Arbeitslosigkeit bei über 50-Jährigen steigt stark

In Niederösterreich waren Ende Oktober 17.090 Personen ab 50 Jahren beim AMS arbeitslos gemeldet – ein Plus von 8,4 Prozent im Jahresvergleich. Besonders betroffen sind Frauen dieser Altersgruppe mit einem Anstieg von 11,8 Prozent, so der ORF.
Ende Oktober verzeichnete das Arbeitsmarktservice (AMS) in Niederösterreich 17.090 arbeitslose Menschen ab 50 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von 8,4 Prozent. Bei Frauen dieser Altersgruppe fiel der Anstieg mit 11,8 Prozent noch deutlicher aus. Insgesamt waren 7.562 Frauen ab 50 Jahren ohne Beschäftigung.
Über alle Altersgruppen hinweg betrachtet nahm die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich um 6,4 Prozent zu. Laut AMS haben es ältere Personen nach dem Verlust ihrer Stelle häufig schwerer, wieder eine Anstellung zu finden. Trotz jahrelanger Berufserfahrung bleiben sie oft länger ohne Arbeit.
Erfahrung als Gewinn für Betriebe
Dass die Berufserfahrung älterer Arbeitskräfte für Betriebe von großem Nutzen sein kann, demonstriert die Erlebnisgärtnerei in Schiltern bei Langenlois (Bezirk Krems). Dort beschäftigt Geschäftsführer Reinhard Kittenberger 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 50 Jahre. „Die Erfahrung, die wir da bekommen, die kann uns kein Junger geben. Und das ist super“, erklärte Kittenberger.
Karmen Frena, Vizechefin des AMS Niederösterreich, betont ebenfalls den Wert älterer Beschäftigter für Unternehmen. Ihre Erfahrung, Stabilität und die Fähigkeit, Wissen an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben, seien besonders wertvoll. Angesichts des demografischen Wandels werde ihre Bedeutung künftig noch zunehmen. Das AMS geht davon aus, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Niederösterreich langfristig sinken wird.
Weiterbildung als Schlüsselfaktor
Am Donnerstag diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Arbeitsmarktforschung beim AMS-Unternehmensforum im WIFI St. Pölten die Frage, ob höheres Alter im Berufsleben Vorteil oder Hindernis darstellt.
Julia Bock-Schappelwein vom WIFO wies auf die Veränderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt hin. Der Zugang zu Weiterbildung werde dadurch immer wichtiger – auch für ältere Beschäftigte. Zudem seien altersgerechte Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeitmodelle und betriebliche Gesundheitsförderung gefragt.
Angespannte Lage am Arbeitsmarkt
Die Jobsuche wird durch die angespannte Situation am Arbeitsmarkt zusätzlich erschwert. Ende Oktober meldete das AMS Niederösterreich 11.875 offene Stellen – ein Rückgang von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Zuletzt waren 8.016 Menschen in Niederösterreich seit mindestens einem Jahr arbeitslos. Das entspricht einem Anstieg von 27,1 Prozent im Jahresvergleich.
Wie ältere Menschen länger in Beschäftigung gehalten werden können, wird auch österreichweit diskutiert. Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund haben ein Bonus-Malus-System für Unternehmen vorgeschlagen, das die Beschäftigung von 60- bis 64-Jährigen fördern soll. Wirtschaftsvertreter lehnen den Vorschlag ab.
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