Arktische Seen: Umweltgifte zeigen unterschiedliche Trends

Ein kanadisch-österreichisches Forschungsteam hat gegenläufige Entwicklungen bei der Schadstoffbelastung in der kanadischen Arktis nachgewiesen. Während Hexachlorbenzol in Fischen deutlich zunahm, sinkt die Belastung mit polychlorierten Biphenylen seit den 1990er-Jahren.
Fast drei Jahrzehnte lang untersucht das Forschungsprojekt High-Arctic die Auswirkungen des Klimawandels auf Seen und Fische in der kanadischen Arktis. Günter Köck von der Universität Innsbruck hat das Projekt initiiert und leitet es gemeinsam mit Derek Muir von der University of Guelph und der University of Toronto. Im Fokus steht die Belastung des Arktischen Saiblings mit Quecksilber und persistenten organischen Schadstoffen (POPs) – langlebige Verbindungen, die sich über die Atmosphäre verbreiten und in der Nahrungskette anreichern.
Hexachlorbenzol nimmt zu
Die Konzentration von Hexachlorbenzol (HCB) in Fischen aus den untersuchten Gewässern ist in den vergangenen Jahrzehnten signifikant gestiegen. Das Umweltgift wurde bis zu seinem weltweiten Verbot 2004 als Fungizid und Pestizid verwendet und erlangte in Österreich durch den HCB-Skandal im Kärntner Görschitztal traurige Bekanntheit. Laut Köck könnte der Anstieg auf die erhöhte Produktion chlorierter Lösungsmittel zurückgehen, bei der HCB als Nebenprodukt anfällt. Auch die klimabedingte Freisetzung aus Böden, Eis und Gletschern spiele vermutlich eine Rolle.
PCB-Werte gehen zurück
Anders entwickelt sich die Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCBs). In vier untersuchten Seen – Amituk Lake, Lake Hazen, Resolute Lake und Char Lake – ist die PCB-Konzentration seit den frühen 1990er-Jahren deutlich gesunken. Muir präsentierte diese Ergebnisse kürzlich beim internationalen Symposium Dioxin 2026 in Italien. Der Rückgang entspreche dem langfristigen Abwärtstrend der PCB-Konzentrationen in der Atmosphäre im nördlichen Arktisraum, so die Forscher.
Allerdings verläuft der Rückgang nicht überall gleich schnell. In abgelegenen Seen wie dem Amituk- und dem Hazen-See sank die Belastung deutlich rascher als in den beiden anderen Gewässern nahe dem Flughafen Resolute Bay und der rund 200 Einwohner zählenden Ortschaft. Historische PCB-Einträge aus dem ehemaligen Militärstützpunkt, dem Flughafen und unzureichender kommunaler Abfallentsorgung könnten dafür verantwortlich sein.
Flammschutzmittel: Erst Anstieg, dann Rückgang
Ein drittes Muster zeigt sich bei polybromierten Diphenylethern (PBDE), die als Flammschutzmittel eingesetzt wurden. Von den frühen 2000er-Jahren bis 2017 stiegen die PBDE-Konzentrationen in praktisch allen untersuchten Seen deutlich an. Seit 2017 gehen sie jedoch in allen Seen merklich zurück. Köck führt dies auf nationale und globale Maßnahmen zurück, etwa das PBDE-Verbot in neuen Produkten in der EU, Japan, den USA und Kanada. Allerdings seien die Umweltgifte weiterhin in Abfällen wie alten Möbeln mit Polyurethanschaumpolsterung und Kunststoffdämmstoffen vorhanden und könnten so in die Umwelt gelangen.
Klimawandel beeinflusst Schadstofftrends
Immer deutlicher werde, „dass der fortschreitende Klimawandel diese Trends beeinflusst und möglicherweise auch zur Remobilisierung von Schadstoffen beiträgt, die bereits in der Umwelt gebunden waren“, betonte Köck gegenüber der APA. Klimatische Faktoren wie jährlicher Niederschlag und mittlere Sommertemperaturen hätten sich als wichtige Einflussfaktoren auf die PCB-Konzentrationen in den arktischen Fischen erwiesen.
Quecksilber: Große Unterschiede zwischen Seen
Bei der Quecksilberbelastung der Arktischen Saiblinge stellte das Forschungsteam erhebliche Unterschiede selbst zwischen benachbarten Seen fest. Wie die Wissenschaftler kürzlich im Fachjournal Environmental Toxicology and Chemistry berichteten, beeinflussen vor allem Seetiefe und Wassertemperatur die Aufnahme und den Transfer von Quecksilber durch das Nahrungsnetz.
Das Schwermetall gelangt über die Atmosphäre aus Industriegebieten in die arktischen Gewässer. Bakterien wandeln es dort in das weitaus giftigere Methylquecksilber um, das sich in der Nahrungskette anreichert und bereits in geringen Mengen für Tier und Mensch schädlich ist. Die Quecksilberkonzentrationen in Fischen sind in tieferen und kälteren Seen höher als in flacheren und wärmeren Gewässern. „Dies deutet darauf hin, dass die Anreicherung von Methylquecksilber möglicherweise abnehmen könnte, wenn sich die Arktis weiter erwärmt“, so Köck, der für das Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW forscht. Die zugrunde liegenden Mechanismen seien allerdings noch nicht vollständig verstanden.
Quelle: https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2026/gegenlaeufige-schadstofftrends-in-arktischen-seen
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