Birgit Birnbacher erhält Buchpreis Familienroman 2026

Die in Salzburg lebende Autorin Birgit Birnbacher wird mit dem Buchpreis Familienroman 2026 ausgezeichnet. Die Stiftung Ravensburger Verlag würdigt damit ihren Roman „Sie wollen uns erzählen“, der sich mit ADHS und Familie auseinandersetzt.
Die Stiftung Ravensburger Verlag zeichnet die österreichische Autorin Birgit Birnbacher mit dem Buchpreis Familienroman 2026 aus. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird am 23. November 2026 in Berlin verliehen. Ausgezeichnet wird ihr im Zsolnay-Verlag erschienener Roman „Sie wollen uns erzählen“, der die Geschichte eines Jungen mit ADHS erzählt.
Die 1985 geborene Salzburgerin studierte Soziologie und Sozialwissenschaften und arbeitete zunächst als Sozialarbeiterin. Heute ist sie als freie Schriftstellerin tätig und lebt mit ihrer Familie in Salzburg. „Sie wollen uns erzählen“ ist bereits ihr vierter Roman. Birnbacher wurde unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2019, dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung sowie mehreren Förderpreisen ausgezeichnet. Zudem steht das Werk auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2026.
Familiensuche zwischen Alltag und Ausnahmezustand
Im Mittelpunkt des Romans steht der zehnjährige Oz, der wie seine Mutter mit ADHS lebt. Während der Junge oft aneckt, vertraut ihm seine Mutter und fördert seine besonderen Fähigkeiten sowie sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden.
Am letzten Schultag vor den Sommerferien wird Oz für einen Vorfall verantwortlich gemacht. Auf dem Heimweg beschäftigt ihn vor allem die Sorge, seiner Mutter einen Schuldbrief der Lehrerin zeigen zu müssen. Dabei könnte eigentlich sein unerwartet gutes Zeugnis Anlass zur Freude sein. Als ausgerechnet seine Großmutter verschwindet, entwickeln sich die Ereignisse anders als erwartet. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Tante macht sich Oz auf die Suche. Dabei entsteht eine neue Form des familiären Zusammenhalts.
Sensibler Blick auf ADHS
Mit „Sie wollen uns erzählen“ gelingt Birnbacher ein einfühlsamer und literarisch dichter Familienroman. Das Buch setzt sich nicht nur mit familiären Beziehungen auseinander, sondern greift zugleich gesellschaftliche und bildungspolitische Fragen auf.
Die Autorin zeigt ADHS nicht ausschließlich als Herausforderung, sondern auch als besondere Perspektive auf die Welt. Damit stellt der Roman gängige Vorstellungen von Normalität infrage und eröffnet neue Sichtweisen auf individuelles Denken und Handeln.
Am Ende steht ein hoffnungsvoller Ausblick. Trotz aller Unruhe und Unsicherheit bleibt die Möglichkeit, aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Dieser Gedanke richtet sich nicht nur an die Figuren der Geschichte, sondern versteht auch das Erzählen selbst als Orientierungshilfe im komplexen Alltag.
Preis für zeitgemäße Familienbilder
Der Buchpreis Familienroman wird heuer zum 16. Mal vergeben. Ausgezeichnet werden deutschsprachige Prosawerke, die mit literarischen Mitteln ein zeitgemäßes Bild von Familie zeichnen.
Bei der Auswahl beraten Expertinnen und Experten aus Literaturkritik und Buchhandel die Stiftung Ravensburger Verlag. Zum diesjährigen Gremium gehörten Cornelia Geißler, Sandra Kegel, Christoph Schröder, die österreichische Autorin und Literaturbloggerin Mareike Fallwickl, Buchhändler Michael Riethmüller sowie die Journalistin und Buchautorin Andrea Reidt.
Zweite Ehrung für Dortmunder Bildungsprojekt
Im Rahmen der Preisverleihung wird auch der Leuchtturmpreis Ehrenamt 2026 vergeben. Die ebenfalls mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die Initiative „Eulen & Lerchen“ des Mütterzentrums Dortmund e. V.
Das Projekt unterstützt Familien, deren Alltag durch Schichtarbeit geprägt ist, und schließt Betreuungslücken zwischen den Öffnungszeiten von Schulen beziehungsweise Kindergärten und den Arbeitszeiten der Eltern.
Die Laudatio für Birgit Birnbacher und ihren Roman wird die Literaturkritikerin Cornelia Geißler halten.
Quelle: OTS
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