Betonbranche fordert Bauteilaktivierung als Standard

Nach den Hitzerekorden Anfang August drängt die österreichische Zement- und Betonindustrie auf den flächendeckenden Einsatz thermischer Bauteilaktivierung. Die Technologie soll in allen Neubauten zum Standard werden.
Die österreichische Betonbranche will die thermische Bauteilaktivierung als verpflichtenden Standard in jedem Neubau etablieren. Das fordern die heimischen Zement- und Betonhersteller nach den jüngsten Temperaturrekorden im August. Am 5. August registrierte GeoSphere Austria in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad – der höchste jemals in Österreich gemessene Wert. Nur einen Tag zuvor war in Wien mit 41,0 Grad bereits der bisherige Allzeitrekord aus dem Jahr 2013 übertroffen worden.
„Nur der Baustoff Beton eignet sich mit seiner Speichermasse, Gebäude ganzjährig angenehm zu temperieren“, erklärt Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich und Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke. Die thermische Bauteilaktivierung solle künftig nicht nur bei Wohnbauten, sondern auch bei Schulen, Kindergärten sowie Senioren- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen.
Raumwärme verbraucht 27 Prozent der Endenergie
Der Gebäudesektor steht vor der Herausforderung, Räume auch bei Extremtemperaturen kühl zu halten, ohne den Stromverbrauch für Klimaanlagen massiv zu steigern. Laut Oesterreichs Energie entfallen rund 27 Prozent des gesamten österreichischen Endenergieverbrauchs auf den Raumwärmesektor. In den Sommermonaten wächst der zusätzliche Kühlbedarf rasant.
Bei der thermischen Bauteilaktivierung werden Rohrleitungen in Betondecken oder -böden eingebaut, durch die temperiertes Wasser fließt. Die hohe Speichermasse des Betons nimmt Wärme oder Kälte auf und gibt sie zeitversetzt sowie gleichmäßig an den Raum ab. In Verbindung mit erneuerbaren Energiequellen wie Erdwärme, Wind oder Sonne kann damit im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werden – ohne Lärm, Zugluft und klassische Klimaanlagen.
Beton Dialog Österreich appelliert an Bauträger, Gemeinden und Planende, die Technologie bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen, um spätere kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden. Salzburg gilt als erstes Bundesland, das die thermische Bauteilaktivierung im mehrgeschossigen Bau gezielt in den Förderkriterien berücksichtigt. Auch in anderen Bundesländern sind hohe Standards beim ökologischen Heizen und Kühlen von Gebäuden in der Wohnbauförderung anrechenbar.
Beispiele aus Wien und Salzburg
Das Plusenergiequartier Campo Breitenlee in Wien nutzt die thermische Speichermasse von Beton in Kombination mit wetterprognosebasierter Steuerung. Das Quartier wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben und wurde 2025 mit dem Österreichischen Betonpreis in der Kategorie Wohnbau ausgezeichnet.
Das Wohnquartier Wientalterrassen in Wien umfasst rund 30.000 Quadratmeter und 295 Wohneinheiten. Beheizt wird über aktivierte Betondecken, die im Sommer auch zur Kühlung beitragen. Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt fossilfrei über Erdsonden, Gehwegkollektoren und Abwasserwärmerückgewinnung in Kombination mit Photovoltaik. Das Projekt war 2023 Siegerprojekt des ersten Österreichischen Betonpreises.
Das Haus für Senioren Henndorf in Salzburg kombiniert die Bauteilaktivierung mit Geothermie sowie einer PV-Anlage zur eigenen Stromerzeugung. Beim Studentenwohnheim Neu Marx in Wien sorgen Grundwassernutzung, Wärmepumpen und eine dachflächendeckende Photovoltaikanlage gemeinsam mit der Bauteilaktivierung für ein fossilfreies Heiz- und Kühlkonzept.
Der Bildungscampus Liselotte Hansen-Schmidt in der Seestadt Aspern nutzt die thermische Bauteilaktivierung der Zwischendecken in Kombination mit über 70 Erdwärmesonden, um das Gebäude das ganze Jahr über rein mit erneuerbarer Energie hocheffizient, CO₂-frei und kostengünstig zu heizen sowie zu kühlen.
Quelle: OTS
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