ATX schlägt Nasdaq und DAX – Wien ist Börsenstar 2026

Der Wiener Aktienindex ATX verzeichnet heuer ein Plus von 27 Prozent und übertrifft damit die Nasdaq (plus 12 Prozent) und den DAX (plus 4 Prozent) deutlich. Verantwortlich dafür sind vor allem Banken und der Energiesektor.
Der ATX an der Wiener Börse entwickelt sich 2026 außergewöhnlich stark. Seit Jahresbeginn konnte der österreichische Leitindex um 27 Prozent zulegen und übertrifft damit zahlreiche internationale Vergleichsindizes deutlich. Die Nasdaq verzeichnet im selben Zeitraum ein Plus von 12 Prozent, während der DAX lediglich um 4 Prozent gestiegen ist.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt in der Struktur des ATX. Rund 45 Prozent des Index entfallen auf Banken, weitere 13 Prozent auf Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor. Während steigende Zinsen die Gewinne vieler Banken begünstigen, sorgt auch der kräftige Anstieg des Ölpreises um rund 80 Prozent seit Jahresbeginn für Rückenwind.
US-Staatsschulden erreichen Rekordniveau
In den USA wurde im August erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar Staatsschulden überschritten. Die jährlichen Zinskosten belaufen sich inzwischen auf mehr als 1.000 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa 3,2 Milliarden Dollar pro Tag, 132 Millionen Dollar pro Stunde beziehungsweise 2,2 Millionen Dollar pro Minute. Zum Vergleich: 2019 lagen die Zinsausgaben noch bei 375 Milliarden Dollar.
Mittlerweile geben die Vereinigten Staaten mehr Geld für Schuldzinsen aus als für das Militär oder das Gesundheitsprogramm Medicaid. Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in dieser Woche erstmals seit 2007 wieder über die Fünf-Prozent-Marke. Anleger verlangen damit höhere Zinsen, um dem Staat Kapital zur Verfügung zu stellen.
Erste Zinsentscheidung unter Fed-Chef Warsh
Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Der Beschluss fiel einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Es handelt sich um die erste Zinsanpassung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
Bereits 2022 hatte die Notenbank die Zinsen von nahezu null auf eine Bandbreite von 4,25 bis 4,50 Prozent erhöht, um die Inflation einzudämmen.
Aktienbewertungen geraten stärker in den Fokus
Der S&P 500 wird derzeit mit dem rund 19-fachen der erwarteten Jahresgewinne bewertet. Daraus ergibt sich eine Gewinnrendite von etwa 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Der DAX weist aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 16 auf, der ATX liegt bei etwa 13.
Besonders hoch bewertet bleibt der Technologiesektor. Die Technologieunternehmen des S&P 500 lagen Ende August knapp 30 Prozent im Plus und werden durchschnittlich mit dem 38-fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Im weltweiten Aktienindex MSCI World entfallen inzwischen mehr als ein Viertel des Gesamtgewichts auf die zehn größten Unternehmen.
Norwegischer Staatsfonds bleibt vorsichtig
Trotz hervorragender Ergebnisse blickt Nikolai Tangen, Leiter des norwegischen Staatsfonds, mit einer gewissen Zurückhaltung auf die Märkte. Der Fonds verwaltet mittlerweile rund 2,3 Billionen US-Dollar und investiert mehr als 70 Prozent seines Vermögens in über 7.000 Aktien weltweit. Damit hält er etwa 1,5 Prozent des globalen Börsenwerts aller Aktien.
Im ersten Halbjahr erzielte der Staatsfonds einen Rekordgewinn von 184 Milliarden Dollar. Tangen setzt weiterhin verstärkt auf europäische Aktien, schließt jedoch schwierigere Marktphasen in den kommenden Jahren nicht aus. An der grundsätzlich hohen Aktienquote soll dennoch festgehalten werden.
KI-Branche diskutiert über das Entwicklungstempo
Für Diskussionen sorgt derzeit Dario Amodei, Geschäftsführer des KI-Unternehmens Anthropic. In einem viel beachteten Beitrag fordert er, die Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Modelle langsamer voranzutreiben. Unterstützung erhielt er unter anderem von Elon Musk sowie Sam Altman, dem CEO von OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT.
Altman kündigte zudem an, den geplanten Börsengang von OpenAI auf das Jahr 2027 zu verschieben. Nach Veröffentlichung des Aufsatzes verloren große Halbleiterunternehmen gemeinsam rund 600 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Anleiherenditen als zentrales Marktrisiko
Laut der aktuellen Fondsmanagerbefragung der Bank of America gilt inzwischen ein ungeordneter Anstieg der Anleiherenditen als größtes Risiko für die Finanzmärkte. Damit rangiert dieses Szenario noch vor den Sorgen über die hohen Bewertungen vieler Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Quelle: https://www.fh-joanneum.at/news/woechentlicher-boersenbrief-160
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