Ardo-Schließung: Politik sucht Investoren für Gemüsewerk

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf laufen Gespräche über den Erhalt der Tiefkühlgemüseproduktion. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) berichten von mehreren Interessenten.

Die Bemühungen um eine Lösung für das bedrohte Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf gehen weiter. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) kündigte am Montag in Wieselburg an, alles zu unternehmen, um eine Alternative zu schaffen. Stephan Pernkopf (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreter von Niederösterreich, sprach von einer Handvoll ernsthafter Investoren und Interessenten.

Geprüft werde einerseits, welche bestehenden Betriebe zusätzliche Verarbeitungskapazitäten übernehmen könnten. Andererseits stehe die Option im Raum, eine komplett neue Produktionsstätte aufzubauen, erklärte Pernkopf. Die Prüfung dieser Varianten werde in den kommenden Wochen erfolgen. Konkrete Details nannte er nicht, da mit den Gesprächspartnern Verschwiegenheit vereinbart worden sei. Ziel sei es, die österreichische Produktion im Interesse der Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Potenzielle Investoren hätten Zugang zu verschiedenen Fördermöglichkeiten.

Selbstversorgungsgrad bei Gemüse liegt bei 57 Prozent

Totschnig betonte, es gehe um die Landwirte, die Beschäftigten, die Region und die Versorgungssicherheit. Der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse liege aktuell bei 57 Prozent und sei damit ausbaufähig. Das Marchfeld habe eine enorme Bedeutung. Der Konzern wolle jedoch seine Werke im Ausland besser auslasten und plane, die Anlagen von Groß-Enzersdorf an andere Standorte innerhalb des Unternehmens zu verlagern.

Auf die Bitte der Politik, die Produktion noch eine gewisse Zeit fortzuführen, habe das Unternehmen nicht reagiert, so Pernkopf. Stattdessen nehme Ardo drohende Millionen-Rückzahlungen über die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) in Kauf. Österreichisches Tiefkühl-Blattgemüse wie Spinat werde voraussichtlich maximal bis Oktober 2027 verfügbar sein.

Scharfe Kritik an Ardo-Entscheidung

Pernkopf übte erneut heftige Kritik und bezeichnete das Vorgehen als Kampfansage gegen Österreich, die Konsumenten, Arbeitnehmer, Bauern und die Versorgungssicherheit. Der Plan, heimische Ware durch ausländische zu ersetzen, dürfe und werde nicht funktionieren, zeigte sich der Landesvize überzeugt. Es brauche einen rot-weiß-roten Schulterschluss. Totschnig bemängelte, dass es von Ardo keinerlei Entgegenkommen gebe und einfach eine Entscheidung durchgezogen werde.

Nachdem das Unternehmen trotz angebotener politischer Unterstützung an den Schließungsplänen festhielt, haben der Gemüseverarbeiter efko und der Familienbetrieb Schneider's Gemüseland Gespräche über mögliche Ersatzlösungen bestätigt. Stephan Büttner, Chef des Nahrungsmittel- und Industriegüterkonzerns Agrana, brachte das ehemalige Zuckerfabrik-Areal in Leopoldsdorf als möglichen neuen Standort ins Spiel. Eine Online-Petition zum Erhalt der Produktion von Marchfelder Tiefkühlgemüse verzeichnete am Montag bereits rund 100.000 Unterstützer.

190 Beschäftigte von Schließung betroffen

Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September bekanntgegeben, ihr Werk in Groß-Enzersdorf Ende August 2027 zu schließen. An dem Standort im Bezirk Gänserndorf wird unter anderem für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert. Von der Schließung sind 190 Beschäftigte betroffen, für die ein Sozialplan erarbeitet wird. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Freitag angesetzt, die Gewerkschaft sieht nach dem ersten Angebot Nachbesserungsbedarf. Zusätzlich sind 50 Leiharbeitskräfte betroffen. Ardo hat heuer in Niederösterreich nach eigenen Angaben die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die ETG, die für das Unternehmen produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.

Quelle: APA

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