Behindertenanwaltschaft verzeichnet 25 Prozent mehr Beratungen

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Büro der Behindertenanwältin Christine Steger hat 2025 so viele Beratungen durchgeführt wie nie zuvor. Die Zahl der rechtlichen Beratungen stieg um ein Viertel, bei den Schlichtungsverfahren gab es mehr als eine Verdoppelung.

Die Behindertenanwaltschaft hat im vergangenen Jahr 1.946 Anfragen beantwortet. In 1.201 Fällen erfolgte eine vertiefte rechtliche Beratung, das entspricht einem Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 965 Fälle). Dies geht aus dem am Donnerstag präsentierten Tätigkeitsbericht 2025 hervor.

Noch deutlicher fiel der Zuwachs bei den begleiteten Schlichtungsverfahren aus: Mit 119 Verfahren wurde ein Höchststand erreicht, das bedeutet ein Plus von 120 Prozent im Vergleich zu 2024 (53 Verfahren). Im Zwei-Jahres-Vergleich zu 2023 zeigt sich bei den Rechtsberatungen ein Anstieg um 53 Prozent, bei den Schlichtungen um 325 Prozent.

Wachsendes Bewusstsein für Diskriminierungsschutz

Die steigenden Zahlen würden ein wachsendes Bewusstsein für den Diskriminierungsschutz widerspiegeln, hieß es in einer Aussendung. Menschen mit Behinderungen würden ihre Rechte zunehmend aktiv wahrnehmen. Gleichzeitig zeigten die Zahlen aber auch, dass Diskriminierungen und strukturelle Benachteiligungen weiterhin zum Alltag vieler Menschen gehören.

Die Anliegen reichen laut Bericht von fehlender Barrierefreiheit über Benachteiligungen im Arbeitsleben bis zu Problemen beim Zugang zu Bildung, Mobilität oder Dienstleistungen. Viele Diskriminierungen seien nicht auf fehlenden guten Willen einzelner Personen zurückzuführen, sondern auf strukturelle Defizite, unklare Zuständigkeiten oder mangelnde Umsetzung gesetzlicher Verpflichtungen.

„Es freut mich, dass immer mehr Menschen den Weg zu meinem Büro finden. Gleichzeitig ist jede einzelne Beratung auch ein Hinweis darauf, dass gleichberechtigte Teilhabe noch längst keine Selbstverständlichkeit ist“, so Steger. Ziel sei es, nicht nur im Einzelfall zu unterstützen, sondern aus den Erfahrungen nachhaltige Verbesserungen für alle Menschen mit Behinderungen abzuleiten.

Regionalbüros in drei Bundesländern eröffnet

Ein Schwerpunkt des Jahres 2025 war der Ausbau des Büros. Mit der Eröffnung von Regionalbüros in Graz, Salzburg und Wien wurde die Beratung näher zu den Menschen gebracht. Für viele Menschen mit Behinderungen bedeute ein wohnortnahes Beratungsangebot einen entscheidenden Unterschied, da lange Anfahrtswege oder fehlende Barrierefreiheit häufig zusätzliche Hürden darstellen.

Darüber hinaus fanden erstmals in allen Bundesländern regelmäßige Vernetzungstreffen mit Organisationen von und für Menschen mit Behinderungen, Selbstvertretungsorganisationen, Verwaltung und Politik statt.

Grüne sehen Alarmsignal und Arbeitsauftrag

Für die Grünen sind die Rekordzahlen Anerkennung und Alarmsignal zugleich. „Christine Steger und ihr Team leisten enorm wichtige Arbeit. Dass immer mehr Menschen dieses Angebot kennen und ihre Rechte aktiv einfordern, ist positiv“, sagte Behindertensprecher Ralph Schallmeiner in einer Aussendung.

Die Behindertenanwaltschaft dürfe aber nicht zum Reparaturbetrieb für politische Versäumnisse werden, betonte er. Hinter jedem einzelnen Fall stehe ein Mensch, der um Rechte kämpfen müsse, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Die Bundesregierung solle den Tätigkeitsbericht als konkreten Arbeitsauftrag verstehen. Noch immer könnten Betroffene bei vielen Diskriminierungen zwar Schadenersatz fordern, nicht aber die Beseitigung der Barriere einklagen.

Quelle: APA

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