Ardo-Schließung: Brief an Eigentümer soll Werk retten

Mathias FischerMathias Fischer
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Die Politik versucht mit einem Schreiben an die belgische Eigentümerfamilie die Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf doch noch abzuwenden. Das Unternehmen hält aber an seinen Plänen fest, die Produktion Ende August 2027 einzustellen.

Nach der angekündigten Schließung des Tiefkühlgemüse-Werks von Ardo in Groß-Enzersdorf setzt die Politik auf einen Brief an die belgische Eigentümerfamilie. Damit soll ein Umdenken erreicht werden. Der Iglo-Zulieferer selbst lehnt weitere Gespräche ab und will an der Schließung für Ende August 2027 festhalten.

Zwischen politischen Vertretern und dem Unternehmen fanden bisher zwei Treffen statt, das letzte am Mittwoch. Dabei wurden dem Betrieb verschiedene Optionen vorgeschlagen, darunter ein Pachtmodell oder die Übernahme der Produktionslinie, wie Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) erklärte. Ziel sei es, Zeit für den Aufbau einer Ersatzstruktur zu gewinnen. „Erste Händler steigen schon von Ardo aus, weitere müssen folgen. Österreich lässt sich das nicht gefallen, denn es geht um die Versorgungssicherheit mit heimischem Gemüse“, betonte Pernkopf.

Mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses betroffen

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, bestätigte am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal die Existenz des Briefs. Man hoffe auf weitere Gespräche, um den Betrieb für ein bis zwei Jahre aufrechtzuerhalten. So könne man sich für die Zukunft des österreichischen Tiefkühlgemüses wappnen. Laut Mayr werden über 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses im Werk in Groß-Enzersdorf hergestellt. Ein Ersatz sei nicht kurzfristig zu finden. Die Situation zeige, „wie verletzbar wir hier in Österreich sind“.

Ein zweiter Tiefkühlgemüse-Produzent in Groß-Enzersdorf, Schneider's Gemüseland, der bereits seit rund zehn Jahren mit Spar zusammenarbeitet, könne einen kompletten Ausfall von Ardo nicht ausgleichen. Ein Ausbau würde Branchenkennern zufolge längere Zeit in Anspruch nehmen, hieß es im Ö1-Morgenjournal.

Unternehmen sieht keine Lösung

Beim Treffen am Mittwoch zeigte sich Ardo nicht kompromissbereit. Von politischer Seite war sogar von einer „Kriegserklärung“ die Rede. Das Unternehmen teilte mit, dass die strukturellen und wirtschaftlichen Probleme durch die Unterstützungsangebote von Land und Bund nicht gelöst werden könnten. Auch ein Verkauf des Werks sei geprüft und verworfen worden. Ardo will sich nun auf die Erstellung eines Sozialplans für die 190 betroffenen Beschäftigten konzentrieren. Auf Anfrage am Donnerstag wollte sich das Unternehmen nicht weiter äußern.

Das Werk in Groß-Enzersdorf produziert unter anderem für Iglo sowie die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September die Schließung für 2027 angekündigt. Neben den 190 Beschäftigten sind auch 50 Leiharbeitskräfte betroffen. Notwendige Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro für die Modernisierung seien für einen „relativ kleinen heimischen Markt“ zu hoch, so die Begründung. Die Anlagen sollen an andere Standorte verlagert werden.

Das Unternehmen hat heuer in Niederösterreich die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, zählt 500 Mitgliedsbetriebe.

Quelle: APA

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