Bildungszentrum in Mödling bietet Geflüchteten Perspektiven

Mona HopfingerMona Hopfinger
Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer mit Tafel und Schreibtischen.
© Fabian Lutz

Das BACH Bildungszentrum in Mödling ermöglicht Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie kostenlosen Unterricht. Von Alphabetisierung bis Pflichtschulabschluss wird alles unter einem Dach angeboten – in familiärer Atmosphäre.

Im Juni 2026 herrscht Rekordhitze in Mödling. Während die Straßen der niederösterreichischen Kleinstadt menschenleer in der Sonne glühen, schallt aus einem Zimmer des BACH Bildungszentrums lautes Lachen. Ein Jugendlicher steht an der Tafel und löst eine Rechenaufgabe: 27,8 x 76,7. Der ganze Kurs fiebert mit. Als das Ergebnis stimmt, bricht Jubel aus.

Jerome Goger unterrichtet Basisbildung bei BACH, einem kostenlosen Bildungsangebot für Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie. „Bei allen Teilnehmenden im Kurs sehe ich eine große Motivation, weiterzukommen“, erzählt der Lehrer. Das Zentrum bietet Alphabetisierungskurse, Basisbildung, Pflichtschulabschlüsse und Bildungsberatung – alles unter einem Dach.

Beziehungsarbeit als Schlüssel zum Lernerfolg

Die Atmosphäre in Gogers Kurs ist familiär. Die jungen Erwachsenen folgen seinen Erklärungen aufmerksam, necken ihn manchmal liebevoll. „Dieses Semester habe ich eine traumhafte Gruppe“, sagt der Lehrer. Auch wenn es manchmal laut und wild zugehe, wüssten alle intuitiv, wo die Grenzen liegen.

Für Goger steht die Beziehung zu den Lernenden im Mittelpunkt: „Wenn die Beziehung stimmt, kann man die Lerninhalte auch besser vermitteln.“ Dass die Teilnehmenden nach der Basisbildung im gleichen Umfeld bleiben können, sei ein Vorteil. „Es ist alles sehr familiär“, betont er.

Fokus auf Stärken statt Defizite

Shamsudin ist einer der Kursteilnehmer. Der 17-Jährige aus dem Norden Afghanistans lebt seit zwei Jahren in Österreich. Er besuchte dort bis zur 8. Klasse eine Schule. Nach dem Basisbildungskurs möchte er bei BACH den Pflichtschulabschluss machen und dann eine Ausbildung beginnen. „Jeder wünscht sich eine gute Zukunft. Ich will in die IT“, sagt er.

Derzeit lernt Shamsudin Deutsch sowie die Fächer Biologie, Geografie und Mathematik. Besonders Mathe und Biologie liegen ihm. „Die Lehrer*innen hier sind sehr nett und erklären mir alles. Ich habe hier so viel gelernt. Aber ich will auch weiterlernen“, erzählt der Jugendliche.

Jerome Goger hebt hervor, dass sich BACH von herkömmlichen Schulen unterscheide: „Allgemein hat Schule nämlich das Problem, dass sie nach Defiziten ausgerichtet ist. Oft heißt es: ‚Das kannst du noch nicht, das musst du noch lernen.' Bei BACH konzentrieren wir uns auf die Stärken der einzelnen Menschen.“ Jeder habe seine eigene Geschichte und seine eigenen Themen.

Teilhabe braucht mehr als Deutschkenntnisse

Lisa Steinberg, Referentin im Fachbereich Integration und Bildung bei der Diakonie Eine Welt, betont: „Teilhabe braucht mehr als nur Deutschkenntnisse.“ Es gehe auch um Lernkompetenz und einen klaren Alltagsbezug. Warum etwa Lebensmittel in verschiedenen Supermärkten unterschiedlich viel kosten, sei gerade für Menschen mit wenig formaler Schulbildung eine wichtige Frage.

Deshalb fragen Angebote wie BACH konkret nach individuellen Wünschen und Zielen. Die Kurse umfassen meist nur etwa zehn Personen, sodass Einzelinteressen berücksichtigt werden können. Lehrer wie Jerome Goger werden zusätzlich von freiwilligen Lernbegleiter*innen unterstützt. „Grundsätzlich wird in der Basisbildung immer überlegt: ‚Was ist schon da? Und wo wollen die Teilnehmenden hin?'“, erklärt Steinberg.

Alle Probleme könne die Bildungsarbeit allerdings nicht lösen, räumt sie ein. „Es gibt weiterhin institutionelle Diskriminierung, gerade was den Zugang zum Arbeitsmarkt betrifft. Das gilt gerade für unsere Zielgruppe, die immer von Armut bedroht ist.“

„Man darf die Hoffnung nicht verlieren“

Nach der Mathematikeinheit schlendern die jungen Kursteilnehmer durch das Treppenhaus, machen Witze und schmieden Sommerpläne. Shamsudin hatte das Gespräch zuvor mit einem Appell beschlossen: „Man darf die Hoffnung nicht verlieren. Egal, woher man kommt, welche Wünsche man hat oder welche Sprache man spricht. Man muss es versuchen.“

Quelle: https://www.diakonie.at/news-stories/story/bildungsarbeit-fuer-gefluechtete-die-hoffnung-nie-verlieren

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