Ausweichen oder Bremsen bei Wildwechsel ?

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wildunfall: Reh kreuzt Fahrbahn, Auto bremst ab, Wald und Brücke im Hintergrund.
© Mit KI (Gemini) generiert

Ein Autofahrer wich Mitte September in Pettenbach einem Wildtier aus, kam von der Straße ab und überschlug sich. Fahrsicherheitsexperten raten deshalb zu Vollbremsung statt Ausweichmanöver, so der ORF.

Der Unfall ereignete sich Mitte September in Pettenbach im Bezirk Kirchdorf. Ausweichmanöver können laut Experten schwere Unfälle verursachen – etwa wenn das Fahrzeug in den Gegenverkehr gerät.

Vollbremsung reduziert Aufprallwucht

Daniel Fessl, Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Marchtrenk im Bezirk Wels-Land, empfiehlt bei Wild auf der Straße möglichst stark zu bremsen und nicht auszuweichen. Jede Geschwindigkeitsreduktion könne die Folgen eines Zusammenstoßes verringern.

Ein Reh mit 20 Kilo entwickle bei einem Aufprall mit 50 km/h eine Wucht von circa 500 Kilo. Bei doppelter Geschwindigkeit sei es das vierfache Gewicht – fast zwei Tonnen, mit denen das Tier auf das Auto pralle, erklärt Fessl.

Bei Reh, Hirsch oder Wildschwein gelte deshalb: bremsen statt ausweichen. Bei kleineren Tieren wie Hasen oder Igeln sei die rechtliche Situation anders. Wer wegen Kleintieren eine Vollbremsung mache und der nachfolgende Verkehr fahre auf, könne unter Umständen eine Teilschuld bekommen – auch wenn der nachfolgende Fahrer den Sicherheitsabstand unterschritten habe.

Vorsicht in der Dämmerung

Gerade in der Dämmerung sei besondere Vorsicht gefragt, so Fessl. Wird Wild am Straßenrand gesichtet, solle man abblenden, die Geschwindigkeit reduzieren und eventuell hupen. Außerdem müsse man immer damit rechnen, dass einem Reh weitere Tiere folgen – ein zweites, drittes oder sogar viertes.

Auf den Straßen Oberösterreichs wurden im Vorjahr mehr als 10.000 Wildtiere getötet, darunter rund 7.300 Rehe sowie etwa 3.000 Hasen, Füchse, Dachse und anderes Kleinwild. Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner geht von einer sehr viel höheren Dunkelziffer aus. Das Innviertel und der Zentralraum seien am meisten betroffen.

Richtiges Verhalten nach Wildunfall

Bei einem Wildunfall sei es wichtig, eine Warnweste anzuziehen, die Unfallstelle abzusichern und die Polizei zu verständigen. Diese informiere die zuständigen Jägerinnen und Jäger.

Elfriede Mayr, Jägerin in Pasching, warnt: Wenn das verunfallte Wild noch nicht tot sei, wehre es sich. Das Tier stehe unter Stress und befinde sich in einem Todeskampf. Dadurch sei auch die Verletzungsgefahr für die Helfer groß. Andererseits müsse man das Wild liegen lassen, denn sonst wäre das Wilddiebstahl.

Wildwarngeräte zeigen Wirkung

In Oberösterreich gibt es zurzeit auf etwa 660 Kilometern Straße akustische Wildwarngeräte. Sie sollen helfen, weniger Unfälle mit Wild zu haben. Die Anschaffung bezahlen zu 85 Prozent das Land Oberösterreich und die Versicherungen, die sich beteiligen. Die restlichen 15 Prozent zahlt die Jägerschaft.

Heuer kommen aktuell 67 Kilometer dazu. Jedes Jahr gebe es auch Sanierungsbedarf, der Aufwand zur Erhaltung sei relativ groß. Die Strecken würden im Jahr zwei bis drei Mal abgegangen, um zu schauen, ob noch alle Wildwarngeräte vorhanden sind. Teilweise müssten sie nachmontiert oder gereinigt werden, damit sie funktionieren, so Mayr.

Auswertungen zeigen den Erfolg der Maßnahmen: Auf Strecken mit Wildwarngeräten seien die Wildunfälle um knapp 80 Prozent zurückgegangen.

Grünbrücken für sichere Querung

Die Jägerin Elfriede Mayr ist hauptberuflich bei der ASFINAG tätig und befasst sich dort unter anderem mit Wildtierschutz. Ein Schwerpunkt sind Grünbrücken: begrünte Autobahnübergänge, über die Wildtiere sicher die Seite wechseln können und die ihre natürlichen Wanderrouten bewahren.

Heute seien Grünbrücken beim Bau von Autobahnen bereits in den Planungen vorgesehen. Zusätzlich würden etwa zehn bis zwölf weitere Grünbrücken nachgerüstet – wie derzeit etwa auf der Innkreisautobahn, erklärt Mayr.

Quelle: https://ooe.orf.at/stories/3372653/

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