Ardo-Schließung: Totschnig sieht keine Hoffnung mehr

Nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks im Marchfeld rechnet Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) „in ein paar Wochen“ mit Klarheit über die Zukunft der Gemüseproduktion. Eine Garantie für heimischen Tiefkühlspinat könne er nicht geben.
Die Verhandlungen über einen Sozialplan für die Beschäftigten des belgischen Gemüseverarbeiters Ardo blieben am Freitag ohne Ergebnis. Die Gespräche werden am 30. Oktober fortgesetzt, wie ein Sprecher von Ardo Austria Frost mitteilte. Man begrüße den konstruktiven Dialog mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften sowie die erzielten Fortschritte. Beide Seiten seien entschlossen, den betroffenen Mitarbeitern rasch Klarheit zu verschaffen.
Von der für 2027 geplanten Werksschließung sind 190 Beschäftigte betroffen, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Zusätzlich verlieren 50 Leiharbeitskräfte ihre Stellen.
Minister setzt auf „rot-weiß-roten Schulterschluss“
Dass Ardo seine Entscheidung noch revidiert, hält Norbert Totschnig für ausgeschlossen. „Es ist aussichtslos“, sagte der Minister in „krone.tv“. Auf die Frage, ob Konsumenten 2027 noch Tiefkühlspinat aus Österreich bekommen, antwortete er: „Ich kann gar nichts garantieren.“ Totschnig hofft nun auf einen „rot-weiß-roten Schulterschluss“. Das Werk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich betreibt die einzige Anlage österreichweit für Blattgemüse.
Österreich importiert mehr als die Hälfte des Gemüses
Der „Grüne Bericht 2026“ des Landwirtschaftsministeriums zeigt: Österreich deckt nur 57 Prozent seines Gemüsebedarfs aus eigener Produktion. Bei Obst liegt der Selbstversorgungsgrad sogar nur bei 38 Prozent. Zum Vergleich: Bei Trinkmilch erreicht Österreich 177 Prozent.
Die Erntemenge an Feld- und Gartenbaugemüse betrug 2025 insgesamt 726.800 Tonnen – ein Anstieg um neun Prozent gegenüber 2024. Die Anbaufläche wuchs um drei Prozent.
Importüberhang von 681 Millionen Euro
Laut dem „Grünen Bericht 2026“ ist Österreich traditionell ein Gemüse-Nettoimporteur. 2025 standen Einfuhren von rund 583.400 Tonnen im Wert von 906 Millionen Euro Ausfuhren von 243.400 Tonnen im Wert von 224,65 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Importüberhang von 681,4 Millionen Euro.
Dürrehilfen nicht jedes Jahr möglich
Zu den heurigen Dürrehilfen für Landwirte stellte Totschnig klar, dass es nicht jedes Jahr ein solches Hilfspaket geben könne. Heuer sei ein „Katastrophenjahr“ gewesen, bei dem schnell reagiert werden musste. Nun gehe es unter anderem darum, den Versicherungsgrad unter den Bauern zu erhöhen.
Quelle: APA
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