„Angelic Conversations“ in Graz: Engel mit dunkler Seite

Die Tanzproduktion „Angelic Conversations“ von Alex Baczyński-Jenkins feierte bei der Eröffnung des steirischen herbst in der Grazer Helmut List Halle Premiere. Der Choreograf lotet mit der Figur des Engels die Grenzen zwischen Physischem und Metaphysischem aus.
Zur Eröffnung des diesjährigen steirischen herbst präsentierte der 1987 in London geborene Choreograf Alex Baczyński-Jenkins seine neue Tanzproduktion in der Helmut List Halle in Graz. Das vom Festival in Auftrag gegebene Stück „Angelic Conversations“ bot faszinierende Bilder, stellte das Publikum aber vor keine leichte Aufgabe. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen dem Physischen und dem Metaphysischen anhand der Figur des Engels.
Die Bühne präsentierte sich bewusst nüchtern, um den drei Performerinnen maximalen Raum zu geben. Diese waren in Kostüm und Gestus – wie für Baczyński-Jenkins charakteristisch – queerfeministisch definiert. Eine seitlich über den Köpfen schwebende Varilight-Batterie und gezielt positionierte Scheinwerfer sorgten für die präzise Ausleuchtung. Ein seitlich angebrachter Bildschirm setzte optische Akzente.
Elektronische Klänge und verzerrte Bilder
Die durchgehend elektronisch erzeugte Musik bewegte sich zwischen Trip-Hop und Synth-Pop und ergänzte die Bewegungspartitur, die Baczyński-Jenkins gemeinsam mit den Tänzerinnen Maia Joseph, Kasia Kuzka und Tänzer Adam Russell-Jones entwickelt hatte. Verzerrungen in der Bewegung fanden ihre Entsprechung in verzerrter Musik und manipulierten Bildern. Die mittels Live-Kamera eingefangenen Aufnahmen auf dem Screen über der Bühne begannen zu flimmern, als wären sie von atmosphärischen Störungen beeinflusst.
Die überwiegend wortlose, gelegentlich von gesungenen oder gesprochenen Phrasen und Textpassagen begleitete Geschichte von Begehren und Ekstase blieb schwer fassbar. Die Choreografie wechselte zwischen betont körperlichen Interaktionsphasen und entrückten Momenten, in denen die Performerinnen oft in ikonografisch aufgeladene Posen erstarrten.
Zwischen Ballett und diabolischen Momenten
Baczyński-Jenkins arbeitete mit einem breiten Spektrum an Bewegungsstilen und bediente sich mitunter auch beim klassischen Ballett. Gelegentlich kamen dank der Vergrößerungsmöglichkeit via Bildschirm auch mimische Ausdrucksmittel zum Einsatz. Die Engel kehrten immer wieder ihre dunkle Seite hervor, das Geschehen kippte ins Diabolische – was der rund eineinhalbstündigen Performance die nötige Kurzweil verlieh.
Das Publikum folgte mehrheitlich dem Gebotenen und honorierte die vor allem den drei Ausführenden alles abverlangende Darbietung mit kräftigem Applaus – allerdings jenseits von Begehren und Ekstase. Die letzte Vorstellung im Rahmen des Festivals findet heute, 25. September, um 20.30 Uhr in der Helmut List Halle statt.
Quelle: APA
Worüber spricht Graz morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.