Babler gibt Parteivorsitz und Vizekanzleramt ab

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Andreas Babler bleibt bis Jahresende SPÖ-Chef und Vizekanzler, danach übernehmen Klubobmann Philip Kucher und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner die Parteiführung. Das Regierungsamt geht an Finanzminister Markus Marterbauer.

Nach monatelangem Druck aus den Bundesländern hat Andreas Babler seinen schrittweisen Rückzug angekündigt. Der SPÖ-Vorsitzende wird bis zum 31. Dezember 2026 im Amt bleiben, sowohl als Parteichef als auch als Vizekanzler. Mit dem Jahreswechsel übergibt er die Regierungsverantwortung an Finanzminister Markus Marterbauer. Die Parteiführung teilt er sich ab sofort mit Klubchef Philip Kucher und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner, die beiden werden die Funktion dann übernehmen. Ein Parteitag im Frühjahr 2027 soll die endgültige Nachfolge klären.

Die Entscheidung fiel am 4. Oktober nach einer vierstündigen Aussprache mit den Landesparteichefs in Wien. Zuvor hatten sich die Ländervertreter zunächst ohne Babler getroffen, um ihre Position abzustimmen. Vor allem Kärnten und die Steiermark hatten auf eine rasche Entscheidung gedrängt.

Vom Hoffnungsträger zum Getriebenen

Bablers politischer Aufstieg begann im Jänner 2023, als er bei der niederösterreichischen Landtagswahl als Bürgermeister von Traiskirchen mehr als 21.000 Vorzugsstimmen holte. Im März desselben Jahres bewarb er sich um den SPÖ-Bundesvorsitz – als einer von 73 Kandidaten. Mit über 2.000 Unterstützungserklärungen lag er deutlich vor den anderen Bewerbern.

Bei der Mitgliederbefragung im Mai 2023 landete er mit 31,5 Prozent knapp hinter Hans Peter Doskozil (33,7 Prozent). Der Parteitag in Linz am 3. Juni 2023 wurde zum Chaos: Zunächst wurde Doskozil zum Sieger erklärt, nach einem Auszählungsfehler stellte sich heraus, dass Babler mit 52,7 Prozent gewonnen hatte. Der Burgenländer akzeptierte die Niederlage.

Enttäuschende Wahlergebnisse

Die erhoffte Trendwende blieb aus. Bei der EU-Wahl im Juni 2024 verlor die SPÖ 0,7 Prozentpunkte und kam auf 23,2 Prozent. Babler sprach von einer „Stabilisierung“. Die Nationalratswahl am 29. September 2024 brachte mit 21,1 Prozent das gleiche Ergebnis wie 2019 – deutlich hinter FPÖ und ÖVP.

Trotzdem wurde Babler im März 2025 als Vizekanzler in der Dreierkoalition mit ÖVP und Neos angelobt. Er verantwortete die Bereiche Wohnbau, Medien, Kultur und Sport. Beim Bundesparteitag am 7. März 2026 stimmten nur noch 81,51 Prozent der Delegierten für ihn – trotz Appellen zur Geschlossenheit.

Zeiler-Kandidatur als Wendepunkt

Im Sommer verschärfte sich die Kritik. Doskozil forderte angesichts schlechter Umfragewerte Konsequenzen, auch aus anderen Bundesländern kamen kritische Stimmen. Am 25. September 2026 gab der 71-jährige Medienmanager und frühere SPÖ-Pressesprecher Gerhard Zeiler über die „Kronen Zeitung“ seine Ambitionen auf den Parteivorsitz bekannt. Die Partei reagierte mit Schockstarre, Unterstützung kam nur von wenigen pensionierten Funktionären.

Am 30. September lud Babler die Landesparteichefs für den 4. Oktober nach Wien. Auch Doskozil, der Zeiler als „nächsten linken Kandidaten“ kritisiert hatte, kündigte sein Kommen an. Am 3. Oktober traf sich der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig mit den Bezirksparteiobleuten und berichtete von einer „einheitlichen Position“ der Wiener SPÖ.

Die Aussprache am Sonntag besiegelte schließlich Bablers schrittweisen Rückzug. Ob Zeiler beim Parteitag im Frühjahr antreten wird, ist offen.

Quelle: APA

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