Ardo schließt Werk in Groß-Enzersdorf bis 2027

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Das größte industrielle Tiefkühlgemüsewerk Österreichs steht vor dem Aus. Die Ardo Austria Frost GmbH will ihr Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich 2027 schließen. Betroffen sind 240 Beschäftigte und Hunderte Landwirte im Marchfeld.

Die belgische Ardo-Gruppe hat angekündigt, ihr Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf zu schließen. Das Werk produziert derzeit unter anderem für Iglo sowie für die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die Schließung soll 2027 erfolgen.

Laut Unternehmensangaben wären für die Modernisierung des Standorts mehr als 100 Millionen Euro erforderlich. Diese Investition lasse sich angesichts des kleinen österreichischen Marktes nicht wettbewerbsfähig rechtfertigen. Seit der Übernahme von Austria Frost im Jahr 2009 seien bereits Millionen in neue Produktionslinien geflossen.

Die Anlagen werden an andere europäische Standorte der Gruppe verlagert. Von dort aus soll künftig der österreichische Markt beliefert werden. Eine Übernahme des Werks durch einen anderen Eigentümer sei daher nicht möglich, teilte das Unternehmen mit.

Massive Auswirkungen auf Landwirtschaft im Marchfeld

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bezeichnete die geplante Schließung als Schlag, der den Gemüsebau im Marchfeld mit voller Wucht treffe. Die über Jahrzehnte aufgebaute heimische Tiefkühlproduktion samt Know-how und Infrastruktur sei gefährdet.

Im Jahr 2025 verarbeitete Ardo die Erzeugnisse von rund 270 Bauern. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) hat nach Angaben der Landwirtschaftskammer 500 Mitgliedsbetriebe, die überwiegend im Marchfeld auf rund 3.300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung produzieren. Dazu zählen Grünerbsen, Gemüsesoja, Buschbohnen, Spinat, Karotten, Kohlgemüse, Speisekürbis und Kräuter.

2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Wert von rund 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert. Rund vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Marchfeld werden von Landwirten genutzt, die im Auftrag von Ardo über die ETG produzieren.

Politik fordert Verantwortung von Ardo

Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sowie Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (alle ÖVP) bezeichneten die Schließung als schweren Schlag für die Beschäftigten und rund 500 Bauernfamilien. Diese hätten über Jahre verlässlich produziert und ihre Arbeit auf die Zusammenarbeit mit Ardo ausgerichtet. Ardo trage Verantwortung für die Beschäftigten ebenso wie für die bäuerlichen Partnerbetriebe, wurde betont.

Viele Betriebe hätten im Vertrauen auf die Zusammenarbeit erheblich in spezialisierte Erntemaschinen, modernste Technik und die Weiterentwicklung ihrer Gemüseproduktion investiert, erklärte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Er forderte rasch Klarheit.

Handel sucht nach Alternativen

Iglo arbeitet derzeit an Lösungen, um weiterhin Gemüse aus dem Marchfeld zu beziehen. Auf die Produktverfügbarkeit gebe es keine Auswirkungen, wurde mitgeteilt. Die Handelskette Spar ließ bisher einige Eigenmarken dort produzieren, vor allem im Bio-Bereich. Die Sortimentsmanager seien dabei, Ersatz zu finden, teilweise sei das schon gelungen. Ziel sei, alles, was bisher im Marchfeld produziert wurde, auch weiterhin von dort zu beziehen.

Der Diskonter Hofer bedauerte das angekündigte Aus. Die Zusammenarbeit mit österreichischen Produzenten und die Stärkung der heimischen Landwirtschaft habe einen hohen Stellenwert. Man werde die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und gemeinsam mit Partnern mögliche Optionen besprechen.

Das Landwirtschaftsministerium teilte mit, die Versorgung mit Tiefkühlgemüse sei aus heutiger Sicht gesichert. Es sei davon auszugehen, dass etwaige fehlende Mengen aus heimischer Produktion im Bedarfsfall substituiert werden. Gespräche seien im Laufen.

Warnung vor Importabhängigkeit

Der Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ortete ein Alarmsignal für den gesamten heimischen Lebensmittelstandort. Günter Thumser, Geschäftsführer des Verbands, warnte: „Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks - er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird.“ Gewarnt wurde vor einer weiteren Zunahme der Importabhängigkeit bei Gütern des täglichen Bedarfs.

Sozialplan für Beschäftigte geplant

Von der Schließung sind 190 Beschäftigte betroffen, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Die Gemüseproduktion soll voraussichtlich bis Dezember 2026 fortgeführt werden. Ab August 2027 soll der Fokus von einem neuen Standort in der Region von Wien aus auf den Vertrieb gelegt werden.

SPÖ-Landesparteichef Landesrat Sven Hergovich sprach sich wie die Gewerkschaft PRO-GE für die Prüfung einer Arbeitsstiftung aus. Das Land sei gefragt, gemeinsam mit dem AMS, den Sozialpartnern und den vorhandenen Arbeitsmarktinstrumenten müssten frühzeitig Qualifizierungs-, Vermittlungs- und Unterstützungsmaßnahmen vorbereitet werden.

Quelle: APA

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