Apotheken erkennen Diabetes-Risiko bei jedem Dritten

Pia ProdingerPia Prodinger
Blutzuckermessgerät, Spritze und Ampulle werden von Händen gehalten
© Mikhail Nilov / Pexels (Symbolbild)

Anlässlich des Internationalen Tags der Patientensicherheit am 17. September rücken Apotheken als wichtige Anlaufstelle für Früherkennung in den Fokus. Tests in Kärnten und Wien zeigen hohe Dunkelziffern bei chronischen Erkrankungen.

Die Weltgesundheitsorganisation widmet den „Internationalen Tag der Patientensicherheit“ am 17. September heuer der sicheren Versorgung bei nichtübertragbaren Krankheiten. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit chronischen Leiden – von der Vorsorge über die Diagnose bis zur langfristigen Betreuung. Die 1.470 öffentlichen Apotheken in Österreich übernehmen dabei eine zentrale Funktion bei der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sowie bei der Versorgung bereits Erkrankter.

Kärnten spart durch Tests Millionen

In Kärnten wurden in Zusammenarbeit mit dem Land knapp 5.600 Diabetes-Gesundheitstests in Apotheken durchgeführt. Das Ergebnis: Bei 29,4 Prozent der getesteten Personen stellten die Apotheker ein erhöhtes Diabetes-Risiko fest. Weitere 5,3 Prozent litten bereits an der Stoffwechselerkrankung. Allein durch diese Testungen erspart sich das Gesundheitssystem des Bundeslandes über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 6,76 Millionen Euro im Vergleich zum Verzicht auf Tests. Die erfolgreiche Kooperation wird deshalb 2026 fortgesetzt.

In Wien zeigte eine Aktion zu Langzeitblutzucker- und Blutfettwerten bei mehr als 440 Teilnehmenden ähnlich alarmierende Werte. 51 Prozent der zu diesem Zeitpunkt nicht mit Diabetes diagnostizierten Personen wiesen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Bei 21 Prozent wurde ein erhöhter HbA1c-Wert gemessen, bei 17 Prozent lag dieser im Bereich von Prädiabetes. Vier Prozent erreichten bereits Werte, die einer Diabetes-Erkrankung entsprechen.

Niederschwelliger Zugang ohne Wartezeit

Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, betont die Vorteile: „Durch die flächendeckende Verteilung, den niederschwelligen Zugang ohne Termin und Wartezeit und die bewährte Kooperation mit Labors sind Apotheken die idealen Einrichtungen im Gesundheitswesen, um verschiedene Testungen zur Früherkennung und Gesundheitsscreenings durchzuführen.“ Die Test-Aktionen in den Bundesländern würden beweisen, dass ein enormes Einsparungspotenzial im Gesundheitssystem bei gleichzeitig hervorragender Versorgung möglich sei.

Allen Betroffenen mit auffälligen Werten wurde eine weitere medizinische Abklärung empfohlen.

Medikationsanalyse für über 500.000 Betroffene

Chronisch kranke Menschen sind auf die regelmäßige Versorgung mit Medikamenten angewiesen. In Apotheken erhalten sie ausschließlich einwandfreie und sichere Originalprodukte, die an jedem Punkt der Produktions- und Lieferkette fachgerecht transportiert, gelagert und geprüft wurden.

Neben der Medikamentenabgabe bieten die mehr als 7.000 Apothekerinnen und Apotheker auch fachliche Beratung wie die Medikationsanalyse an. Raimund Podroschko, 1. Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, erklärt: „Mehr als 500.000 Menschen über 60 sind von Polypharmazie betroffen. Gerade ältere Menschen sind durch die Fülle an Medikamenten oft überfordert und verlieren über die Jahre leicht den Überblick.“ Eine strukturierte Medikationsanalyse durch Apotheker könne gesundheitlich negative und für das Gesundheitssystem teure Folgen einfach und kostengünstig vermeiden.

Krankenhausapotheker sichern komplexe Therapien

Auch in Österreichs Spitälern wird die medikamentöse Therapie immer komplexer. Mehr als 500 hochspezialisierte Krankenhausapotheker begleiten den gesamten Medikationsprozess. Sie beraten Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal zu allen arzneimittelrelevanten Fragestellungen, unterstützen bei der Erarbeitung von Therapievorschlägen und beschaffen Arzneimittel aus dem In- und Ausland. Bei Bedarf stellen sie für Patientinnen und Patienten maßgeschneiderte Medikamente her. In enger Zusammenarbeit mit weiteren Berufsgruppen gewährleisten sie eine wirksame, sichere und effiziente Arzneimitteltherapie.

Quelle: OTS

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