Ardo schließt Werk in Groß-Enzersdorf: 240 Jobs betroffen

Der Tiefkühlgemüse-Hersteller Ardo Austria Frost stellt die Produktion in Groß-Enzersdorf nach der heurigen Ernte schrittweise ein. Rund 190 Beschäftigte und 50 saisonale Leiharbeitskräfte verlieren ihre Arbeit, 270 Gemüsebauern im Marchfeld bangen um ihre Existenz.
Die Ardo Austria Frost GmbH schließt ihr Werk in Groß-Enzersdorf im Bezirk Gänserndorf. Nach der heurigen Ernte wird die Produktion schrittweise eingestellt. Davon sind rund 190 Beschäftigte sowie 50 saisonale Leiharbeitskräfte unmittelbar betroffen. In der Region Marchfeld bangen zudem etwa 270 Gemüsebauern um ihre wirtschaftliche Grundlage.
MAV warnt vor Billigpreis-Politik
Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) sieht in der Werksschließung ein Alarmsignal für den gesamten heimischen Lebensmittelstandort. „Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks – er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird“, erklärt Günter Thumser, Geschäftsführer des MAV. Der Verband warne seit Monaten vor dem medial beschworenen „Billig, billig!“ – nun zeige sich eine der ersten großen Konsequenzen.
Die Werksschließung sei das Ergebnis einer kollektiven Ausrichtung auf den jeweils niedrigsten Einkaufspreis, so der MAV. Höchste heimische Qualitätsstandards – etwa bei Sozialstandards, Düngung, Pflanzenschutz oder Tierwohl – seien mit signifikant höheren Produktionskosten verbunden. Wer ausschließlich den niedrigsten Preis zum Maßstab mache, spare zwar kurzfristig, beschleunige aber die Abwanderung selbst traditioneller Produktionsbetriebe an deutlich günstigere Auslandsstandorte.
Faire Preise als Grundlage für Wertschöpfung
„Nur ein fairer Preis sichert das Morgen“, betont Thumser. Heimische Qualität brauche eine wirtschaftliche Grundlage – und das gelte nicht nur für einzelne Betriebe, sondern für den Wohlstand und das soziale Netz insgesamt. „Nur aus heimischer Wertschöpfung erwächst die Finanzierung unserer gewohnten Sicherheit“, so der MAV-Geschäftsführer. Der Verband warnt zudem vor einer weiteren Zunahme der Importabhängigkeit bei Gütern des täglichen Bedarfs, sollte sich diese Entwicklung fortsetzen.
Appell gegen Verbot regionaler Liefervereinbarungen
Der MAV appelliert eindringlich an Politik und Medien, die aktuell gesetzlich zulässige Möglichkeit regionaler oder nationaler Vereinbarungen zwischen Herstellern und Handel nicht einzuschränken oder zu verbieten. Diese Vereinbarungen seien eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Versorgungssicherheit mit heimischer Produktion und Tausende Arbeitsplätze – vom Bauernhof über die Weiterverarbeitung bis ins Handelsregal – nachhaltig abzusichern.
„Vier Handelskonzerne decken über 90 Prozent des täglichen Haushaltsbedarfs ab. Dieser enormen Marktkonzentration steht eine Vielzahl heimischer Lieferanten gegenüber“, erklärt Thumser. Der Wunsch des Handels nach dem jeweils günstigsten Einkaufspreis dürfe nicht zum alleinigen Maßstab werden. Hersteller müssten im Rahmen des Wettbewerbsrechts weiterhin frei entscheiden können, wie und mit wem sie ihre Waren vertreiben.
Der MAV weist daher die Forderung nach einem generellen Verbot territorialer Lieferbeschränkungen deutlich zurück und appelliert an die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung, den entsprechenden, von Österreich in der EU eingebrachten Vorstoß noch vor dem EU-Rat am 15. und 16. Oktober neu zu überdenken.
„Nur eine Überarbeitung, die faire Wettbewerbsbedingungen auch für heimische Produzenten berücksichtigt, wird der politischen Verantwortung für den österreichischen Wirtschaftsstandort gerecht“, so Thumser abschließend. Qualität aus Österreich für Österreich müsse die klare Leitlinie nachhaltiger Politik sein, auch für die nachfolgenden Generationen.
Quelle: OTS
Worüber spricht Gänserndorf morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.