Ausstellung macht Energiearmut im Burgenland sichtbar

Mona HopfingerMona Hopfinger
Energiepreise: Mann mit überfälligen Rechnungen hält sich verzweifelt den Kopf, daneben eine Grafik zu Heizkosten.
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Wanderausstellung an der Hochschule Burgenland zeigt die vielfältigen Ursachen von Energiearmut. Das Forschungsprojekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ rückt damit die soziale Dimension der Energiewende in den Fokus.

Menschen, die ihre Wohnung im Winter nicht ausreichend beheizen können oder bei anderen Ausgaben sparen müssen, um Strom- und Wärmerechnungen zu bezahlen, sind möglicherweise von Energiearmut betroffen. Dieses oft verborgene Problem thematisiert die Wanderausstellung „Energiearmut hat viele Gesichter“, die am 30. September an der Hochschule Burgenland eröffnet wurde.

Das Forschungsprojekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ der Forschung Burgenland nutzt die Ausstellung, um die soziale Dimension der Wärmewende zu beleuchten. Niedrige Einkommen, hohe Energiekosten, mangelhafte Bausubstanz und veraltete Heizsysteme können sich dabei gegenseitig verstärken.

Bekämpfung von Energiearmut als Projektziel

Haushalte mit geringem finanziellem Spielraum würden besonders von niedrigerem Energieverbrauch und reduzierten laufenden Kosten profitieren. Gleichzeitig fehlen oft die Mittel für Heizungstausch oder thermische Sanierung. Im Konzept von „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ ist die Bekämpfung von Energiearmut als eigene Maßnahme verankert.

„Die Wärmewende darf keine Frage des Geldbörsels sein. Unser Ziel ist, Lösungen zu entwickeln, die auch jene Haushalte erreichen, für die der Umstieg auf erneuerbare Wärme eine besondere finanzielle Herausforderung darstellt“, erklärt Marion Schönfeldinger, Projektleiterin bei der Forschung Burgenland.

Der Handlungsbedarf ist erheblich: 2023 wurden in der Modellregion knapp 45 Prozent der Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen betrieben, darunter 6.146 Gas- und 1.379 Ölheizungen.

Komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Energiearmut lässt sich nicht alleinig am Einkommen festmachen. Entscheidend ist die Kombination von Einkommen, Energiekosten, Wohnqualität und Energieeffizienz.

„Energiearmut ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Ursachen zu verstehen. Nur dann können Unterstützungsangebote so gestaltet werden, dass sie bei den betroffenen Menschen tatsächlich ankommen“, betont Caroline Nwafor, Leiterin der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut.

Caritas meldet dramatische Zahlen

Wie konkret das Problem ist, zeigen die Sozialberatungsstellen der Caritas Burgenland: Aktuell können 420 Personen ihre Energiekosten nicht begleichen. Das entspricht 41 Prozent aller Klientinnen und Klienten – und die Heizsaison hat noch nicht begonnen. Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende, Pensionistinnen und Pensionisten sowie Mehrkindfamilien.

„Hohe Energiekosten sind für viele Menschen längst keine vorübergehende Belastung mehr. In der Beratung erleben wir täglich, was Energiearmut konkret bedeutet: Wie warm kann ich meine Wohnung halten? Welche Rechnung bezahle ich zuerst? Besonders alarmierend ist, dass bereits jetzt 41 Prozent unserer Klient:innen ihre Energiekosten nicht begleichen können – noch bevor die Heizsaison begonnen hat“, schildert Petra Frank, Sozialberaterin der Caritas Burgenland.

Ausstellung und Wärmewende-Festival

Die Ausstellung „Energiearmut hat viele Gesichter“ ist noch bis 6. Oktober in der Hochschule Burgenland zu sehen. Das Bio-Landgut Esterházy in Donnerskirchen bildet am 9. und 10. Oktober die Bühne für ihre Präsentation beim 2. Wärmewende-Festival.

Der Freitag richtet sich an Gemeinden, Fachleute und Interessierte. Am Samstag ist die ganze Familie eingeladen: Informationen und Beratung rund um Sanierung, Heizungstausch und die Wärmeversorgung der Zukunft, Führungen in Kooperation mit der Burgenland Energie sowie ein Kinderprogramm machen Wärmewende für Jung und Alt erlebbar.

Quelle: https://forschung.hochschule-burgenland.at/news-presse/artikel/waermewende-projekt-die-soziale-seite-der-energiewende

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