Ardo lehnt Hilfsangebot ab – scharfe Kritik aus Politik

Mathias FischerMathias Fischer
Regionales Angebot abgelehnt, Traktor auf Feld, Fabrik mit 1.000 km Transportweg
© Mit KI (Gemini) generiert

Der belgische Tiefkühlgemüse-Konzern Ardo hat ein umfassendes Unterstützungsangebot von Bund und Land Niederösterreich zurückgewiesen. Die Entscheidung bedroht rund 500 Landwirtschaftsbetriebe und 250 Arbeitsplätze im Marchfeld.

Der Tiefkühlgemüse-Konzern Ardo hat das Hilfs- und Unterstützungsangebot von Bund und Land Niederösterreich abgelehnt. In einem Antwortschreiben wies das belgische Unternehmen die Vorschläge mit „fadenscheinigen Argumenten“ zurück, wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr in einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren.

Die Dimension der Entscheidung ist erheblich: Etwa 500 bäuerliche Betriebe produzieren auf rund 3.300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung durch Ardo. Allein im Jahr 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Millionen Euro geliefert. Neben rund 250 Arbeitsplätzen bei Ardo und im Umfeld des Werks steht eine über Jahrzehnte aufgebaute Wertschöpfungskette samt Know-how, Infrastruktur und Absatzmöglichkeiten auf dem Spiel.

„Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten“

Landeshauptfrau Mikl-Leitner zeigt sich empört: „Das Verhalten von Ardo ist an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten. Wer aus reiner Profitgier Arbeitsplätze, bäuerliche Existenzen und unsere heimische Lebensmittelproduktion aufs Spiel setzt, darf sich nicht wundern, wenn ihm die Konsumenten am Ende die Rechnung präsentieren.“ Die Menschen wollten heimisches Gemüse auf ihren Tellern und keine Importware aus Belgien. Sie versicherte den Bauernfamilien und Beschäftigten, dass man sie nicht im Stich lasse. Eine Lösung werde alles andere als einfach, aber man werde nichts unversucht lassen.

LH-Stellvertreter Pernkopf wies die Argumentation des Konzerns entschieden zurück. Ardo arbeite mit völlig verdrehten Fakten und unhaltbaren Argumenten. Die kolportierten Verluste von angeblich fünf Millionen Euro pro Jahr hielten einem Blick in die offiziellen Bilanzen nicht stand – diese wiesen ein positives Ergebnis aus. „Hier wird der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut, um einen Kahlschlag auf dem Rücken der gesamten Region zu rechtfertigen“, so Pernkopf. Besonders dreist sei, dass Ardo lieber Millionenrückzahlungen an Fördergeldern in Kauf nehme, als das Werk auch nur für ein weiteres Jahr fortzuführen. Gespräche für eine österreichische Lösung ohne Ardo liefen seit Minute eins.

Kritik an Transport quer durch Europa

Landwirtschaftsminister Totschnig bezeichnete die Entscheidung als schweren Schlag für den Wirtschafts- und Landwirtschaftsstandort Österreich. Dass der belgische Konzern ein derart umfassendes Unterstützungsangebot ausschlage, sei völlig unverständlich. Statt Gemüse direkt vor der Haustür zu produzieren, solle es künftig mehr als 1.000 Kilometer quer durch Europa transportiert werden. „Das ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar“, kritisierte der Minister. Man werde nicht kampflos zusehen, wie ein strategisch wichtiger Produktionsstandort zerschlagen werde.

Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Mayr unterstrich die Folgen für die heimischen Bauernfamilien. Ardo habe jahrzehntelang von der Verlässlichkeit der Marchfelder Gemüsebauern profitiert und lasse jetzt rund 500 Betriebe mit den Folgen seiner Entscheidung zurück. Dass der Konzern mögliche Lösungen für den Weiterbetrieb blockiere, sei ein Schlag ins Gesicht all jener, die über Generationen in diese Partnerschaft investiert hätten. Es entsteht der Eindruck, dass mögliche Konkurrenz ausgeschaltet werden solle. „Wir lassen uns österreichisches Gemüse nicht einfach durch ausländische Ware ersetzen“, betonte Mayr.

Suche nach Alternativen läuft

Die Entscheidung von Ardo trifft nicht nur die heimischen Bauernfamilien, sondern auch die Beschäftigten und ihre Familien sowie die österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten, denen heimische Qualitätsprodukte künftig durch Importware ersetzt zu werden drohen. Um diesen Kahlschlag abzuwenden und die regionale Versorgungssicherheit zu garantieren, ziehen Bundesregierung, Landesregierung, Landwirtschaft und Wirtschaft an einem Strang.

Die Suche nach Alternativen und konkrete Gespräche mit potenziellen Kauf- und Übernahmeinteressenten sind bereits auf allen Ebenen voll angelaufen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die heimische Tiefkühlgemüseproduktion und die Wertschöpfung in Österreich zu halten“, betonten Mikl-Leitner, Pernkopf, Totschnig und Mayr abschließend. Man werde alles tun, um dem Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld eine Zukunft zu geben.

Quelle: OTS

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