Bahnfahrer kritisieren Zugausfälle und Unpünktlichkeit

Österreichs Bahnkunden fordern deutliche Verbesserungen. Laut VCÖ-Bahntest mit über 11.000 Befragten sehen vier von zehn Fahrgästen eine Verschlechterung beim Preis-Leistungsverhältnis. Hauptkritikpunkte sind Zugausfälle, Verspätungen und mangelnde Abstimmung zwischen Bus und Bahn.
Die Mobilitätsorganisation VCÖ hat am Donnerstag die Ergebnisse ihres aktuellen Bahntests veröffentlicht. Dafür wurden 11.257 Fahrgäste in den Zügen von neun Bahnunternehmen befragt. Das Fazit: Die Reisenden wünschen sich deutliche Verbesserungen beim Bahnfahren in Österreich.
41 Prozent der Befragten geben an, dass sich das Preis-Leistungsverhältnis in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert hat. Für 59 Prozent hat es sich verbessert. Die häufigsten Kritikpunkte betreffen Zugausfälle, Störungen, Unpünktlichkeit sowie die mangelnde Abstimmung von Bus und Bahn.
Mehr Ausfälle und Verspätungen erlebt
„Die Fahrgäste zeigen beim VCÖ-Bahntest sehr deutlich auf, in welchen Bereichen Verbesserungen besonders dringend und wichtig sind. Heuer sehen viele Fahrgäste auch bei den Kernaufgaben großen Handlungsbedarf“, erklärte VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
45 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mehr Zugausfälle und Störungen erlebt zu haben als zuvor. Für 55 Prozent hat sich die Situation verbessert. 38 Prozent bemängelten Verschlechterungen bei der Abstimmung von Bus und Bahn, 32 Prozent erlebten mehr Verspätungen.
Mit der Pünktlichkeit beim Bahnfahren sind 35 Prozent der Fahrgäste nicht zufrieden, bei Pendlerinnen und Pendlern sind es sogar 38 Prozent. Mehr Pünktlichkeit ist ein häufig geäußerter Wunsch im VCÖ-Bahntest.
Niederösterreich am unzufriedensten, Salzburg am zufriedensten
Im Bundesländer-Vergleich zeigen sich regionale Unterschiede: Niederösterreichs Fahrgäste sind mit der Pünktlichkeit sowie hinsichtlich Zugausfällen und Störungen am wenigsten zufrieden. Salzburgs Fahrgäste sind sowohl mit der Pünktlichkeit als auch mit dem reibungslosen Ablauf von Bahnfahrten am zufriedensten.
Die größte Unzufriedenheit zeigt sich bei den 15- bis 24-Jährigen, während die über 75-Jährigen am zufriedensten sind.
Anschlüsse werden häufig versäumt
Großen Verbesserungsbedarf gibt es bei den Anschlussverbindungen. Verpasste Anschlüsse sind kein Einzelfall: Jeder zweite Fahrgast ist davon mehrmals jährlich betroffen, bei der Hälfte passiert es sogar mehrmals im Monat oder öfter.
„Gerade für eine kürzere Gesamtreisezeit sind optimale Anschlussverbindungen zentral. Deshalb ist es wichtig, dass Bahn und Bus optimal aufeinander abgestimmt sind. Auch häufigere Regionalverbindungen verringern das Problem versäumter Anschlüsse, weil damit die Wartezeiten verkürzt werden“, betonte Michael Schwendinger.
Zugpersonal erhält Bestnoten
Positiv bewerten die Fahrgäste das Zugpersonal: 95 Prozent erleben es als freundlich und hilfsbereit. Mehr als drei Viertel der Fahrgäste finden, dass in den vergangenen zwölf Monaten mehr Zugpersonal präsent war als zuvor.
Mehr Direktverbindungen nach Europa gewünscht
Mehr Verbindungen, einfacheres Buchen: Jeder fünfte Fahrgast fordert ein dichteres Angebot im Nah- und Regionalverkehr, 30 Prozent mehr Direktverbindungen in Europas Metropolen. 37 Prozent wünschen sich eine bessere Suche und Buchung internationaler Bahnreisen.
Gleichzeitig boomt die Bahnurlaubsreise: 36 Prozent nutzten heuer den Tagzug für die Urlaubsfahrt, 13 Prozent den Nachtzug, weitere 21 Prozent planten dies. Die Zufriedenheit fiel mit 89 Prozent sehr hoch aus.
Bahnfahren liegt weiter im Trend
Trotz Kritik ist Bahnfahren in Österreich weiter beliebt. Laut Schienen Control wurden im Vorjahr 15,1 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt – um 100 Millionen mehr als im Jahr davor. Beim VCÖ-Bahntest gaben 29 Prozent an, häufiger mit dem Zug unterwegs gewesen zu sein als zuvor, 64 Prozent gleich oft und nur sieben Prozent seltener. Besonders stark zulegen konnten die Koralmbahn-Bundesländer: 37 Prozent der Kärntner und 32 Prozent der Steirer fuhren heuer häufiger mit der Bahn.
Quelle: APA
Worüber spricht Kärnten morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.