Biber und Nutria: Experten diskutieren Umgang mit Nagetieren
PANNATURA hat im Juli auf dem Bio-Landgut Esterhazy eine Veranstaltung zum Thema Biber und Nutria in der Kulturlandschaft organisiert. Fachleute aus Naturschutz, Jagd und Landnutzung erörterten die unterschiedlichen Auswirkungen beider Arten auf Ökosysteme und Wirtschaft.
David Simon, zuständig für Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei PANNATURA, unterstrich die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung: Die beiden Nagetierarten würden die Landschaft sichtbar prägen, allerdings mit unterschiedlichen Folgen für natürliche Lebensräume und wirtschaftlich genutzte Flächen. Für zukunftsfähige Lösungen sei der offene Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Naturschutz erforderlich.
Biber als geschützter Ökosystem-Gestalter
Die Biologin Brigitte Komposch beleuchtete in ihrem Vortrag die ökologische Bedeutung des Bibers. Als größtes Nagetier Europas ist er durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU streng geschützt. Der Biber formt aktiv seinen Lebensraum, indem er Bäume fällt und Dämme baut. Dadurch entstehen neue Feuchtlebensräume, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.
Gleichzeitig führt diese Aktivität immer wieder zu Konflikten mit menschlichen Nutzungsinteressen. Überflutungen von landwirtschaftlichen Flächen, Schäden an Infrastruktur oder Probleme beim Hochwasserschutz sind die Folge. Die Herausforderung bestehe darin, die positiven Effekte für die Biodiversität mit den Interessen von Grundeigentümern und Bewirtschaftern in Einklang zu bringen, so Komposch.
Nutria: Invasive Art ohne ökologischen Nutzen
Marcus Henke, Präsident der Landesjägerschaft Bremen, widmete sich der südamerikanischen Nutria, die auch in Österreich immer häufiger vorkommt. Er berichtete von den Erfahrungen aus Deutschland, wo es versäumt wurde, die Ausbreitung rechtzeitig einzudämmen. Das habe zu weitreichenden Schäden geführt und zum Verschwinden geschützter Pflanzen- und Tierarten beigetragen.
Die Nutria sei eine anpassungsfähige, invasive Art mit hohem Ausbreitungspotenzial. Im Burgenland bestehe noch die Chance, durch koordiniertes Handeln und gemeinsames Verständnis von Grundeigentümern, Naturschutz, Jagd und Politik eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland abzuwenden, erklärte Henke.
Mit steigenden Temperaturen wird erwartet, dass sich die Nutria künftig noch weiter ausbreitet. Durch ihre Grabtätigkeit schädigt sie Ufer, Dämme und Böschungen, durch den Fraß von Wasser- und Uferpflanzen verändert sie sensible Lebensräume und verursacht häufig Schäden an Kulturen und Infrastruktur. Im Unterschied zum Biber bringe sie keine ökologischen Vorteile für heimische Lebensgemeinschaften. Als potenzieller Krankheitsüberträger und aufgrund ihres teils aggressiven Verhaltens gegenüber Menschen und vor allem Hunden sei die Nutria zusätzlich problematisch.
Podiumsdiskussion: Unterschiedliche Managementansätze nötig
In der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Larissa Robitschko diskutierten Brigitte Komposch, Marcus Henke, Tanja Spreitzer-Polleres vom Bibermanagement Burgenland und David Simon über die Möglichkeiten im Umgang mit beiden Tierarten.
Tanja Spreitzer-Polleres berichtete, dass viele Konflikte mit dem Biber durch frühzeitige Beratung und gezielte Maßnahmen entschärft werden könnten. Deshalb seien Information und Prävention zentrale Bestandteile des Bibermanagements.
Der Austausch verdeutlichte, dass sowohl beim Biber als auch bei der Nutria differenzierte und praxisorientierte Managementansätze notwendig sind. Während beim Biber aufgrund seines Schutzstatus die Suche nach tragfähigen Lösungen im Vordergrund steht, liegt der Fokus bei der Nutria auf Eindämmung und Kontrolle der Bestände.
Ein regelmäßiges Monitoring wurde als wesentliche Grundlage für fundierte Entscheidungen hervorgehoben. Darüber hinaus wurde die Bedeutung einer gezielten jagdlichen Bewirtschaftung der Nutria betont, um eine unkontrollierte Ausbreitung einzudämmen und Schäden zu minimieren. Gleichzeitig brauche es klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Entnahme, die Verwertung von gesundem Wildbret und für Entschädigungen der Jägerschaft, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Bewirtschaftung zu ermöglichen.
David Simon hob abschließend hervor: Die Herausforderungen rund um Biber und Nutria zeigten, wie wichtig ein ausgewogenes Zusammenspiel von Biodiversitätsschutz und aktiver Bewirtschaftung sei. Nur durch faktenbasierte Entscheidungen und umsichtige Zusammenarbeit könnten langfristig tragfähige Lösungen entstehen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Biodiversitätsschutz zunehmend bedeutet, unterschiedliche Interessen und Rahmenbedingungen miteinander in Einklang zu bringen. PANNATURA setzt mit diesem Event im Zeichen der Biodiversität bewusst auf fachlichen Austausch und praxisnahe Diskussionen, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen.
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