Auendialogforum: Flüssen mehr Raum gegen Klimawandel

Beim 6. Österreichischen Auendialogforum in Salzburg diskutierten Fachleute über die Wiederherstellung von Flusslandschaften. Umweltminister Norbert Totschnig betonte die Bedeutung intakter Auen als Schutz vor Extremwetter.
Am Mittwoch, den 16. September 2026, fand in Salzburg das 6. Österreichische Auendialogforum statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die praktische Umsetzung der Auenstrategie. Expertinnen und Experten befassten sich mit Wiederherstellungsmaßnahmen für frei fließende Flüsse und stellten erfolgreiche Projekte vor.
Der Naturschutzbund Österreich hatte gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie dem Land Salzburg nach St. Virgil eingeladen. Zahlreiche Fachleute und Entscheidungsträger folgten dem Aufruf zur Veranstaltung unter dem Motto „Von der Strategie zur Umsetzung“.
Minister sieht Auen als Klimaschutz
Umweltminister Norbert Totschnig erklärte, dass mehr Raum für Flüsse das Wasser länger in der Landschaft halte und Regionen widerstandsfähiger gegen Klimawandelfolgen mache. „Das hilft sowohl bei Starkregen als auch in Trockenperioden“, so der Minister. Das Forum bringe Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zusammen und zeige, wie Renaturierung gemeinsam mit Betroffenen umgesetzt werden könne.
Angesichts zunehmender Hitzewellen und Extremwetterereignisse gewinne die Wiederherstellung intakter Flusslandschaften an Bedeutung und werde zu einer zentralen Aufgabe der Daseinsvorsorge, hieß es bei der Veranstaltung.
Wasserspeicher in Trockenzeiten
Intakte Auen sind nicht nur Hotspots der Artenvielfalt, sondern fungieren als unersetzliche Puffer in der Landschaft. Sie halten Wasser effektiv in der Fläche und sichern regionale Ressourcen in Zeiten der Wasserknappheit. Die Umsetzung der österreichischen Auenstrategie sei daher ein unverzichtbarer Teil der Daseinsvorsorge, betonten die Veranstalter.
Johannes Gepp, Naturschutzbund-Präsident in der Steiermark, unterstrich: „Auen dürfen nicht länger nur als Kulisse für den Naturschutz betrachtet werden – sie sind eine Lebensversicherung für uns alle.“ Jeder Hektar revitalisierte Flusslandschaft halte das Wasser dort, wo es in Dürreperioden am dringendsten gebraucht werde.
Wiederherstellungsplan präsentiert
Beim Forum wurde der Entwurf des Wiederherstellungsplans für frei fließende Flüsse und Auen vorgestellt, der im Rahmen der EU-Wiederherstellungsverordnung erarbeitet wurde. Das Ministerium bot Einblicke in geplante Gewässerentwicklungskorridore und Kriterien für erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen.
Clemens Neuhold vom Ministerium erläuterte, dass mit dem Entwurf gemäß Artikel 9 der Wiederherstellungs-Verordnung eine österreichweit akkordierte fachliche Basis geschaffen werde. Ziel sei es, Verwaltung, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, NGOs und Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen.
Salzachauen als Vorzeigebeispiel
Das Land Salzburg stand als Gastgeber besonders im Fokus. Am Vortag führte eine Exkursion nach Weithwörth zu Salzburgs bisher größtem Auen-Renaturierungsprojekt an der Salzach. Beim Dialogforum präsentierte das Land seine umfangreichen Pläne für die Antheringer Au.
Das dortige Großprojekt gilt als Paradebeispiel dafür, wie der Rückbau von harten Uferverbauungen und die Wiederanbindung von Altarmen wertvollen Lebensraum für bedrohte Arten zurückholt. Gleichzeitig verbessere das Projekt gewässerökologische Rahmenbedingungen und den Hochwasserschutz für umliegende Gemeinden nachhaltig.
Projekte aus ganz Österreich
Bei der nachmittäglichen „Österreich-Tour“ wurden neben der Salzach auch erfolgreiche Projekte an Rhein, Thaya, Pielach, Mur und Traun präsentiert. Die komplexen Zusammenhänge zwischen Naturschutz, Nutzung und Hochwasserschutz wurden konstruktiv beleuchtet.
Die Fachexpertinnen und Fachexperten waren sich einig, dass es für die nächsten Schritte alle brauche, die an und mit den Auen arbeiten: Naturschutz, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Forstwirtschaft, Fischerei, Grundbesitzende, Gemeinden, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Quelle: OTS
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