Bauwirtschaft in NÖ: Stimmung hellt sich auf

Die Stimmung in der niederösterreichischen Bauwirtschaft hat sich im dritten Quartal 2026 verbessert. Dennoch bleiben die Rahmenbedingungen schwierig: Steigende Kosten und rückläufige Auftragseingänge belasten die Branche weiterhin.
Das Bauwirtschaftsradar für das dritte Quartal 2026 zeigt eine leichte Erholung der Stimmungslage in der Branche. Laut Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), sei der gestiegene Optimismus zwar ein positives Signal, dürfe aber nicht über die anhaltend schwierige Realität hinwegtäuschen. Notwendig seien jetzt Entlastungen, Investitionsanreize und verlässliche Rahmenbedingungen.
Das vom Economica Institut im Auftrag der WKNÖ erstellte Radar weist für den Sommer 2026 ein gemischtes Bild aus. Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft hat sich seit Juni um 6,1 Punkte verbessert. Auch die Bauwirtschaft blickt etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Mit einem Wert von -13,3 erreicht die Stimmung im Bau den besten Stand seit Herbst 2024. Alle drei Baubranchen entwickelten sich im Sommer gegenüber dem Frühjahr positiver.
Kostendruck nimmt zu
Gleichzeitig bleibt das makroökonomische Umfeld fragil. Besonders von der Kostenseite kommt neuer Druck auf die Unternehmen. Der Baupreisindex für Hoch- und Tiefbau stieg im Jahresabstand um 4,9 Prozent, im Tiefbau allein sogar um 7,0 Prozent. Insgesamt haben sich die Baukosten seit Jahresbeginn um 4,4 Prozent erhöht.
Ecker betont, dass die Betriebe steigende Kosten nicht beliebig auffangen könnten. Wenn Material, Energie, Finanzierung und Personal gleichzeitig teurer würden, werde es für Unternehmen und Auftraggeber zunehmend schwieriger, Projekte wirtschaftlich umzusetzen. Umso wichtiger seien Maßnahmen, die den Standort insgesamt entlasten.
Baubewilligungen weiterhin niedrig
Bei den Baubewilligungen für Wohnungen in neuen Gebäuden ist keine nachhaltige Trendwende erkennbar. Österreichweit sank die Zahl im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 8,6 Prozent. In Niederösterreich fiel der Rückgang mit 4,7 Prozent zwar geringer aus, allerdings lag das Niveau bereits im Vorjahr äußerst niedrig. Gleichzeitig stagniert die neu geschaffene Wohnnutzfläche seit rund zwei Jahren – die Wohnungen werden größer.
Demgegenüber entwickeln sich An-, Auf- und Umbauten etwas positiver. Österreichweit stieg die Zahl der Bewilligungen im ersten Quartal von 3.121 auf 3.242, in Niederösterreich sogar von 445 auf 546.
Günther Lehner, Landesinnungsmeister Bau NÖ, erklärt, dass man beim Neubau noch lange nicht dort sei, wo man sein müsste. Dass sich An-, Auf- und Umbauten etwas besser entwickelten, zeige aber auch, dass Investitionen grundsätzlich vorhanden seien, wenn die Rahmenbedingungen passten. Notwendig seien weiterhin Impulse für den Wohnbau und gleichzeitig weniger bürokratische Hürden, damit Projekte schneller realisiert werden könnten.
Auftragseingänge schwächen sich ab
Beim Bau-Auftragseingangsindex zeigt sich im Juli eine deutliche Abschwächung. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag der Index um 10,6 Prozent niedriger. Die Aufträge aus dem Inland gingen um 9,1 Prozent zurück, jene aus dem Ausland sogar um 29,2 Prozent. Innerhalb der Auslandsnachfrage steht einem Minus von 36,5 Prozent aus der Eurozone ein Plus von 144,1 Prozent aus der Nicht-Eurozone gegenüber.
Auch auf Quartalssicht bleibt die Entwicklung negativ: Insgesamt gingen die Auftragseingänge um 2,3 Prozent zurück. Hoch- und Tiefbau waren mit -2,6 bzw. -6,3 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Lediglich die vorbereitenden Baustellenarbeiten verzeichneten mit +0,4 Prozent eine leichte Steigerung.
Ecker erklärt abschließend, dass die Auftragssituation zeige, wie fragil die Erholung weiterhin sei. Man dürfe sich nicht darauf verlassen, dass einzelne Märkte oder kurzfristige Ausschläge die Baukonjunktur tragen. Es brauche jetzt zusätzliche Impulse für Investitionen im Inland.
Das Online-Dashboard zum Bauwirtschaftsradar ist unter dashboard.economica.eu/bauwirtschaftsradar verfügbar.
Quelle: OTS
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