Ardo-Schließung: FPÖ fordert günstige Energie und weniger Abgaben

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Schließung des Verarbeitungswerks Ardo in Groß-Enzersdorf bedroht 240 Arbeitsplätze und rund 500 Gemüsebauern im Marchfeld. Die FPÖ Niederösterreich verlangt bessere Rahmenbedingungen für die heimische Lebensmittelproduktion.

Das Ende des Tiefkühlgemüsebetriebs Ardo trifft nicht nur die Beschäftigten hart, sondern gefährdet auch eine ganze regionale Wertschöpfungskette. Alexander Schnabel, Landwirtschaftssprecher der FPÖ Niederösterreich, bezeichnete die Situation bei einer Aktuellen Stunde im Landtag am Donnerstag als „Katastrophe für die Mitarbeiter und deren Familien“ sowie als „finanziellen Exodus“ für etwa 500 bäuerliche Betriebe.

Die betroffenen Gemüsebauern hätten jahrelang in Maschinen, Lagerlogistik und Infrastruktur investiert. Ein rascher Umstieg von Gemüse auf andere Kulturen wie Weizen sei nicht von heute auf morgen machbar, betonte Schnabel. Mitten in der Anbauplanung müssten die Landwirte nun nach Alternativen suchen, ohne zu wissen, wie es im Marchfeld weitergehe.

Regionale Wertschöpfungskette in Gefahr

Dieter Dorner, Wirtschaftssprecher der FPÖ Niederösterreich und Bezirksparteiobmann in Gänserndorf, warnte vor weitreichenden Folgen. Die Auswirkungen reichten weit über das Werksgelände hinaus. Allein im Vorjahr seien 40.000 Tonnen Gemüse im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert worden. Nun drohe den Bauern der wichtigste Abnehmer wegzubrechen.

Auch Transportunternehmer, Lagerhäuser, Landmaschinenhändler, Werkstätten und weitere Betriebe seien betroffen. Insgesamt stünden rund 240 Arbeitsplätze bei Ardo auf dem Spiel.

Agrana-Werk bereits im März geschlossen

Ardo sei leider kein Einzelfall, so Dorner. Im März 2025 sei die Zuckerproduktion im Agrana-Werk eingestellt worden, 120 Beschäftigte waren betroffen. Allein bei Ardo und Agrana gehe es um rund 350 Stammarbeitsplätze. Auch die Entwicklungen am Pharmastandort Orth an der Donau seien besorgniserregend. Der Bezirk Gänserndorf verliere wertvolle industrielle Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Hinzu komme die seit Jahrzehnten fehlende Verkehrsinfrastruktur im Marchfeld – S1, S8 und der seit langem diskutierte Lobautunnel seien nach wie vor nicht realisiert.

Hohe Kosten gefährden Wettbewerbsfähigkeit

Österreich verliere seine Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiepreise, hohe Arbeitskosten und Standortnachteile, kritisierte Dorner. Die durchschnittlichen Arbeitskosten in der österreichischen Industrie lägen fast 47 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Dabei spielten Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und sonstige Abgaben eine wesentliche Rolle.

Heimische Industriebetriebe zahlten laut Eurostat-Daten 12 Prozent mehr für Strom als im EU-Durchschnitt. Für einen Tiefkühlgemüsebetrieb seien die Energiekosten besonders relevant. Dazu komme die CO2-Bepreisung, die entlang der gesamten Produktionskette wirke – vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Supermarkt.

Mögliche Alternativen in Prüfung

Dorner hob positive Ansätze hervor: In Niederösterreich werde über Parteigrenzen hinweg an einer Lösung gearbeitet. Das Land habe sich intensiv bemüht, Ardo halte jedoch an der Schließung fest. Umso wichtiger sei es nun, Alternativen zu schaffen.

Schneider's Gemüseland in Groß-Enzersdorf führe Gespräche mit dem Lebensmittelhandel, SPAR zeige Interesse. Auch efko werde als möglicher Partner für eine österreichische Lösung genannt. Besonders interessant sei die Überlegung, das Gelände der ehemaligen Agrana zu nutzen. Nach der Schließung der Zuckerproduktion könnte das eine wirtschaftliche Chance werden.

Forderung nach Planungssicherheit

Die Bauern benötigten verlässliche Rahmenbedingungen und Abnehmer, auf die sie sich verlassen könnten, forderte Schnabel. Wenn die Bundesregierung von Versorgungssicherheit spreche, müsse sie dafür sorgen, dass die Betriebe eine Zukunft hätten.

Dorner verwies auf den Selbstversorgungsgrad bei Gemüse von nur 57 Prozent. Die Supermarktregale blieben zwar nicht leer, aber volle Regale bedeuteten noch lange keine nationale Versorgungssicherheit. Heimische Lebensmittelversorgung beginne auf den Feldern und brauche heimische Verarbeitungsbetriebe.

Die Bundesregierung müsse die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, so Dorner abschließend. Nötig seien keine Ankündigungen, sondern günstige Energie, niedrige Abgaben auf Arbeit und Bürokratieabbau.

Quelle: OTS

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