Ardo-Werk: Landtag debattiert über Werksschließung

Die drohende Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf beschäftigt am Donnerstag den niederösterreichischen Landtag. ÖVP, FPÖ und SPÖ haben gemeinsam eine Aktuelle Stunde beantragt, um den Druck auf den Konzern zu erhöhen.
Die drei Landesregierungsparteien ÖVP, FPÖ und SPÖ haben für die Landtagssitzung am Donnerstag eine Aktuelle Stunde mit dem Titel "NÖ kämpft für Arbeitsplätze, Bauern und heimische Lebensmittelversorgung - Versorgung mit Tiefkühlgemüse sichern" gemeinsam beantragt. Damit soll der Druck auf das Unternehmen verstärkt werden.
ÖVP-Klubobmann Kurt Hackl erklärte, mit der gemeinsamen Initiative wolle man den Druck auf das Unternehmen noch einmal verstärken und einen klaren politischen Schulterschluss zeigen. Ein Konzern wolle sich offenbar im Eiltempo eines Standorts entledigen und nehme dabei in Kauf, dass Arbeitsplätze verloren gehen, bäuerliche Familienbetriebe in ihrer Existenz gefährdet werden und eine gesamte österreichische Produktionskette zerstört wird, so Hackl.
SPÖ-Klubchef Rene Zonschits betonte, hinter der geplanten Werksschließung stünden Menschen und Familien, deren Zukunft auf dem Spiel stehe. Es brauche gemeinsame Anstrengungen, um tragfähige Lösungen für die Beschäftigten und die Landwirte in der Region zu finden.
Grüne fordern raschen Zukunftsplan
Grünen-Klubobfrau und Landessprecherin Helga Krismer forderte einen klaren Zukunftsplan zur Rettung der Gemüseproduktion im Marchfeld. Bis spätestens November müssten Nägel mit Köpfen gemacht und Maschinen am internationalen Markt gesichert werden, damit innerhalb von zwölf bis 15 Monaten ein modernes Werk stehe, erklärte sie anlässlich einer Pressekonferenz. Krismer übte Kritik am schwarz-blauen Krisenmanagement.
Gewerkschaften fordern Gespräche über Standorterhalt
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA forderten Ardo am Dienstag auf, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken und Gespräche über eine mögliche Fortführung des Standorts zu ermöglichen. Es dürfe jetzt nicht darum gehen, eine Entscheidung möglichst rasch durchzuziehen, sondern darum, alle Möglichkeiten zum Erhalt von Arbeitsplätzen auszuloten, teilten die Vorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) mit.
Beim Angebot des Unternehmens für einen Sozialplan wurde deutlicher Verbesserungsbedarf geortet. In Richtung Land Niederösterreich wurde gefordert, eine Arbeitsstiftung auf den Weg zu bringen.
Förderungen für Gemeindekooperationen steigen
Ein weiterer Tagesordnungspunkt am Donnerstag betrifft die Gemeindezusammenarbeit. Von bisher fünf auf künftig 20 Millionen Euro erhöht werden die jährlichen Förderungen für Kooperationen, wie die Landesregierung am Dienstag beschlossen hat. Wie hoch diese Unterstützung ausfällt, richtet sich nach der Art der übertragenen Aufgabe und der Einwohnerzahl der Gemeinde.
Die Zusammenarbeit werde durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen erleichtert, teilte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit. Kritik an der geplanten Novelle, die am Donnerstag beschlossen werden soll, kam von den NEOS. Eine weitere Ebene mit neuen Funktionärsposten und kaum Kontrollmöglichkeiten sei sicher nicht die Lösung, meinte die pinke Landesparteivorsitzende Indra Collini nach einer Pressekonferenz. Sie sprach sich für Fusionen aus, um Kosten zu sparen.
Kooperationen seien ein zentraler Schlüssel für die Zukunft der Gemeinden, von zusätzlichen Ebenen oder neuen Funktionärsposten könne keine Rede sein, reagierte VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner.
Debatte über Notarztstützpunkte
Die Forderung der Sozialdemokraten, die Notarzt-Standorte in Retz (Bezirk Hollabrunn), Waidhofen an der Ybbs und Ybbs-Persenbeug (Bezirk Melk) zu erhalten, wird in der Sitzung im Rahmen eines §34-Antrags von ÖVP und FPÖ mitbehandelt. Damit wolle sich Schwarz-Blau per Geschäftsordnungstrick vor einer klaren Abstimmung drücken, meinte SPÖ-Klubobmann Zonschits.
Die Landesregierung wird nun in dem Antrag aufgefordert, den Gesundheitsplan 2040+ weiterhin konsequent umzusetzen und die Neustrukturierung des Rettungswesens mit Nachdruck voranzutreiben. Kein einziger Notarztstützpunkt dürfe geschlossen werden, solange nicht ein zumindest gleichwertiger Ersatz vorhanden ist, wiederholte Zonschits die Position der Sozialdemokraten.
Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund haben klargestellt, dass die Umstellung bis spätestens 1. April 2027 gelinge, hielt Hackl fest. Der Gesundheitsplan 2040+ habe einen Grundsatz: Bestehende Strukturen werden erst verändert, wenn der Ersatz bereitsteht, betonte er.
Aktuelle Stunde zu Pensionisten-Volksbegehren
Eine zweite Aktuelle Stunde am Donnerstag dreht sich um das Pensionisten-Volksbegehren. Auf Antrag der Freiheitlichen wird über das Thema "Pensionisten schützen - Leistung verdient Respekt, gerechte Pensionen sichern!" diskutiert. FPNÖ-Seniorensprecherin Edith Mühlberghuber sprach sich am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz gegen eine Anhebung des Pensionsantrittsalters aus und pochte auf das Recht auf ein analoges Leben.
In weiteren Anträgen fordern die Sozialdemokraten einen jährlichen Gratis-Öffi-Tag im Bundesland und eine Renaturierungsoffensive für Niederösterreich. Die Grünen verlangten am Dienstag eine rasche Umsetzung von spezialisierten, interdisziplinären Frauengesundheitszentren. Mit dem §34-Antrag von ÖVP und FPÖ zur Stärkung der Frauengesundheit durch Forschung, Prävention und wohnortnahe Versorgung in Niederösterreich werde die Forderung verwässert und die Verantwortung auf den Bund abgewälzt, kritisierte Krismer.
Quelle: APA
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