhängigkeit massiv“, betont Lässer.

Kreislaufwirtschaft braucht gemeinsames Handeln

Nun gelte es, Rahmenbedingungen zu harmonisieren, legislative Vorgaben zu prüfen und Verpackungen kreislauffähig zu gestalten. Voraussetzung sei, dass Abfälle korrekt getrennt werden. „Kreislaufwirtschaft ist kein Einzelprojekt. Sie funktioniert nur, wenn Politik, Industrie und Verbraucher gemeinsam am selben Strang ziehen“, betont der Recycling-Leiter abschließend.

Gelbe Granulat-Kügelchen in schwarzen Handschuhen über einem Sieb
© alpla.com

Quelle: https://blog.alpla.com/de/blog/recycling/die-entscheidende-frage-ist-wie-wir-das-volle-potenzial-des-recyclings-entfesseln

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