Apothekerkammer fordert bundesweite Präventionsstrategie

Die Österreichische Apothekerkammer verlangt von der Bundesregierung eine landesweite Präventionsstrategie. Anlass ist der STADA Health Report 2026, der Österreich bei der Eigenverantwortung in Gesundheitsfragen an die Spitze von 20 Ländern stellt.
Die Österreichische Apothekerkammer bekräftigt ihre Forderung nach einer österreichweiten Präventionsstrategie. Anlass dafür ist der aktuelle STADA Health Report 2026. In der Studie, für die rund 20.000 Menschen in 20 Ländern befragt wurden, belegt Österreich beim Thema Eigenverantwortung in der Gesundheitsbildung den Spitzenplatz. Demnach sehen 71 Prozent der Befragten die Verantwortung für Gesundheitswissen in erster Linie bei jedem Einzelnen. Damit liegt Österreich mehr als 30 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Vergleichsländer. Laut Bericht verdeutlicht dies die hohe Bedeutung persönlicher Eigenverantwortung in Gesundheitsfragen.
Apotheken als wichtige Partner der Vorsorge
Für Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, können Apotheken durch qualitätsgesicherte Test-, Screening- und Beratungsangebote einen wichtigen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Erkrankungen leisten und dadurch das Gesundheitssystem entlasten. Voraussetzung dafür sei jedoch eine umfassende und bundesweit koordinierte Präventionsstrategie. Diese müsse gleiche Vorsorgechancen für alle Menschen gewährleisten, klare Zuständigkeiten definieren und langfristig finanziell abgesichert sein.
Laut STADA Health Report nehmen bereits 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher zumindest einen Teil der verfügbaren Vorsorgeangebote in Anspruch. Im internationalen Vergleich liegt dieser Wert deutlich über dem Durchschnitt von 44 Prozent. Dadurch ergeben sich laut Bericht gute Voraussetzungen für weitere präventionsorientierte Maßnahmen, etwa Erinnerungssysteme für Screenings oder Selfcare-Programme in Apotheken. Mursch-Edlmayr betont, dass über Apotheken angebotene und finanzierte Präventionsmaßnahmen besonders wirksam, zielgerichtet, nachhaltig und kosteneffizient seien.
Diabetes-Vorsorge mit deutlichen Ergebnissen
Daten aus Vorsorgeaktionen zeigen laut Apothekerkammer die Wirksamkeit solcher Angebote. Bei einer kostenlosen Diabetes-Vorsorgeaktion in Kärntner Apotheken Ende 2025 wurden bei 35 Prozent der getesteten Personen auffällige Langzeitblutzuckerwerte festgestellt.
Ohne entsprechende Testangebote würden laut Raimund Podroschko, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, jährlich doppelt so viele Menschen unbemerkt an Diabetes erkranken. Eine wissenschaftliche Auswertung der Kärntner Ergebnisse kommt zudem zu dem Schluss, dass die dort durchgeführten Tests dem Gesundheitssystem innerhalb von fünf Jahren Einsparungen von insgesamt 6,76 Millionen Euro bringen. Die jährlichen Einsparungen steigen dabei von rund 58.000 Euro im ersten Jahr auf etwa 2,5 Millionen Euro im fünften Jahr. Für Podroschko zeigt das ein erhebliches Sparpotenzial.
Hohe Auffälligkeitsraten bei weiteren Untersuchungen
Auch andere Screening-Angebote in Apotheken lieferten auffällige Ergebnisse. In Salzburg wurde bei 56,2 Prozent der getesteten Personen eine Vitamin-D-Insuffizienz festgestellt, ein Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wies einen Vitamin-D-Mangel auf.
Ähnliche Resultate ergaben Untersuchungen in der Steiermark, wo 28,4 Prozent der getesteten Personen ein Vitamin-D-Defizit zeigten.
Bei einem kardiovaskulären Risikoscreening in Wiener Apotheken wurde bei 51 Prozent der Teilnehmer ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall festgestellt. In 43 Prozent der Fälle führte das Screening zu einer neuen oder angepassten medikamentösen Behandlung. Nach Berechnungen auf Basis des Budget-Impact-Modells führen auch diese Präventionsangebote zu Einsparungen in Millionenhöhe.
Präventionskonto als zusätzlicher Anreiz
Ein persönliches, bundesweites Präventionskonto soll nach Ansicht der Apothekerkammer die Gesundheitsvorsorge zusätzlich stärken. Es soll einen einfachen Zugang zu individuell passenden Gesundheitsleistungen ermöglichen und gleichzeitig an ausstehende Vorsorgeuntersuchungen erinnern.
Podroschko betont, dass Prävention möglichst nahe bei den Menschen stattfinden müsse. Öffentliche Apotheken könnten dabei als wohnortnahe und vertrauenswürdige Gesundheitsdienstleister eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Vorsorgeangeboten übernehmen.
Quelle: OTS
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