Bauchfett erhöht Risiko für Herzschwäche stärker als BMI

Pia ProdingerPia Prodinger
Bauchfett: Mann greift sich in die Seite, tätowierter Arm, Ring am Finger
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Ein Grazer Kardiologe hat herausgefunden, dass das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße ein besserer Indikator für Herzinsuffizienz-Risiko ist als der Body-Mass-Index. Die Studie zeigt: 96 Prozent der untersuchten Patienten hatten deutliche Fettansammlungen am Bauch.

Alexander Peikert von der Med Uni Graz hat in einer aktuellen Untersuchung nachgewiesen, dass die sogenannte Waist-to-Height Ratio (WHtR) – das Verhältnis von Taillenumfang zur Körpergröße – für die Risikobeurteilung bei Herzinsuffizienz besser geeignet ist als der bisher übliche Body-Mass-Index (BMI). Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „European Heart Journal“ publiziert.

BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskelmasse

Der Body-Mass-Index basiert auf dem Verhältnis von Körpergröße und Körpergewicht. Er kann jedoch nicht zwischen Muskel-, Fett- und Knochenmasse unterscheiden und liefert keine Informationen über die Verteilung des Körperfetts. Gerade Bauchfett bringt jedoch gesundheitliche Risiken mit sich und scheint kardiovaskuläre Erkrankungen zu begünstigen.

„Eine moderne und einfach zu bestimmende Alternative ist die Waist-to-Height Ratio. Sie setzt den Taillenumfang ins Verhältnis zur Körpergröße und gibt damit einen Hinweis darauf, wie stark sich Fett im Bauchbereich konzentriert“, erklärte der Internist an der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Med Uni Graz. Ziel seiner Studie war es, den Zusammenhang zwischen BMI, WHtR und dem weiteren Krankheitsverlauf – insbesondere herzinsuffizienzbedingten Krankenhausaufenthalten – zu untersuchen.

Auszeichnung für kardiologische Forschung

Für seine Forschungsarbeit wurde Peikert kürzlich mit dem renommierten Desmond Julian Award ausgezeichnet, einer der höchsten internationalen Auszeichnungen für kardiologische Forschungsarbeiten, wie die Med Uni am Donnerstag mitteilte.

96 Prozent mit zentraler Adipositas

In seiner Studie analysierte Peikert die Daten der bisher größten weltweit angelegten Untersuchung zur Behandlung von Herzinsuffizienz, der PARAGON-HF-Studie. Nach dem BMI waren 49 Prozent der 4.796 Patienten adipös. Die WHtR zeigte jedoch ein völlig anderes Bild: Ganze 96 Prozent hatten eine deutliche Fettansammlung am Bauch – eine sogenannte zentrale Adipositas.

Besonders bemerkenswert war laut Peikert, dass Patientinnen und Patienten, die laut BMI nicht als adipös eingestuft galten, zu 37 Prozent deutlich ausgeprägtes Bauchfett hatten und somit ein erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz aufwiesen. „Die WHtR zeigte einen stärkeren Zusammenhang mit dem Risiko für Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzschwäche als der BMI“, fasste Peikert zusammen.

Adipositas-Paradoxon tritt nicht auf

Außerdem habe sich bei der WHtR nicht das sogenannte Adipositas-Paradoxon gezeigt, das bei der Verwendung des BMI beobachtet werden kann. Dieses Paradoxon kann bei der Verwendung des BMI den Eindruck erwecken, dass Übergewicht in manchen Fällen sogar einen Vorteil für die Überlebenschancen bietet.

Die Ergebnisse der Studie stellen laut Peikert die bisherige starke Fokussierung auf den BMI infrage: „Bei der Beurteilung von Adipositas und des Herz-Kreislauf-Risikos bei HFpEF-Patientinnen und -Patienten sollte demnach nicht mehr ausschließlich darauf geschaut werden, wie viel jemand wiegt, sondern auch darauf, wo sich das Fett im Körper befindet. Die WHtR könnte hierfür ein einfaches und aussagekräftigeres Maß sein“, schloss Peikert.

Zentrale Adipositas als grundlegendes Merkmal

Darüber hinaus zeigte die Analyse, dass zentrale Adipositas bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) flächendeckend vorkommt. Dies stelle die bisherige Annahme infrage, dass Bauchfett nur für eine bestimmte Untergruppe von Bedeutung ist. Vielmehr könnte zentrale Adipositas ein grundlegendes Merkmal dieser Form der Herzschwäche sein.

Die Studie ist unter dem Titel „Near-universal prevalence of central adiposity in heart failure with preserved ejection fraction: the PARAGON-HF trial“ im European Heart Journal veröffentlicht.

Quelle: APA

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