Arbeitsmarktgipfel: Weiterbildung gegen Jobverlust

Mathias FischerMathias Fischer

Beim Arbeitsmarktgipfel in Wiener Neustadt diskutierten Vertreter des Landes, des AMS und der Sozialpartner über künftige Qualifikationen am Arbeitsmarkt. Einigkeit herrschte darüber, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt stark verändert, so der ORF.

Am Mittwoch trafen sich Vertreter des Landes Niederösterreich, des AMS sowie von Arbeiter- und Wirtschaftskammer im Triumph-Logistikzentrum in Wiener Neustadt zum Arbeitsmarktgipfel. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Qualifikationen Beschäftigte und Unternehmen künftig benötigen. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Digitalisierung einen starken Wandel in der Arbeitswelt bewirkt.

Nicht nur die Produktion müsse sich anpassen, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hieß es. Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS, sieht darin auch eine Chance: „Künftig wird es nicht mehr so stark darum gehen, welchen Berufsabschluss jemand hat, sondern welche Kompetenzen stehen zur Verfügung und inwiefern ist jemand bereit, neue Dinge zu lernen.“

Kompetenzatlas als Orientierungshilfe

Die Vielfalt an Aus- und Weiterbildungsangeboten – vom AMS über das WIFI bis zur Arbeiterkammer oder dem Land – verwirre manche, sagte die für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ). Jugendliche hätten so viele Möglichkeiten, dass sie manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen würden.

Der Kompetenzatlas des Landes, der vor fünf Jahren eingeführt und nun überarbeitet wurde, soll als zentrale Plattform zur Orientierung dienen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) verwies auf die Chancen der Digitalisierung. Der Fokus liege auf der Qualifizierung der Menschen, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten.

Statt eines Arbeitgebers bis zur Pension werden es künftig fünf bis zehn sein, hieß es. Umso wichtiger sei permanente Weiterbildung. Ziel sei es, die Qualifikationen der Arbeitnehmer an die Bedürfnisse der Unternehmen anzupassen. „Niederösterreich ist ein Land der Meister, nicht nur der Master“, sagte Rosenkranz. Der Kompetenzatlas werde kontinuierlich aktualisiert.

Sozialpartner betonen Notwendigkeit

Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, sieht im Kompetenzatlas eine wertvolle Orientierungshilfe. Besonders kleinere Betriebe könnten so schneller passende Qualifikationen finden. Zugleich sei es nötig, Beschäftigten die Angst vor dem Neuen zu nehmen. Am Ende müsse aber der Mensch entscheiden, inwieweit er das zulasse.

Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, ergänzte, dass Weiterbildung nicht nur ein privates Hobby der Beschäftigten sei, sondern auch eine Notwendigkeit der Betriebe. Gerade bei der Lehrausbildung und der Qualifizierung nicht zu investieren, wäre ein Wahnsinn.

Arbeitslosigkeit steigt weiter

Ende September waren in Niederösterreich 46.163 Menschen beim AMS arbeitslos gemeldet. Mit 7,7 Prozent gab es den stärksten Anstieg aller Bundesländer. Laut Prognosen wird die Zahl in den kommenden Monaten weiter steigen.

Mehr Geld vom Land für Schulungen wird es nicht geben, sagte Rosenkranz. Die Budgets müssten konsolidiert werden, man könne nicht weiter Schulden machen. Das vorhandene Geld werde aber gezielt eingesetzt. Zugleich werde man an den einzelnen Förderprogrammen arbeiten und prüfen, ob sie dem Markt noch entsprechen.

Wichtiger seien Impulse für die Wirtschaft, so Mikl-Leitner. Sie wünscht sich vom Bund etwa einen Investitionsfreibetrag oder eine höhere Abschreibungsmöglichkeit, damit die Betriebe wieder investieren und die Beschäftigung anspringt. Mikl-Leitner hofft auf Maßnahmen in den nächsten Wochen, damit die Trendwende am Arbeitsmarkt nächstes Jahr tatsächlich eintritt.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3376290/

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