AT&S zählt zu erfolgreichsten Aktien Europas

Pia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Der steirische Halbleiterzulieferer AT&S verzeichnet heuer einen Kursanstieg von 464 Prozent. Damit führt das Unternehmen sowohl den heimischen ATX als auch den europäischen Stoxx Europe 600 an.

Die AT&S gehört heuer zu den erfolgreichsten Aktien an europäischen Börsen. Seit Jahresbeginn legten die Papiere des steirischen Unternehmens um 464 Prozent zu. Im Juni erreichte die Aktie mit 242 Euro ein Rekordhoch, bevor Gewinnmitnahmen den Kurs auf aktuell rund 180 Euro drückten. Im ATX und im Stoxx Europe 600 steht AT&S damit klar an der Spitze.

Am 22. Juni verzeichnete die Aktie im Intraday-Handel ein Plus von 1.495 Prozent innerhalb von zwölf Monaten – eine fast sechszehnfache Wertsteigerung. Eine derartige Entwicklung ist unter größeren Aktien am heimischen Markt beispiellos. Die nächstvergleichbare Rally auf Jahressicht erzielte zwischen 2008 und 2009 die Immofinanz, heute CPI Europe, mit plus 861 Prozent – allerdings nach einem Einbruch von 96 Prozent im Jahr davor.

Auch AT&S kam aus einer rund dreijährigen Baisse mit steigender Verschuldung und zeitweise negativem Cashflow. Die Trendwende begann erst Anfang 2025. Vom Mehrjahrestief unter zehn Euro hat sich der Kurs mittlerweile deutlich entfernt.

Künstliche Intelligenz treibt Nachfrage nach Halbleitern

Der Kursanstieg hängt direkt mit dem Megatrend Künstliche Intelligenz zusammen. Analysten verweisen auf die wachsende Nutzung von „agentischer KI“, die nicht nur Anfragen bearbeitet, sondern eigenständig Ziele plant und umsetzt. Diese besonders rechenintensive Technologie verstärkt die Nachfrage nach Chips für den Ausbau von Rechenzentren.

AT&S produziert Leiterplatten und IC-Substrate, die als Verbindungselemente zwischen integrierten Schaltkreisen und Leiterplatten dienen. Zu den Kunden zählen AMD und Intel, die Rechenzentren großer Tech-Konzerne ausrüsten.

Analyst Daniel Lion von der Erste Group sprach Ende Mai von einem „Lieferantenmarkt“ im Halbleitersegment. Die Nachfrage übersteige das verfügbare Angebot deutlich. Die Angebotsknappheit sorge für hohe Auslastung, steigende Preise und bessere Margen bei Herstellern wie AT&S. Gleichzeitig würden aber Materialkosten steigen, und fehlende Kapazitäten könnten das Wachstum der gesamten KI-Lieferkette begrenzen, warnte Lion.

Milliarden-Investitionen in Malaysia

Mitte Juni kündigte AT&S den Ausbau des Werks im malaysischen Kulim an. Die Investitionen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro werden durch langfristige Kundenzusagen finanziert. Das dürfte Anleger angesichts der weiterhin hohen Verschuldung des Unternehmens beruhigt haben.

Den hohen Verschuldungsgrad nennen Analysten weiterhin einen dämpfenden Faktor für den Aktienkurs, der eine niedrigere Bewertung im Vergleich zu Mitbewerbern rechtfertige. Dennoch bleiben Analysten tendenziell positiv eingestellt. Von sieben aufgelisteten Analysten empfiehlt eine knappe Mehrheit die Aktie zum Kauf, mit Kurszielen von bis zu 600 Euro.

Marktkapitalisierung auf sieben Milliarden Euro gestiegen

Auch nach der Konsolidierung der vergangenen Wochen steht bei AT&S auf Zwölf-Monats-Sicht ein Kurszuwachs von 820 Prozent zu Buche. Der ATX und der Stoxx Europe 600 stiegen im selben Zeitraum um 44 beziehungsweise 17 Prozent. Auch der Philadelphia Semiconductor Index, ein Börsenbarometer für in den USA notierte Chipkonzerne, hinkt mit plus 128 Prozent hinterher.

Die Kursrally hob die Marktkapitalisierung von AT&S auf etwa sieben Milliarden Euro. Damit befindet sich das Unternehmen im Rennen mit Andritz um den neunten Platz der größten an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen. Zwischenzeitlich stieg der Börsenwert auf mehr als neun Milliarden Euro und damit über jenen der voestalpine und der VIG.

Kernaktionäre nahmen Gewinne mit

Der Boom zeigt sich auch in einer deutlich erhöhten Volatilität des Aktienkurses mit mehreren Handelstagen mit Schwankungen im zweistelligen Prozentbereich. Seit Ende Juni leidet der Kurs immer wieder unter Gewinnmitnahmen. Auch die Kernaktionäre machten Kasse.

Pflichtmeldungen zufolge trennten sich die privaten Stiftungen Androsch und Dörflinger vor rund zwei Wochen von gut 270.000 Aktien für je 200 Euro. Damit reduzierten sie ihren Anteil um etwa 1,5 Prozentpunkte auf gemeinsam rund 34 Prozent.

Durch die Finger schaut dagegen die ÖBAG. Im November 2023 stand ein Einstieg der österreichischen Staatsholding im Raum, wobei sie sich im Zuge einer Kapitalerhöhung voraussichtlich 25 Prozent an AT&S gesichert hätte. Zwar wäre dieser Anteil durch die später abgesagte Kapitalerhöhung verwässert worden, rückblickend hätte sich der damalige Zeitpunkt dennoch als günstige Einstiegsgelegenheit erwiesen.

Quelle: APA

Worüber spricht Liezen morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.